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Die Ära der Mauerkunst startete 1976 als die DDR-Grenztruppen begannen auf der Westseite  eine neue Mauer aus Betonsegmenten zu errichten. Diese waren rund 3,60 m hoch und meist weiß gestrichen. Natürlich war das Betreten des Grenzgebiets weiter verboten und das Bemalen der Mauer erst recht.

Wie oft war es die Kombination aus Gefahr und dem Wunsch in der Szene bekannt zu werden die Leute magisch anzog.

Thierry Noir und Keith Haring gehörten zu den bekanntesten. Doch immer mehr Künstler und noch mehr Möchtegerne bemalten die Mauer in den 80er Jahren. Viele Werke wurden binnen Stunden von anderen übermalt und gelegentlich waren es auch die Grenztruppen die die Mauer wieder weiß strichen. Doch sie unternahmen fast nichts gegen die Sprayer die so von der Entspannungspolitik profitierten.

Die echte Mauerkunst ist weitgehend verloren. Der Abriss und die vielen „Mauerspechte“ haben das meiste vernichtet.

Am Potsdamer Platz gibt es noch ein kleines Mauerstück das von Künstlern bemalt wurde.

Im Mauerpark an der Bernauer Straße gibt es eine Mauer die noch wie ursprünglich von Graffiti-Sprayern in der ursprünglichen Form der Mauerkunst ständig verändert wird.

Der Rest der Mauer in der Bernauer Straße wird in der ursprünglichen 1979er DDR Form erhalten. Frische Malversuche werden schnell entfernt.

Die East Side Gallery, die am The Wall Museum beginnt und von dort Richtung Ostbahnhof führt, ist die bekannteste Open-Air Gallery in Berlin. Rund 100 Künstler aus aller Welt malten an der Mühlenstraße. Doch die Mauer dort war die Hinterlandmauer zur DDR Seite, so begann die Malerei  dort erst nach dem Fall der Mauer 1989. Für Puristen hat sie daher mit der alten Mauerkunst wenig bis nichts zu tun. Doch inzwischen zieht sie mehr Touristen an als die anderen Mauerstücke.

Heute sind fast keine Werke mehr im ursprünglichen Zustand. Ein großer Teil wurde restauriert doch war dies von Anfang an  umstritten. Einige der ursprünglichen Künstler verweigerten ihre Mitarbeit. Um ihr Copyright zu schützen gründeten sie eine Initiative. Gerichtsverfahren begannen über die Frage wem die Kunst an der Mauer gehört. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass die Spreegrundstücke dort zu den begehrtesten Baugrundstücken Berlins gehören. Deshalb wurden bereits eine Menge Segmente der dortigen Hinterlandmauer entfernt. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat weder die finanziellen Mittel, noch die fachlichen Kompetenzen, um eine Dauerlösung zu finden. Vor 30 Jahren machte sich niemand Gedanken was Jahrzehnte Umwelteinflüsse mit Spraydosenfarbe auf Beton anrichten. Kein Künstler kann ernsthaft erwartet haben, dass sein Werk dort dauerhaften Bestand haben würde.

Für viele alte Westberliner ist das Gezerre um die East Side Gallery eine Perversion der ursprünglichen Mauerkunst die nicht kommerziell war und nie für die Ewigkeit gedacht war.

Die meisten Mauerkünstler vor 1989 haben ihre Arbeiten fotografisch dokumentiert und diese Bilder waren für viele das eigentliche Kunstwerk. Und genau diese Darstellung der Mauerkunst findet man heute im Mühlenspeicher der das multimediale The Wall Museum beherbergt. Sie bildet einen faszinierenden Gegensatz zur Talmi Mauerkunst nach 1989 vor der Tür.

Und mein persönlicher Favorit unter der verlorenen Mauerkunst? 1983-89 zeigte die BBC die Comedy Serie Blackadder in der der grenzdebile Baldrick den running Gag: „I have a cunning plan“ hatte. Diese Pläne waren immer aberwitzig und konnten einfach nicht funktionieren. Kurz vor dem Mauerfall sprühte jemand an die Mauer: „Don’t worry GDR, Baldrick has a cunning plan“.