Die Berliner Mauer

BERLIN – Die Berliner Mauer ist in die Geschichte eingegangen als Symbol des Kalten Krieges und der Teilung Deutschlands. Gebaut wurde sie Anfang der 60er Jahre, um den Flüchtlingsstrom vom Osten in den Westen zu stoppen.

Am 9. November 1989 fällt das meistgehasste Bauwerk Deutschlands. Die DDR steht kurz vor dem Aus, ist wirtschaftlich und politisch bankrott. Die Staatsgrenze wird geöffnet, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten ist nach über 40 Jahren Trennung in Sicht.

Seit 1952 hatte die Führung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) die sowjetische Besatzungszone zum Westen hin abgeriegelt. Die innerdeutsche Grenze hatte eine mehrere Kilometer breite Sperrzone und reichte mit fast 1400 Kilometern von Bayern bis an die Ostsee. Sie teilte Siedlungen und Landschaften, zerschnitt Straßen und Eisenbahnlinien, sie prägte das Leben von Millionen Menschen.

Für den Verkehr zwischen der Bundesrepublik und der DDR und Berlin waren nur noch sechs Eisenbahnübergänge und fünf Straßen- beziehungsweise Autobahnübergänge offen. In und um Berlin wurden 200 Straßen gesperrt, 77 blieben übrig, die Telefonverbindungen in den Westteil der Stadt wurden gekappt.
Aus der unmittelbaren Nähe der innerdeutschen Grenze wurden die Bewohner zwangsumgesiedelt. Trotzdem war Berlin immer noch Schlupfloch für waghalsige Flüchtlinge. Mit dem Bau der Mauer wurde es gestopft.

Im Juni 1961 erklärte Walter Ulbricht öffentlich: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Der Chef der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) plante jedoch bereits, Ostberlin vom Westen der Stadt abzuschotten. Die Zustimmung aus Moskau kam allerdings erst Anfang August. In der Nacht vom 12. zum 13. August versperrten Volkspolizei, Betriebskampfgruppen und Nationale Volksarmee (NVA) die durch Berlin verlaufende Sektorengrenze mit Stacheldrahtverhauen und Steinwällen.

In den folgenden Tagen und Monaten entstand zwischen Ost- und Westberlin eine 46 Kilometer lange Mauer und schließlich um ganz Westberlin befestigte Grenzanlagen auf einer Strecke von insgesamt gut 155 Kilometern. Die Bevölkerung konnte nun nicht mehr aus einem Teil der Stadt in den anderen.

Die Berliner waren fassungslos; die internationalen Reaktionen eher verhalten. General Lucius D. Clay, als amerikanischer Sonderbotschafter in der Stadt, ließ Panzer auffahren, um zu testen, ob man es nur mit dem Ulbricht-Regime oder mit Moskau zu tun hatte. Als auf der anderen Seite sowjetische Panzer heranrollten, war die Sache klar.

Die politische Führung der DDR feierte den Bau der Mauer – in der Sprache der SED-Propaganda „antifaschistischer Schutzwall“ – als „Sieg des sozialistischen Lagers“ über den westlichen Imperialismus. Im Wesentlichen ging es der DDR-Führung darum, den Flüchtlingsstrom zu stoppen, denn bis zum Mauerbau hatte die DDR jedes Jahr Hunderttausende ihrer Bürger an den Westen verloren.

Die Betonmauern, Gräben, Laufanlagen für abgerichtete Wachhunde, Wachtürme und Schützenstellungen machten die „Staatsgrenze“ fast unüberwindlich. Mindestens 235 Menschen kamen bei dem Versuch, in den Westen zu gelangen, ums Leben. Viele versuchten dennoch ihr Glück, manchmal in spektakulären Mauerfluchten.

Die erhoffte politische und wirtschaftliche Stabilität, die die DDR-Führung mit der Abriegelung der Grenzen erreichen wollte, brach Ende der 1980er Jahre zusammen.In Moskau war Michail Gorbatschow an die Macht gekommen und versuchte, Staat und Regierungsapparat zu modernisieren. Unter den Schlagworten „Glasnost“ (zu Deutsch „Offenheit“, „Transparenz“) und „Perestroika“ (zu Deutsch „Umbau“, „Umgestaltung“) reformierte er die Sowjetunion und damit den gesamten Warschauer Pakt.

Die DDR-Führung verlor den Rückhalt der Sowjetunion. In allen großen Städten protestierten die Menschen für ihre Freiheit. Eine Fluchtwelle über Ungarn und die Tschechoslowakei spitzte die Lage zu.

Am 18. Oktober 1989 setzte das SED-Zentralkomitee den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker ab. Dennoch kam die Grenzöffnung am Abend des 9. November 1989 für alle überraschend. Die Mauer fiel. Die „Wende“ war nicht mehr aufzuhalten. An jenem Abend stürmten Tausende die Grenzübergänge und feierten das „Wunder von Berlin“.

Heute sind die Spuren der Mauer aus der Landschaft und dem Berliner Stadtbild weitgehend verschwunden. In Berlin sind nur noch 1,5 Kilometer Mauer an der East Side Gallery und Oberbaumbrücke zu finden, der Rest wurde in alle Welt verkauft oder entsorgt. Pflastersteine am Brandenburger Tor erinnern an den früheren Verlauf der Mauer.

 

HISTORIE

Rund 3,6 Millionen Menschen haben zwischen 1945 und 1961 den sowjetischen Sektor Deutschlands und Berlins verlassen. Das kommunistische Regime Ostdeutschlands war dadurch zunehmend mit Schwierigkeiten konfrontiert. Die Hälfte des ständigen Flüchtlingsstroms benutzte Wet-Berlin als Sprungbrett in den Westen. Dort passierten etwa eine halbe Million Menschen täglich die Sektorengrenze in beide Richtungen. So konnten sie die Lebensverhältnisse unmittelbar miteinander vergleichen.
Allein 1960 siedelten rund 360.000 Menschen in den Westen über. Die DDR stand am Rande eines sozialen und ökonomischen Zusammenbruchs.
Am 13. August 1961 entschieden die Machthaber in Ost-Berlin und Moskau, in Berlin eine Mauer zu bauen. Die letzte Lücke im Eisernen Vorhang, der ganz Europa teilte, wurde geschlossen. Das kommunistische Regime hatte versagt und war nicht bereit dabei zuzusehen, wie das Volk mit den Füßen abstimmte.
In den darauffolgenden Jahren flohen dennoch weit über 100.000 Menschen aus der DDR. Um die innerdeutschen Grenzanlagen und die Berliner Mauer zu überwinden, war Einfallsreichtum gefragt. Einige haben Tunnel gegraben, andere flogen drüber hinweg. Hunderte kamen auf ihrem Weg in die Freiheit ums Leben. Sie wurden von DDR Grenzsoldaten erschossen oder starben auf andere Weise bei ihren Fluchtversuchen.
Die kommunistischen Machtstrukturen und das System kamen mehr und mehr an ihre Grenzen. Beide Großmächte, die USA und die UdSSR, verstrickten sich im Verlauf des Kalten Krieges mehr und mehr in einen Rüstungswettlauf, der ganz Europa zu einem einzigen Pulverfass machte. Zudem verschlang dieser Rüstungswettlauf riesige Geldsummen, was vor allem für den Ostblock zum Problem wurde.
Auf der Danziger Werft in Polen streikten die Arbeiter unter Führung von Lech Walesa. Papst Johannes Paul II vermittelte. In Moskau stand Sowjetführer Michail Gorbatschow für eine Aufweichung der Politik. Zähe Abrüstungsverhandlungen zeigten Erfolge. US Präsident Ronald Reagan forderte Gorbatschow am Brandenburger Tor auf, die Mauer einzureissen. Ungarn öffnete seine Grenzen und ließ DDR-Bürger ungehindert passieren. Tausende anderer besetzten die Deutsche Botschaft in Prag und erzwangen dort ihre Ausreise.
Das DDR-Regime war geschwächt, Menschenrechtsgruppen in ihrem friedlichen Protest gestärkt. Deren mutiges Auftreten auf der einen und nicht zuletzt das Engagement der USA auf der anderen Seite gab den Deutschen eine zweite Chance: Am 9. November 1989 fielen sich Berliner aus Ost und West weinend vor Freude in die Arme. Abertausende feierten den Fall der Mauer an den Grenzübergängen und auf der Mauer selbst. Die Bilder dieser Nacht gingen um die ganze Welt.
Nicht einmal ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, wurde die Wiedervereinigung Deutschlands Realität. Der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmtheit hatte gesiegt. Berlin, über Jahrzehnte im Brennpunkt der Konfrontation, des Kalten Krieges, wurde zum Symbol der Deutschen Einheit und der Zukunft Europas. (Text:Bundeswehr)