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Die kommunistische Jugendorganisation FDJ war keine Neuschöpfung der DDR. Eine FDJ war schon 1936 von Kommunisten im Pariser Exil  gegründet worden. In der Tschechoslowakei gründeten andere Kommunisten 1938 eine eigene FDJ. Und 1939 wurde unter jungen deutschen Flüchtlingen in Großbritannien ebenfalls für eine FDJ geworben. Die meisten Mitglieder dort waren mit den jüdischen Kindertransporten in Sicherheit gebracht worden. Doch nur etwa 10 % der so ins Land gekommenen jüdischen deutschen Kinder zwischen 14 und 18 Jahren  traten der FDJ bei. Trotzdem wurde von der NS Propaganda der Unfug von der „Jüdisch-Bolschewistischen Weltverschwörung“ verbreitet.

Die dortige FDJ hatte rund 600 Mitglieder. Im April 1943 rief die FDJ in dazu auf, in die britische Armee einzutreten. und knapp150 Mitglieder folgten diesem Aufruf. Als Kommunisten waren sie unter Beobachtung durch die Geheimdienste doch viele waren einfach nur Antifaschisten. Die britische FDJ ging 1947 ein da fast alle Mitglieder das Land verlassen hatten.

Im Oktober 1945 nahm eine FDJ Delegation am Gründungskongress des Weltbundes der Demokratischen Jugend teil. Die KPD Spitze im Moskauer Exil hatte beschlossen eine „breite antiimperialistische demokratische“ Jugendorganisation unter der Bezeichnung „Freie Deutsche Jugend“ zu formieren. Sie sollte ausdrücklich nicht nur kommunistisch sein.

So trafen sich im September 1945 Vertreter von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone. Der kommunistische Vertreter Erich Honecker übernahm die Leitung. Im Februar 1946 gab Moskau seine Zustimmung zur Gründung der FDJ.

Name und Emblem der kommunistischen Exilgruppen wurden bei der Gründung übernommen. Die neue FDJ verstand sich aber nicht als Rechtsnachfolger dieser Gruppen.  Der 7. März wurde offizieller Gründungstermin und im November 1947 fand dann im Friedrichstadtpalast die Gründungsfeier statt.

Die im Mitgliedsbuch formulierten Ziele der FDJ klangen sehr gut:

  • Die Erhaltung der Einheit Deutschlands,
  • Die Gewinnung der deutschen Jugend für die großen Ideale der Freiheit, des Humanismus, einer kämpferischen Demokratie, des Völkerfriedens und der Völkerfreundschaft,
  • Die aktive Teilnahme aller Jugendlichen beim Wiederaufbau des Vaterlandes,
  • Die Schaffung eines deutschen Staates, der der Jugend das Mitbestimmungsrecht durch aktive Teilnahme an der Verwaltung des öffentlichen Lebens einräumt, und allen Jugendlichen ohne Unterschied ihrer Herkunft, des Vermögens und des Glaubens eine gute Berufsausbildung, Zutritt zu allen Bildungs- und Kulturstätten, gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, ausreichenden Urlaub und Erholung sichert,
  • Die Förderung von Zusammengehörigkeitsgefühl der Jugendlichen durch die Entwicklung aller Interessengebiete des Lebens; die Bildung von Arbeits- und Interessengemeinschaften sozialer, kultureller und sportlicher Art sowie Förderung des Jugendwanderns.

Doch schnell zeigte die vermeintlich überparteiliche Jugendorganisation ihr wahres Gesicht. Kirchliche und andere Jugendgruppen wurden schnell  gleichgeschaltet. Die FDJ sollte die Jugendlichen zu „klassenbewussten Sozialisten“ erziehen die die Thesen des Marxismus-Leninismus verinnerlicht haben sollten.

Er war kein Wunder, dass die SED offiziell keine eigene Jugendorganisation hatte. Eine spezielle Rolle kam der FDJ bei der Verdrängung kirchlicher Jugendorganisationen zu. Schnell erkannten evangelische und katholische Kirchenvertreter, dass die FDJ in dieser Hinsicht eine Neuauflage der HJ war.

Am leichtesten kommt man an die Jugendlichen indem man ihnen besondere Freizeitgestaltungen bietet. Jugendklubs boten ihnen Treffpunkte mit Spieleinrichtungen. Die Unterorganisation Jugendtourist organisierte Reisen im sozialistischen Ausland. . Über Jugendtourist organisierte Auslandsreisen ins westliche Ausland waren für „normale Mitglieder“ kaum zu bekommen. Sie waren absolut linientreuen FDJ Führern vorbehalten.

In jeder Stadt gab es ein Pionierhaus das zahlreiche Arbeitsgemeinschaften bot. „Junge Naturforscher“ und „Junge Techniker“ fanden vielfältige Angebote.

Die FDJ Führung betitelte die Organisation ab den70er Jahren unverhohlen  als „Kampfreserve der SED“. Sie spielte auch bei den Beziehungen zu anderen Staaten eine wichtige Rolle. Die „Vertiefung der Freundschaft zur Sowjetunion“ war eines der Hauptschlagworte der FDJ. FDJ Brigaden nahmen an Arbeitseinsätzen in der Sowjetunion teil, so halfen junge DDR Bürger beim Bau der Baikal-Amur Eisenbahnlinie. Andere arbeiteten im sandinistischen Nikaragua, in Mozambique und Angola.

Die Mitgliedschaft war freiwillig. Auf Antrag wurden die Jugendlichen mit 14 in die FDJ aufgenommen. Die „Freiwilligkeit“ stand aber nur auf dem Papier. Wer nicht mitspielte hatte bei der Zulassung zu Universitäten so gut wie keine Chance. Linientreue Lehrer bearbeiteten ihre Klassen und es erforderte Mut sich dem Druck zu entziehen. Rund 20 % der Jugendlichen hatten diesen Mut. 1985 hatte die Organisation etwa 2,3 Millionen Mitglieder, dies entsprach etwa 4/5 aller DDR-Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren.

Beim Wehrdienst übten NVA Politoffiziere weiteren Druck aus, wer noch kein FDJ Mitglied war wurde oft mit Sonderdiensten und gestrichenem Ausgang „überzeugt“.

1961 wurden die „Ordnungsgruppen der FDJ“ gegründet. Bei  Jugendveranstaltungen dienten sie als Hilfspolizei. Gegenüber „Rowdys, Störern und feindlichen Elementen“ der alternativen Jugendkultur sollten sie „erziehend“ wirken. Ende der 1980er Jahre gab es 40.000 Ordnungsgruppen-Mitglieder in der DDR die oft mit Punkern und anderen Oppositionellen in Konflikt gerieten.

Der Mitgliedsbeitrag der FDJ war einkommensabhängig, er reichte von 0,30 bis 5 Mark der DDR. Viele Mitglieder waren einfach nur Mitläufer. Man zahlte und nahm an den Pflichtveranstaltungen teil. Und später trat man in die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft ein. Damit bekundete man genug sozialistischen Eifer um nicht anzuecken. 

Es wurde großer Wert auf Auftreten in der FDJ Uniform gelegt. Das „Blauhemd“ wurde zum Synonym, die Mitglieder  wurden die „Blauhemden“. Hemd oder Bluse mit dem FDJ Emblem der aufgehenden Sonne auf dem linken Ärmel war die Kleidung der DDR Jugend bei offiziellen Anlässen.

Wie die ganze DDR war auch die FDJ nach dem Prinzip des „demokratischen Zentralismus“ organisiert. Von der Gruppe, z.B. einer Schulklasse oder Jugendbrigade, über die Abteilungs-FDJ-Organisation bis zur FDJ Kreisleitung wusste jeder wer das Sagen hatte.

Dabei hatte die FDJ auch Vertretungen in Betrieben, bei der NVA und sogar beim Ministerium für Staatssicherheit. Die höchste Verwaltungsebene war der Zentralrat der FDJ mit dem Ersten Sekretär an der Spitze.

Der Hauptsitz war Unter den Linden wo bis zu 150 Mitarbeiter die Verwaltung übernahmen.

Alle vier Jahre fand die Delegiertenversammlung der FDJ statt. Das vom Zentralrat gewählte Sekretariat bestand aus 13 Sekretären, darunter stets der Vorsitzende der Pionierorganisation.

Die Position des Ersten Sekretärs der FDJ war eine Startbahn in die oberste Führung der SED.  Erich Honecker, Günther Jahn und Egon Krenz. hatten sie inne. Im Apparat des Zentralrates waren etwa 400 hauptamtliche Mitarbeiter und viele machten im Staat Karriere. Mit der Jugendhochschule Wilhelm Pieck hatte die FDJ ihre eigene Kaderschmiede.

Natürlich spielte die FDJ in den Medien eine wichtige Rolle. Für jedes Alter gab es Druckerzeugnisse. In fast jedem Kinderbuch gab es Junge Pioniere, Jugendmagazine berichteten stets über FDJ Aktionen. Die Wochenzeitung Forum richtete sich an Studenten und Hochschulmitarbeiter. Die FDJ Zeitung „Junge Welt“ war die auflagenstärkste Tageszeitung der DDR. Das FDJ Liederbuch „Leben – Singen – Kämpfen“ erlebte 18 Auflagen. In ihm wurden sozialistische Kampflieder und Volkslieder gemischt. Radio und Fernsehen wurden von FDJ Mitarbeitern „beraten“.

Die meisten großen Parteien haben Jugendorganisationen doch dabei geht es in der Regel um junge Erwachsene die sich in die Politik ihres Landes einbringen wollen. Doch Parteien die für sich einen Alleinvertretungsanspruch erheben wollen die Menschen schon als Kinder lenken. So hatte der Nationalsozialistische Staat mit dem „Deutschen Jungvolk“ eine Jugendorganisation für 10  – 14 Jährige. Der politische Flüsterwitz kommentierte dies damit, dass nach den SA Männern bald auch AA Männer in den NS Staat integriert  würden.

Die FDJ übertraf den NS Staat noch, die ihr unterstehende Pionierorganisation Ernst Thälmann begann bei den 6 Jährigen. Die völlige Einvernahme der Jugend in den Dienst einer politischen Ausrichtung ist eines der offensichtlichsten Kennzeichen eines totalitären Regimes.

Als eindeutig nicht demokratische Organisation wurde die FDJ in der Bundesrepublik bekämpft. Die SED hatte versucht eine FDJ Bewegung im Westen aufzubauen. Ihre Funktionäre gehörten alle zur KPD.  1950, 1954 und 1964 veranstaltete die FDJ zu Pfingsten in Ost-Berlin Treffen. Diese Deutschlandtreffen waren für die SED eine wichtige Propagandaaktion. 1950 nahmen fast 10.000 Westdeutsche teil, damals hatte die westdeutsche FDJ rund 30.000 Mitglieder. Mit der DDR Entwicklung in Richtung Diktatur sank die Zahl schnell.

Ab 19. September 1950 galt in Westdeutschland ein Beschäftigungsverbot im öffentlichen Dienst für KPD und FDJ Mitglieder. Am 26. Juni 1951 wurde die FDJ in der Bundesrepublik gemäß Artikel 9 Absatz 2 des Grundgesetzes verboten. 16. Juli 1954 stellt das BVG unanfechtbar fest, dass die FDJ in Westdeutschland als verfassungsfeindliche Organisation verboten ist. So wurde auch die Verwendung der FDJ Abzeichen strafbar.

Das Verbot gilt auch heute noch, bezieht sich aber nach Auffassung des Innenministeriums nur auf die eigenständige Organisation in Westdeutschland. Da die Abzeichen identisch waren kann das tragen aller FDJ Symbole mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft werden. Doch es gibt keinen Berliner Flohmarkt auf dem keine FDJ Hemden, Fahnen oder Abzeichen gehandelt werden. Sie liegen dort bei den Händlern oft Seite an Seite mit NS Abzeichen, doch werden die FDJ Zeichen nicht abgeklebt.

Es hatte immer Widerstand gegeben, doch Glasnost unterminierte die FDJ Basis auf Dauer. Bei Veranstaltungen erschollen mehr und mehr „Gorbi Gorbi“ Rufe. Selbst führende FDJ Mitglieder applaudierten Gorbatschow bei seinem Besuch.  Inwieweit die Doktrin, die Sowjetführung hat immer Recht, dabei eine Rolle spielte ist sicher diskussionswürdig. Alle Versuche die FDJ zu reformieren scheiterten jedenfalls an den alten Funktionären.

Die letzte Großaktion der FDJ war ein Fackelzug in Berlin zum 40.Jahrestag der DDR am 6. Oktober 1989. Nicht wenige zogen Parallelen zu den Fackelzügen der Nationalsozialisten 1933.

Die Ost FDJ wurde nach der Wende nicht verboten. Zwischen  November 1989 und  November 1990 sank die Mitgliederzahl von 2,3 Millionen auf 22.000.  Mitte 1991 lag sie noch bei  7000. 2003 waren es rund 150.