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	<title>blog Archives - Wall Museum</title>
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	<description>East Side Gallery</description>
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	<title>blog Archives - Wall Museum</title>
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		<title>Reisen für DDR Bürger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Mar 2024 22:46:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Mauer teilte die deutsch-deutschen Gesellschaften besonders offensichtlich auf dem Reisemarkt.  Der Westdeutsche und Westberliner durfte praktisch jederzeit in fast jedes Land der Welt reisen. Seinem Heimatland waren seine Reisen völlig egal. Ganz anders in der DDR.  Auch mit Visum durfte der DDR-Bürger nur in die sozialistischen Bruderländer reisen. Der Westen war für die meisten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" fetchpriority="high" class="aligncenter wp-image-2288 size-full" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2024/03/kuste-ostsee.jpg" alt="" width="792" height="462" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2024/03/kuste-ostsee.jpg 792w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2024/03/kuste-ostsee-300x175.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2024/03/kuste-ostsee-768x448.jpg 768w" sizes="(max-width: 792px) 100vw, 792px" /></p>
<p>Die Mauer teilte die deutsch-deutschen Gesellschaften besonders offensichtlich auf dem Reisemarkt.  Der Westdeutsche und Westberliner durfte praktisch jederzeit in fast jedes Land der Welt reisen. Seinem Heimatland waren seine Reisen völlig egal.</p>
<p>Ganz anders in der DDR.  Auch mit Visum durfte der DDR-Bürger nur in die sozialistischen Bruderländer reisen. Der Westen war für die meisten tabu. Es gab „Reisekader“ die die Genehmigung hatten in den Westen zu reisen, aus wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Gründen von ihren Unternehmen oder Universitäten dafür ausgewählt. Doch das waren nur wenige und einige nutzten die Gelegenheit zur Flucht.</p>
<p>Auf dem Papier war der DDR Tourismus großartig. Bei der Staatsgründung 1949 schrieb die DDR für jeden Arbeitenden das „Recht auf Erholung“ und „auf jährlichen Urlaub gegen Entgelt“ in den Artikel 16 der Verfassung. Das „Handbuch der DDR“ lobte das sozialistische Urlaubssystem als „große soziale Errungenschaft der DDR“.</p>
<p>Die Beschaffung der Ressourcen war typisch DDR. 1953 durchsuchte eine große Zahl Polizisten in der „Aktion Rose“ mehr als 700 private Hotels, Gaststätten oder Pensionen an der Ostseeküste.</p>
<p>Der absurde Vorwurf: Die Hoteliers würden „illegal eingeführte Westwaren“ verkaufen und für die „Agentenzentralen des amerikanischen Imperialismus“ arbeiten. Am Ende der Aktion wurden 440 Besitzer einfach als Westagenten verhaftet.</p>
<p>60% des Tourismus wurden in der DDR über Betriebe und den Staat organisiert. Der FDGB Feriendienst führte rund 2 Millionen Reisen pro Jahr durch. Das staatliche Reisebüro der DDR war ein VEB, die FDJ hatte ab 1975 ein eigenes Jugendreisebüro. Bei Jugendtourist konnten alle Bürger vom 16. bis zum 25. Lebensjahr buchen. Bekannt war aber, dass auch Ältere mitgenommen wurden, wenn noch Plätze frei waren. Und man Beziehungen hatte.</p>
<p>34 % der Übernachtungen entfielen 1989 auf Einrichtungen der Betriebe, 26% auf Campingplätze, 19% auf FDGB-Hotels, 17 % auf Jugenderholungseinrichtungen und 4% auf sonstige.</p>
<p>Diese offiziellen Zahlen trügen. Es fehlen die Übernachtungen in privaten Unterkünften, diese machten in den touristisch stark frequentierten Orten den Großteil der Übernachtungen in der Feriensaison aus. Durch diese privaten Touristen kam es in den Ferienorten immer wieder zu spürbaren Lieferengpässen bei der lokalen Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs.</p>
<p>Die Sorge um den Sommerurlaub begann für DDR-Bürger schon im Winter. Zu einem festen Termin mussten die Bestellscheine für Busfahrten oder für begehrte Auslandsreisen in den Ostblock beim DDR-Reisebüro eingegangen sein. Von 1000 Anträgen wurden jeweils nur etwa 30 genehmigt Das war dann wie ein großer Lottogewinn, bezahlt mit einem der begehrten rosafarbenen „FDGB-Ferienschecks“. Diesen FDGB-Ferienscheck bekam der Antragssteller statistisch, nur alle fünf Jahre.</p>
<p>Nur ein Drittel der Kosten mussten die Urlauber selbst zahlen, das galt auch für die Hinreise mit der Reichsbahn. Zwei Wochen Vollpension im Ostseebad Boltenhagen kosteten 1965 nur 95 Mark pro Person.</p>
<p>Der Ton aber war seltsam. Auf den Ferienschecks stand „Einweisung ins FDGB-Urlauberdorf“ und das Essen gab es in „Verpflegungsstellen“ Der Sozialversicherungsausweis musste vorgelegt werden, Sportkleidung wurde ausdrücklich erwartet. So mancher musste den Chef beim kollektiven Mittagessen ertragen. Der Komfort war überschaubar, die Wasserhähne tropften, Betten quietschten -und jeden Morgen begann der Kampf um die Etagendusche. 10% des DDR-Haushalts floss in die subventionierte Ferien, doch das Angebot deckte nie die Nachfrage.</p>
<p>Wer den Massenbetrieb vermeiden wollte campte, mehr als 500 Zeltplätze gab es am Ende in der DDR, die größten mit bis zu 5000 Stellplätzen. Wer Glück hatte besaß einen Wohnzeltanhänger wie den „Klappfix“ oder das „Campifix“.</p>
<p>Die Stellplätze waren begehrt und mussten monatelang vorher bei der Zentralen Campingplatzvermittlung beantragt werden.</p>
<p>Selbst die sozialistischen Bruderländer konnte man als normaler DDR-Bürger nicht ohne Probleme bereisen, das fing schon bei den Devisen an. Auch die Freundesländer waren nicht scharf auf die DDR Währung. Zehntausende Bürger standen stundenlang an für Reiseanträge für Bulgarien, die CSSR oder Ungarn.  Bei Erfolg stopften sie ihre Trabbis mit Lebensmittel voll da offiziell nur ein Tageshöchstsatz umgetauscht werden durfte. In der CSSR lag der beispielsweise bei nur 30 Mark. Da fühlte sich der DDR Reisende als Urlauber zweiter Klasse, wenn er am Plattensee plötzlich auf einen Westdeutschen traf.</p>
<p>Und natürlich wollte man Fluchten vermeiden. 1968 richtete die DDR für Balkanreisen eine Ausweichstrecke durch die UdSSR ein. Man benötigte hierfür ein Transitvisum. Mit diesem 3 Tage Visum wurden die Grenzen der UdSSR für Individualtouristen durchlässig, was in einigen Fällen zu unerlaubten Ostreisen führte. Man musste bei der Beantragung der Einreise die genaue Fahrtroute sowie die einzelnen Tagesziele angeben. Es gab Gebiete, die aus militärischen Gründen für alle Ausländer gesperrt waren und man konnte man sich verfahren aber auch Pannen haben und festsitzen. Daher musste man sich jeweils am Tagesziel bei der Miliz melden, die über die Ankunft vorinformiert war. Geschah das nicht, wurde eine Suchaktion ausgelöst.</p>
<p>Ab 1973 waren Reisen nach Kuba möglich, sie waren sehr teuer und fast nur Kadern vorbehalten.</p>
<p>Der Großteil der Gruppenreisen erfolgte per Flugzeug, in Ausnahmefällen mit der Bahn (z.B. die Erlebnisreise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok). Die Flugreisen begannen und endeten stets am gleichen Flugplatz. Im Ausland traf man auf einen lokalen Dolmetscher, im Regelfall ein Agent des jeweiligen Geheimdienstes. Der aber nicht mit dem DDR Reiseleiter geheimdienstlich zusammenarbeitete.</p>
<p>Das Reisebüro der DDR war eigentlich eine Filiale der Stasi. Die meisten festangestellten Repräsentanten und Chefrepräsentanten des Reisebüros der DDR und auch die ehrenamtlichen Reiseleiter arbeiteten als IM oder Agenten des MfS. Die ehrenamtlichen bekamen die Reise bezahlt, musste aber für die Reisezeit ihren Urlaub verwenden. Ehefrauen mussten voll für die Reise zahlen. Gab es Pannen, für die der Reiseleiter verantwortlich gemacht wurde, musste er persönlich für den Schaden haften. Der GAU war ein Flüchtling bei einer Auslandsreise.</p>
<p>So ist es kein Wunder, dass die Reiseleiter ständig Druck auf die Reisenden ausübten. Immer schön alphabetisch geordnet Schlange stehen und keine unerwünschten Kontakte mit Ausländern.</p>
<p>Als 1989 die Massenproteste das DDR-System erschütterten, wollten viele neben mehr Demokratie auch etwas völlig Undenkbares: „Visafrei nach Hawaii!“ So wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache 1989 „Reisefreiheit“ zum Wort des Jahres.</p>
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		<title>Fluchten in der dunklen Jahreszeit</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/fluchten-in-der-dunklen-jahreszeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Dec 2022 09:52:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[blog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Glienicker Brücke. Quer über die Brückenmitte verläuft die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin bzw. die Stadtgrenze zu Potsdam. Während der Zeit der Deutschen Teilung erlangte die Glienicker Brücke weltweite Bekanntheit durch den am 11. Februar 1986 spektakulär inszenierten dritten und letzten Agentenaustausch. Die Berliner Mauer stand bei jedem Wetter da, doch manche Wetterlagen erleichterten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class=" wp-image-1121 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja--300x239.png" alt="Glienicker Brücke" width="581" height="463" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja--300x239.png 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja--1024x814.png 1024w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja--768x611.png 768w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja-.png 1200w" sizes="(max-width: 581px) 100vw, 581px" /></p>
<p style="text-align: center;"><em>Die Glienicker Brücke. Quer über die Brückenmitte verläuft die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin bzw. die Stadtgrenze zu Potsdam. Während der Zeit der Deutschen Teilung erlangte die Glienicker Brücke weltweite Bekanntheit durch den am 11. Februar 1986 spektakulär inszenierten dritten und letzten Agentenaustausch.</em></p>
<p>Die Berliner Mauer stand bei jedem Wetter da, doch manche Wetterlagen erleichterten die Flucht, wenn man sich entsprechend vorbereitete.</p>
<p>In der Nacht zum 21. November 1963 schwamm der 21-Jährige Hubert Hohlbein durch den Jungfernsee, unweit des Schlosses Cecilienhof. Nach 90 Minuten im eiskalten Wasser erreichte er das Westberliner Ufer, 200 m von der Glienicker Brücke.</p>
<p>Er lief zur Brücke, wo ihn West-Berliner Polizisten mit Decken wärmten und einen Krankenwagen riefen. Er hatte die Flucht gut überstanden.</p>
<p><img decoding="async" class=" wp-image-1117 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/tempxberlinbrueckegjpg100__v-gseapremiumxl-300x169.jpg" alt="" width="733" height="413" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/tempxberlinbrueckegjpg100__v-gseapremiumxl-300x169.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/tempxberlinbrueckegjpg100__v-gseapremiumxl.jpg 704w" sizes="(max-width: 733px) 100vw, 733px" /><br />
Schon vorher hatten zwei seiner Freunde diesen Fluchtweg dort erfolgreich benutzt. Die drei besorgten sich Tauchanzüge und trainierten heimlich in den Gewässern in und um Berlin zu schwimmen und unter Eis zu tauchen.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-1115 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/geteiltbrueckewdrdpagjpg100__v-gseapremiumxl-300x169.jpg" alt="" width="738" height="416" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/geteiltbrueckewdrdpagjpg100__v-gseapremiumxl-300x169.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/geteiltbrueckewdrdpagjpg100__v-gseapremiumxl.jpg 704w" sizes="(max-width: 738px) 100vw, 738px" /><br />
Hohlbein beschloss, anderen vom Westen aus bei der Flucht zu helfen. Im Oktober 1964 gelang es seiner Gruppe, 57 DDR-Bürgern durch einen Tunnel zur Flucht zu verhelfen. Unter ihnen war seine Mutter.<br />
In der DDR hatte man ihm ein Studium wegen seiner Herkunft als Unternehmersohn verweigert, er musste eine Lehre machen. Nun konnte er seinen Traum erfüllen und studieren.</p>
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		<title>Leben im Schatten der Mauer</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/leben-im-schatten-der-mauer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Oct 2022 13:10:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin Wall]]></category>
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		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Anfänge der Berliner Mauer. Oktober 1962 Der Verlauf der Berliner Mauer führte dazu, dass in West-Berlin viele Menschen unmittelbar an der Mauer lebten. Während in Ost-Berlin Häuser in unmittelbarer Grenznähe geräumt und abgerissen wurden, blieben die West-Berliner dort wohnen. Der Schock wich schnell Gewohnheit. Da die Grenze nach den Kehrgrenzen der Müllabfuhr festgelegt worden [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1070" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08.png" alt="" width="2058" height="1350" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08.png 2058w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08-300x197.png 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08-1024x672.png 1024w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08-768x504.png 768w" sizes="(max-width: 2058px) 100vw, 2058px" /></p>
<p><em>Die Anfänge der Berliner Mauer. Oktober 1962</em></p>
<p>Der Verlauf der Berliner Mauer führte dazu, dass in West-Berlin viele Menschen unmittelbar an der Mauer lebten. Während in Ost-Berlin Häuser in unmittelbarer Grenznähe geräumt und abgerissen wurden, blieben die West-Berliner dort wohnen.</p>
<p>Der Schock wich schnell Gewohnheit. Da die Grenze nach den Kehrgrenzen der Müllabfuhr festgelegt worden war, gab es vor manchen Häusern nur einen schmalen Fußweg, der eigentlich schon zu Ost-Berlin gehörte. Denn die Mauer war fast nirgendwo die eigentliche Grenze, sie lag in der Regel 3 &#8211; 5 m weiter in Richtung West-Berlin.</p>
<p>Aber in der Regel wurde die Benutzung toleriert. Dafür war alles auf der DDR Seite entfernt worden, was den Flüchtlingen Sichtdeckung hätte geben können.</p>
<p><iframe loading="lazy" title="The Tunnel (1962) Full Documentary (escape under the Berlin Wall)" width="1140" height="855" src="https://www.youtube.com/embed/7E3T7eiSBsY?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Da der Todesstreifen ständig mit Mikrofonen kontrolliert wurde, sind in den ersten Jahren viele Tunnel von Fluchthelfern nach Ost-Berlin gegraben worden. Als Ausgangspunkt waren die Häuser direkt an der Grenze besonders geeignet gewesen.</p>
<p>Viele Tunnel wurden von Spitzeln verraten. Es gab in West-Berlin eine ganze Reihe SED Sympathisanten, andere taten es für Geld. Wer allerdings von den Hausbewohnern erwischt wurde, kassierte eine kräftige Tracht Prügel, bevor er den Behörden übergeben wurde.</p>
<p>Gelegentlich wurde die Ruhe durch Fluchtversuche unterbrochen. Immer wieder schlugen Kugeln in die Fassaden der West-Berliner Häuser ein. Manchmal landeten die Geschosse in Wohn- oder Schlafzimmern, wenn sie durch die Fenster schossen. Das konnte auch bei Unfällen geschehen, ich selbst habe als Passant erlebt, wie eine Kugel, nicht weit von mir, in eine Hauswand einschlug. Der Grenzer hatte die Waffe durchgeladen, fallen gelassen und der Schuss löste sich.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1072" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/54162.jpg" alt="" width="828" height="538" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/54162.jpg 828w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/54162-300x195.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/54162-768x499.jpg 768w" sizes="(max-width: 828px) 100vw, 828px" /></p>
<p>Das war allerdings an einem Stück der Mauer, wo die Straße beidseitig zu West-Berlin gehörte. Auch dort lebte man in ihrem Schatten. Die DDR-Grenzer beobachteten alle Vorgänge auf der Westseite und machten Fotos. Dabei wurde auch genau in die Wohnungen geguckt. Man fürchtete, dass westliche Geheimdienste sie als Stützpunkte verwenden könnten.<br />
Ein Teleskop auf einem Balkon löste hektische Betriebsamkeit aus. Das MfS schickte sogar Agenten aus, um zu prüfen, wer dort wohnte und was die Person damit im Schilde führte. Ein Hobbyastronom oder ein potentieller Grenzverletzer? Ein großer Teil der Hausbewohner in Mauernähe hatte Stasi-Akten. Besonders solche, die Verwandte in der DDR hatten.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1074" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37.png" alt="" width="2096" height="1384" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37.png 2096w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-300x198.png 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-1024x676.png 1024w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-768x507.png 768w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-1536x1014.png 1536w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-2048x1352.png 2048w" sizes="(max-width: 2096px) 100vw, 2096px" /></p>
<p>Nicht wenige Menschen wohnten gerne in der Nähe der Mauer. Da die Grenze oft Straßen unterbrach, war das Gebiet dann wie eine verkehrsberuhigte Zone. Dazu waren diese Wohnlagen oft besonders preisgünstig. Die Beleuchtung und Bewachung der Grenzanlagen vermittelte manchem West-Berliner sogar ein Gefühl der Sicherheit. So war z.B. die Kleingartenkolonie “Freiheit an der Mauer” damals frei von Einbrüchen.</p>
<p>Mit dem Fall der Mauer 1989 änderte sich all das schnell.</p>
<p>Trotzdem sind die Menschen, die in ihrem Schatten lebten, selbstverständlich froh über den Mauerfall.</p>
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		<title>Volksgesundheit und Propaganda in Ost und West</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/volksgesundheit-und-propaganda-in-ost-und-west/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Oct 2022 13:59:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Epidemie]]></category>
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		<category><![CDATA[ost und west]]></category>
		<category><![CDATA[propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Wall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Berlin Seuchenschutz. Die Menschheit hat ein kurzes Gedächtnis. Es hilft den Menschen nicht in ständiger Furcht zu leben. Und je länger der letzte Fall zurückliegt, umso weniger ist uns die Gefahr bewusst.   Epidemien sind nichts Neues, Corona ist nur die letzte in einer ganzen Reihe von Massenerkrankungen die Deutschland heimsuchten.  Wer erinnert sich noch an [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1062 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/berlin-seuchenschutz.jpeg" alt="" width="424" height="688" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/berlin-seuchenschutz.jpeg 424w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/berlin-seuchenschutz-185x300.jpeg 185w" sizes="(max-width: 424px) 100vw, 424px" /></p>
<p style="text-align: center;">Berlin Seuchenschutz.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Menschheit hat ein kurzes Gedächtnis. Es hilft den Menschen nicht in ständiger Furcht zu leben. Und je länger der letzte Fall zurückliegt, umso weniger ist uns die Gefahr bewusst.  </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Epidemien sind nichts Neues, Corona ist nur die letzte in einer ganzen Reihe von Massenerkrankungen die Deutschland heimsuchten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wer erinnert sich noch an die Hongkong-Grippe Epidemie zwischen 1968 und  1970  bei der weltweit über eine Million Menschen starben? Allein in der Bundesrepublik waren es rund 40.000 Tote. Es hatte bereits einige Pandemien im 20. Jahrhundert gegeben.  </span><span style="font-weight: 400;">Während der Spanischen Grippe, nach dem Ersten Weltkrieg,  wurden die Bürger in westlichen Ländern ermahnt, zu Hause zu bleiben doch gehorchten nur wenige. Zur Zeit der Asiatischen Grippe und der Hongkong-Grippe beschränkte man sich darauf, die Krise durchzustehen, es gab keine generelle Ausgangssperre. Heute reagiert man viel sensibler. Die gestiegene Lebenserwartung mag einer der Gründe sein. . </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Pandemien sind also nichts neues, aber zwischen 1945 und 1989 gab es eine Besonderheit, Krankheiten und Vorsorge wurden zu Waffen im Arsenal der Propaganda in Ost und West. Ausbrüche im jeweils anderen Deutschland wurden in den Medien kommentiert, dabei wurde stets auf die jeweilige Staatsdoktrin als vermeintliche Ursache verwiesen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ende März 1962 gab es in der DDR einen Ausbruch der bakteriellen Ruhr. Spätestens Mitte der letzten Märzwoche wusste man, dass die Hauptstadt der DDR zum Schauplatz der ausgedehntesten Epidemie geworden war, die seit Kriegsende das Gebiet der DDR  heimgesucht hat.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das MfS wurde alarmiert, der Fahndungs &#8211; und Abwehrapparat des Ostberliner Seuchendezernats trat in Aktion. Das Ergebnis war politisch eine Katastrophe. Ursache war mit Ruhrbazillen verseuchte Butter, die in der vorletzten Märzwoche in vier Ostberliner Bezirken verkauft worden war.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Seuche breitete sich durch Kontaktinfektion explosionsartig aus. Schon am 1. April reichte die Kapazität der Ostberliner Krankenhäuser nicht mehr aus. Hilfskrankenhäuser mussten eingerichtet werden. Neben ausgebildetem Personal wurden Studenten und Volkspolizisten als Pfleger eingesetzt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Erst am 4. April, mehr als eine Woche nach dem Beginn der Krankheitswelle, brach die Regierung das Schweigen. Erst an diesem Tag gab die SED die Epidemie bekannt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am 8. April  wurde eine Ein- und Ausreisesperre für Berlin verhängt, mangels Kontrolle griff sie nicht und es war ohnehin zu spät. Große Teile der DDR waren nun betroffen. Die Zahl der Erkrankten stieg auf 75 000 an, erste Todesopfer waren zu beklagen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schulen und Kindergärten wollten die SED Funktionäre dennoch nicht schließen lassen.  Sie wollten den westlichen Propagandisten &#8211; wie der &#8220;Bild&#8221;-Zeitung, die schon 100 000 Kranke und 40 Tote entdeckt haben wollte &#8211; nicht noch mehr Vorwände liefern, sich für die Kampagne zu revanchieren, die man in Ostberlin anlässlich eines westdeutschen Pockenausbruchs entfacht hatte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein Teil der verseuchten Butter stammte aus der Sowjetunion, das wurde natürlich nicht zugegeben. Gestreute Gerüchte bezeichneten China als Ursprungsland. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Propagandamaschine lief an. In groß aufgemachten Artikeln wurde die vorbildliche Leistung der Ärzte im sozialistischen System bejubelt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Da die Zahl der Todesopfer gering blieb half den Durchfallgeplagten Berliner ihr Humor durch die Krise. Es kursierte der Witz: „Es wird alles besser: Ostberlin ist Ruhrgebiet.&#8221;</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der RIAS und andere Westberliner Medien konnten erstmals der Berliner Mauer etwas Positives abgewinnen. Sie hatte die Epidemie zuverlässig aus Westberlin herausgehalten. Und das obwohl sie 1962 noch nicht die späteren Dimensionen hatte. Im The Wall Museum kann man die damaligen Anlagen sehen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Krankheitsausbrüche  im Westen boten ausgezeichnete Ziele für die SED Propaganda. Zumal Bonn, aus dogmatischen Gründen, Hilfe ablehnte. Willi Stoph, stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates, bot 1961 der Bundesrepublik drei Millionen Impfdosen an &#8211; als humanitäre Geste für das von Polio heimgesuchte Ruhrgebiet, mit bereits 42 Toten war die Krise akut. Adenauer lehnte ab. Und die SED berichtete über das &#8220;Nein&#8221;. Das Bild war klar; hier gesunde Werktätige im sozialistischen Staat, dort gefährliche Seuchengebiete und hohe Krankheitszahlen im Kapitalismus.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Kurz vor dem Mauerbau warnte das DDR-Fernsehen vor eingeschleppten Krankheitserregern aus dem Westen. Reisenden aus dem Westen wurden sogar kostenlos Impfungen angeboten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Selbst arbeitete man meist mit Vertuschung. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">April 1963 zeigte ein Mann in Aschersleben Pockensymptome. Es war ein Afrikaner, der seit einem halben Jahr in der DDR lebte. Die Globalisierung, wie wir sie heute kennen, und damit die schnelle Erreichbarkeit aller Gebiete dieser Welt waren damals nicht bekannt, schon gar nicht in der abgeschotteten DDR.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In der Bundesrepublik hatte es lokale Ausbrüche und Todesfälle gegeben, nicht aber in der DDR. In  beiden Teilen Deutschlands galt die  Pockenimpfpflicht. Der Patient in Aschersleben wurde isoliert, sämtliche Kontaktpersonen ausfindig gemacht. 1.700 Menschen wurden vorsorglich geimpft. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In den SED Medien wurde die Aktion mit einem Windpockenausbruch begründet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine, eigentlich vorgeschriebene, Meldung an die Weltgesundheitsorganisation warteten die DDR-Experten bis zum Vorliegen der Laborergebnisse ab. Nach wenigen Tagen kam Entwarnung vom Labor, es war keine Pockeninfektion.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenige Monate später meldete eine Interflug Crew eine mögliche Pockeninfektion. Nach der Landung in Berlin-Schönefeld wurde eine  Frau sofort isoliert und in eine Klinik gebracht. Passagiere und Besatzung mussten im Flugzeug verharren. und später auf eine provisorische Isolierstation gebracht. Zum Glück war es falscher Alarm, es war eine starke Reaktion auf die Pockenschutzimpfung. Wieder gab es keine Medienberichte über die Hintergründe.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die MfS Berichte über den Vorfall zeigten schwere Mängel im Gesundheitssystem. Es fehlte ein spezielles Krankenhaus für Seuchenfälle und Isoliermöglichkeiten an den Flughäfen.  Geplant wurde ein Krankenhaus in Berlin-Buch. Es blieb beim Plan</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Glück hatte die DDR, als im Herbst 1965 im fränkischen Kulmbach Pocken ausbrachen. Eine Rentnerin aus der DDR kehrte heim, sie wurde umgehend erneut geimpft – wie auch sämtliche Kontaktpersonen in der DDR. Es gab keine Ansteckungen in der DDR.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">1972 gab es einen weiteren Pockenfall in der Bundesrepublik. Die DDR war alarmiert, die Staatssicherheit übernahm. Der verfügbare Impfstoff wurde kontrolliert. Bis zu 50.000 Dosen waren unmittelbar verfügbar, binnen 24 Stunden bis zu 1,4 Millionen Dosen. Die SED Führung wurde geimpft. Einreisende wurden intensiver kontrolliert. Und zusätzlich nahm die DDR Kontakt zu den Gesundheitsbehörden der Bundesrepublik auf. Die Quarantänemaßnahmen im Raum Hannover hatten gewirkt. Über 600 Menschen im Umfeld des erkrankten Gastarbeiters  wurden isoliert und 65.000 neu geimpft. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch die DDR handelte. Eine Frau aus Hannover war nach Rostock eingereist. Sie wurde als direkte Kontaktperson eingeschätzt und unter strengen Hausarrest gestellt. Dann übermittelten die Grenzer, dass auch ihr Ehemann eingereist war. Mitten auf der Strecke wurde der Zug nach Rostock gestoppt, doch die MfS Leute konnten den Gesuchten nicht ausfindig machen – die MfS Grenzer  hatten einen falschen Namen durchgegeben. Später fand man den Ehemann, auch er kam unter Hausarrest. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wieder erfolgte eine  Auswertung. Als nötig hatten sich importierte Impfpistolen erwiesen. Jedoch gab es davon je DDR-Bezirk nur eine und die waren laut Bericht &#8220;bereits zum Teil stark abgenutzt&#8221;. Ersatzteile waren rar, eine Eigenproduktion &#8220;bisher nicht gelungen&#8221;.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Um Pockenepidemien zu verhindern, blieb die DDR bei ihrer Zwangsimpfung, auch wenn es Impfschäden gab. Jährlich verzeichneten die Gesundheitsbehörden ein bis zwei Todesfälle und einige Fälle mit Gehirnentzündungen in Folge der Impfung. Dies sah man als vertretbar an. Der Fall des jugoslawischen Gastarbeiters blieb die letzte registrierte Pockenkrankheit im gesamten Deutschland. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">1979 verkündete die Weltgesundheitsorganisation das Ende der Pocken. Damit waren sie offiziell weltweit ausgerottet &#8211; ein großer Erfolg der modernen Medizin. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Volksgesundheit als Resultat der Überlegenheit des sozialistischen Systems &#8211; darum ging es der DDR beim Impfen. Es wurde die Losung ausgegeben: „Der Sozialismus ist die beste Prophylaxe&#8221;. Pflicht waren Impfungen gegen Pocken, Kinderlähmung, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Tuberkulose und ab den 1970er-Jahren auch gegen die Masern. . Bis zu ihrem 18. Lebensjahr bekamen Heranwachsende insgesamt 20 Schutzimpfungen &#8211; staatlich verordnet</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Zwangsstaat hatte seine Vorzüge, während im Westen 1960 noch Polio-Epidemien wüteten, war die zentral verwaltete DDR-Gesellschaft seit 1958 zu großen Teilen immunisiert gegen die Kinderlähmung.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch auch in der DDR gab es Impfmüdigkeit. Es gab spontane Krankmeldungen vor Impfterminen und Verweigerung der Spritzen durch skeptische Eltern. In einigen Regionen fiel die Impfrate unter 50%.  Die SED reagierte auf ihre Weise &#8211; mit Dauerimpfstellen und Massenimpfungen in Ferienlagern, Schulen und Betrieben. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ende der 1970er-Jahre geriet die DDR beim Impfen mehr und mehr ins Hintertreffen Zu viele Impftermine machten die Leute widerspenstig. Kombiimpfstoffe gab es nicht.  Epidemien, wie die besiegt geglaubten Masern, erreichten in den 1980er-Jahren wieder Ostberlin. Die DDR Impfstoffproduktion litt unter uralten Maschinen. Ampullen wurden mit  qualitativ immer schlechterem Gummi verschlossen. Allen Gesundheits- und Impfprogrammen zum Trotz war die Lebenserwartung im Osten 1989 um fast drei Jahre niedriger als im Westen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch bis heute hält sich die Legende vom vorbildlichen DDR Impf- und Gesundheitssystem. Damals, so meint man,  hätte es keine Knappheit an Schutzmasken geben können. Dabei fehlte es in der Intensivmedizin schon im normalen Betrieb an modernen Geräten. </span></p>
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		<title>Russlands Bild in Ost und West</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2020 08:50:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem 18. Jahrhundert leben Russen in Berlin. Ihre Zahl stieg im 20. Jahrhundert enorm, die russische Revolution brachte tausende weißrussische Flüchtlinge in die Stadt.  Das Kriegsende  1945 brachte enorme Umbrüche für Deutschland und den Rest der Welt. Die Teilung Deutschlands  in eine sowjetische Einflusszone und drei westalliierte Zonen war bedeutsamer, als man zunächst annehmen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_787" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-787" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-787" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue.jpg" alt="" width="450" height="603" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue.jpg 775w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue-224x300.jpg 224w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue-765x1024.jpg 765w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue-768x1029.jpg 768w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /><p id="caption-attachment-787" class="wp-caption-text">Die Bronzestatue des sowjetischen Soldaten im Tiergarten von Lew Kerbel. Das Denkmal soll an die gefallenen Rotarmisten gedenken.</p></div>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Seit dem 18. Jahrhundert leben Russen in Berlin. Ihre Zahl stieg im 20. Jahrhundert enorm, die russische Revolution brachte tausende weißrussische Flüchtlinge in die Stadt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das Kriegsende  1945 brachte enorme Umbrüche für Deutschland und den Rest der Welt. Die Teilung Deutschlands  in eine sowjetische Einflusszone und drei westalliierte Zonen war bedeutsamer, als man zunächst annehmen konnte. Historisch war die Besetzung eines besiegten Feinds nichts Neues. Doch nur die Sowjetunion hatte feststehende politische Pläne für ihre Besatzungszone. Stalin und die kommunistische Partei der Sowjetunion hatten schon vor dem Krieg deutsche Kommunisten aufgenommen und im Krieg wurden Exilanten auf die Bildung einer sozialistischen Regierung in Deutschland vorbereitet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> Zu den langfristigen Voraussetzungen für das Bleiben der Roten Armee gehörte es den Deutschen die Russen als Freunde darzustellen. Doch das war ausgesprochen schwierig. Die Exzesse die Angehörige der Armee in Deutschland begingen trübten das Bild nachhaltig. Allein in Berlin gehen die niedrigsten Schätzungen von 100.000 Vergewaltigungsopfern aus, andere Autoren nennen bis zu 800.000. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In der Sowjetzone war das Thema tabu, als evangelische Kirchenvertreter  die offizielle Aussetzung des Abtreibungsverbots im § 218 auszusetzen wurde das abgelehnt. Es sei unmöglich, dass man Angehörigen der Roten Armee derartige Verbrechen unterstelle. Im Westen funktionierte dieser Maulkorbbefehl natürlich nicht. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die Taten waren nicht zu leugnen. Stattdessen begann eine intensive Propaganda, die Rotarmisten seien als Freunde und Befreier gekommen. Stalins Propagandamaschine war durchaus erfolgreich, sie verminderte die Leistungen der Westalliierten und betonte die Rolle Russlands bei der Niederwerfung des Nationalsozialismus. Der Begriff “Freunde“ wurde bald synonym für Sowjetbürger verwendet. Die Bevölkerung benutzte den Begriff aber oft mit einem kritischen Unterton. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Von den Sowjetmenschen lernen heißt siegen lernen“ war ein Slogan der auf Plakaten und im Radio verbreitet wurde. Die Sowjetunion sei das fortschrittlichste Land der Welt. Im Oktober 1957 lieferte man den scheinbaren Beweis, mit dem Sputnik ging die Sowjetunion bei der Weltraumforschung in Führung. Und im April 1961 war Juri Gagarin der erste Mensch im All. Der Westen, besonders die USA, erlitt einen Schock. In der DDR lobte man den Sozialismus als vermeintliche Basis des Erfolgs. Niemand erwähnte die 1945 nach Russland verschleppten deutschen Wissenschaftler. Die USA hatte Prominente wie von Braun eingesammelt, die Rote Armee aber die unbekannten Macher die die Ideen umsetzten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Der Kalte Krieg fand auch in den Wissenschaften statt. 1960 erschien in der Bundesrepublik Werner Kellers Buch: Ost minus West = Null. In ihm schilderte er den westeuropäischen Einfluss auf Kunst und Wissenschaft vom 15. Jahrhundert bis zu seiner Gegenwart. Er nennt zahlreiche Fremde die in der sowjetischen Geschichte zu Russen wurde, lange vor Peter dem Großen gab es den westlichen Einfluss. Auf den Besitz des Buchs stand in Ostberlin Haft. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Unangenehme Fragen konnte man mit Hinweis auf die deutsche NS Schuld abwehren. Reparationsleistungen und Verschleppungen wurden als Folge des NS Staats erklärt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Russland wurde auch als kulturelles Vorbild dargestellt. Man sorgte für die Verbreitung sowjetischer Literatur und hoffte so die Bevölkerung leichter zu gewinnen. </span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Am 30. Juni 1947 wurde die  </span><i><span style="font-weight: 400;">Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion</span></i><span style="font-weight: 400;"> gegründet. Rund zwei Jahre war sie tätig, dann ging sie in der am 2. Juli 1949 gegründeten </span><i><span style="font-weight: 400;">Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft</span></i><span style="font-weight: 400;"> (DSF) auf. </span></span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Der Russischunterricht in den Schulen war obligatorisch und zusammen mit der FDJ förderte die Organisation Brieffreundschaften zwischen deutschen und sowjetischen Kindern und Jugendlichen. Tausende Kinder wurden in die Sowjetunion in Ferienlager gebracht. Die DSF organisierte in jedem Mai eine DDR-weite Woche der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Nimmt man die reinen Mitgliederzahlen, dann war die DSF ein voller Erfolg. Die Mitgliederzahl stieg immer weiter, so von 3,5 Millionen 1970 auf 6,4 Millionen im Jahr 1988. Doch war die Mitgliedschaft nicht wirklich freiwillig. Wer in der DDR keine Nachteile riskieren wollte musste irgendeiner SED nahen Organisation beitreten. Und die einfachste Lösung war der Beitritt zur DSF. Eine Weigerung zum Eintritt in die DSF wurde von Partei- und Gewerkschaftsfunktionären sowie Lehrern und staatlichen Leitern hinterfragt. Die betroffene Person musste die Ablehnung schriftlich begründen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Sie führte zwar nicht automatisch zu direkten Problemen für den betreffenden DDR-Bürger, doch wer Karriere machen wollte musste Mitglied in irgendeiner Organisation sein. Wollte eine Brigade aus Arbeitern oder Bauern im sozialistischen Wettbewerb eine Auszeichnung erringen, war eine Mitgliedschaft aller in der DSF eine Grundbedingung. Der Gruppendruck war entsprechend hoch. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In der Praxis waren viele Mitglieder nur passiv und haben nie eine Veranstaltung der DSF besucht. Die Mitgliedschaft reichte schon um die „gesellschaftliche Aktivität“ auf Mindestniveau nachzuweisen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Auch in West-Berlin war die DSF ganz offiziell als </span><i><span style="font-weight: 400;">Deutsch-Sowjetische Freundschaftsgesellschaft </span></i><span style="font-weight: 400;">tätig.</span> <span style="font-weight: 400;">Sie betrieb bis 1990 am Kurfürstendamm die</span> <span style="font-weight: 400;">Majakowski-Galerie. Aufgrund des Viermächte-Status war sie eine zulässige Organisation, auch wenn sie als verfassungsfeindlich eingestuft wurde.</span></span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In der Bundesrepublik wurden DSF Ableger gegründet doch sie wurden in den meisten Bundesländern verboten. Da auch die KPD dort  ab dem 17. August 1956 verboten war konnte das nicht verwundern.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Mit Glasnost wurde die DSF zu einer Organisation die für die SED äußerst problematisch war. Neue Mitglieder waren besonders am politischen Tauwetter in Russland interessiert. Dies aber wurde von der DDR-Partei- und Staatsführung unverhohlen abgelehnt. Die Oktoberausgabe 1988 der sowjetischen Zeitschrift Sputnik löste sogar ein Verbot der Zeitschrift in der DDR aus. Die in ihr erfolgte Kritik an Stalins Pakt mit Hitler schien der SED untragbar. Erst im November 1989 erschien nach dem Mauerfall eine Sonderausgabe, sie brachte die verbotenen Artikel seit Oktober 88, </span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Die DSF Offiziellen hatten Anweisung zwar zu informieren,</span> <span style="font-weight: 400;">aber jede Stellungnahme oder gar Diskussion über die Verhältnisse in der DDR zu vermeiden. Doch nicht alle DSF Funktionäre hielten sich daran.</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Am 16. November 1989 trat der DSF Präsident Erich Mückenberger zurück, am 29. folgte das Sekretariat. Erstmals in der Geschichte der Gesellschaft für DSF wurde für Januar 1990 ein außerordentlicher Kongress in Schwerin einberufen. Doch die DSF als Massenorganisation war tot. </span><span style="font-weight: 400;"> </span><span style="font-weight: 400;">Die von der Gesellschaft genutzten „Häuser der Freundschaft“ wurden an die Länder und Kommunen übergeben, die Zahl der Mitglieder sank bis November 1991 auf 20.000</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">In Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überlebte die DSF als eingetragener Verein auf föderativer Basis.</span> <span style="font-weight: 400;">Am 28. März 1992 erfolgte die Namensänderung der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft in „Brücken nach dem Osten“ – Föderation von Gesellschaften für Völkerverständigung e. V. Diese wurde am 31. Dezember 1992 aufgelöst</span></span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;"><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter wp-image-789" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-120px-sowjetisches_ehrenmal_berlin-tiergarten_totale.jpg" alt="" width="240" height="180" /></span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Neben der DSF waren zahlreiche Organisationen Teil der Propagandamaschine. Besonders natürlich die Schulen und Universitäten in der DDR. Die Deutsch-Russischen Beziehungen über die Jahrhunderte wurden ganz im Sinne der sozialistischen Geschichtsschreibung parteiisch dargestellt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Und bestimmte Themen waren tabu oder es wurde einfach gelogen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Der im April / Mai 1940 von NKWD Angehörigen bei Katyn begangene Massenmord an rund 4400 gefangenen Polen und weitere Morde an bis zu 21.000 polnischen Offizieren und Intellektuellen, wurde im Sommer 42  durch die Auffindung der Massengräber bekannt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Da das unter Nazikontrolle erfolgte konnte die Sowjetunion ihre Verantwortung leugnen. An dieser Darstellung hielt sie bis 1990 fest. Es war der Initiator des Berliner The Wall Museum, Michail Gorbatschow, der am 13.April 1990 die Verantwortung der Sowjetunion eingestand. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Doch noch lebende  Täter wurden nicht strafverfolgt. Opferangehörige klagten in Russland erfolglos auf Einsicht in die Ermittlungsakten, behördliche Auskunft über die Todesumstände der Opfer, deren juristische Rehabilitierung und Entschädigungen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In der DDR waren Katyn und die andere Morde des NKWD natürlich von den Nazis begangene Verbrechen und die westliche Darstellung sei ein Zeichen für die Macht der “Neofaschisten“ in der Bundesrepublik. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Obwohl im Westen im allgemeinen von der sowjetischen Täterschaft ausgegangen wurde waren Historiker, die das erwähnten, immer in Gefahr in die rechte Ecke gestellt zu werden.  Denn Holocaustleugner benutzten die sowjetische Katyn Leugnung als Material für ihre kruden Theorien. In einigen Fällen haben bundesdeutsche Staatsanwälte vor 1989 wegen Katyn Ermittlungsverfahren eigeleitet, nicht wegen der sowjetischen Leugnung sondern wegen möglicher Leugnung von NS-Verbrechen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die DDR Propaganda zeigte Russland als ewiges Opfer deutscher Aggression.  Sergei Eisensteins monumentaler Film Alexander Newski von 1938 bestimmt bis heute die Wahrnehmung der Frühzeit der Deutsch-Russischen Kontakte. Das Newski und die Nowgoroder Bojaren um 1240 in Estland und Livland dieselben Ziele wie der Deutsche Orden hatten wird nicht erwähnt. Der vermeintlich mächtige Orden hatte zur Schlacht auf dem Peipussee zwischen 50 und 100 Ordensritter entsandt. Die Masse waren etwa 700 dänische und deutsche Ritter und 1.000 Esten. Sie  verfolgten Newskis Heer über den zugefrorenen See um den Rus die Beute ihres Kriegszugs nach Estland und Livland wieder abzunehmen. Die Nowgoroder Chronik der Rus spricht von 400 toten und 50 gefangenen “Nemtsy“, was damals Deutsche und Dänen meinte. Die deutsche Livländische Reimchronik nennt 20 tote und 6 gefangene Ritterbrüder. Newski hatte keineswegs das Land der Rus gerettet, vielmehr musste er sich zu dieser Zeit der Goldenen Horde unterwerfen die die Stadtstaaten zerstört hatte. Es sollte über 200 Jahre dauern bis die Rus wieder eine Rolle spielten. Erst Iwan I. machte Moskau zur nennenswerten  Macht. 1494 wurden in Livland russische Kaufleute ermordet, als Reaktion wurde wieder einmal der Petershof in Nowgorod geplündert und die Hansehändler eingekerkert. Doch diesmal kehrten die deutschen Händler nicht zurück. Polen und die skandinavischen Länder dominierten die Region bis ins 17. Jahrhundert.. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die sowjetische Führung hat dafür gesorgt, dass praktisch jede Stadt in der DDR ein sowjetisches Ehrenmal für den 2. Weltkrieg hatte. Oft mit einem Soldatenfriedhof kombiniert. In Berlin wurden vier angelegt.  Die Hauptanlage liegt im Treptower Park, weitere in der Schönholzer Heide in Pankow, im Bucher Schlosspark und in Tiergarten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das letztere Ehrenmal lag im britischen Sektor Westberlins. Der Viermächtestatus erlaubte der Roten Armee dort Ehrenwachen zu postieren. Nach dem Mauerbau 1961 wurde es durch die britische Besatzungsmacht abgeriegelt, doch bis zum 22. Dezember 1990 blieben die Wachen. Dann ging das Ehrenmal an das Land Berlin über. Deutschland ist vertraglich verpflichtet die Kriegsgräberstätten zu erhalten. 2014 erfolgte die letzte größere Renovierung, eine dazu befragte Historikerin hatte die Farbe der Sterne auf den Panzern mit weiß angegeben, der Irrtum fiel erst nach Fertigstellung auf. Russische Proteste führten zur Änderung in das korrekte Rot. Dagegen sind reine Denkmale oft verschwunden, so der T-34 Panzer am Grenzübergang Dreilinden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Eher wenige Touristen besuchen die sowjetischen Ehrenmale heute. Aber der Treptower Park ist eine beliebte Erholungsstätte der Berliner. Er liegt direkt an der Spree, nur wenige Kilometer von der Eastside Gallery und dem The Wall Museum entfernt. Da die vier Ehrenmale auch Friedhöfe sind ist ihr Bestand gesichert. Doch es gibt Proteste gegen sie und immer wieder auch Anschläge.  Das Deutsch-Russische Museum in Karlshorst hat eine Dauerausstellung zum Krieg 1941-45. Sie ging aus dem Museum der sowjetischen Streitkräfte hervor. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Heute ist Berlin wohl die deutsche Stadt mit den stärksten russischen Einflüssen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur ist heute die offizielle Kulturvertretung der russischen Föderation. An der Französischen Straße gelegen hat es einen Konzertsaal mit rund 500 Sitzplätzen, ein Kino mit 200, vier Ausstellungsräume und einen Musiksalon. Es hat jährlich rund 200.000 Besucher. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Viele russische Künstler stellen in Berliner Galerien aus. Dazu gibt es zahlreiche russische Geschäfte die Lebensmittel, nicht nur für die vielen russischen Emigranten, anbieten. Und Restaurants mit russischen Spezialitäten. Deutsch-Russische Schulen und Kindergärten bieten eine zweisprachige Erziehung. Und nicht zu übersehen sind die orthodoxen Kirchen in der Stadt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Seit der Perestroika und Gorbatschow ist das Bild Russlands in ganz Deutschland deutlich positiver geworden. Doch Putin hat das Bild wieder verschlechtert. Das erneute Machtstreben Russlands wird von vielen kritisch gesehen. Ein Berliner Mord an einem Georgier 2019 wird von den Medien dem russischen Geheimdienst zugerechnet.</span></p>
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		<title>Die DDR entdeckt Preußen</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Mar 2020 14:50:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Staat Preußen hörte 1945 auf zu bestehen. Formal bestand er aber noch bis zu seiner förmlichen Auflösung durch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947.  In ihm steht:  „Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von [&#8230;]</p>
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<p>Der Staat Preußen hörte 1945 auf zu bestehen. Formal bestand er aber noch bis zu seiner förmlichen Auflösung durch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947.<span class="Apple-converted-space">  </span>In ihm steht:<span class="Apple-converted-space">  </span>„Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von dem Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit der Völker und erfüllt von dem Wunsche, die weitere Wiederherstellung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Grundlage zu sichern, erlässt der Kontrollrat das folgende Gesetz:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p style="padding-left: 40px;"><em>Artikel 1</em><span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p style="padding-left: 40px;"><em>&#8220;Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst.“<span class="Apple-converted-space"> </span></em></p>
<p>Damit war das Thema Preußen eigentlich erledigt. Doch Preußen war weit mehr als ein Staatsgebilde, es wurde auch mit Ideen assoziiert. So wie die im o.g. Gesetz erwähnten Stereotypen Militarismus und Reaktion waren auch die positiven “Preußischen Tugenden“ oft nur Phrasen. Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Fleiß und Toleranz gab es in Preußen. Doch eigentlich waren sie calvinistische Tugenden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der real existierende Sozialismus hatte ein ganz praktisches Problem, sein Territorium war mit der Keimzelle des Brandenburg-Preußischen Staates identisch. Potsdam und Berlin waren da und man musste mit dem historischen Erbe irgendwie umgehen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Für die junge DDR war Preußen ein Feindbild. Preußisch klingende Begriffe wurden vermieden, es ging so weit, dass aus dem Bismarckhering in den HO Verkaufsstellen der Delihering wurde. Nur waren, aufgrund der Lebensmittelknappheit, meist weder Bismarck- noch Delihering in den Geschäften, das gab den Kunden genug Stoff für Flüsterwitze .<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Auch der Westen hatte seine Probleme mit der Geschichte. In manchen Fällen arbeiteten Ost und West zusammen. Das Brandenburger Tor wurde 1956 als das einzig erhaltene Berliner Stadttor restauriert, auch wenn es für die DDR ein preußisches Symbol war. Die Quadriga konnte nur aufgrund eines Gipsabgusses von 1942 vollständig neugeschaffen werden. Die Herstellung erfolgte im Westberliner Friedenau bei der Gießerei Hermann Noack. Am 14. Dezember 1958 war die Quadriga fertig, die oft erzählte Geschichte, dass die DDR sie zunächst absichtlich in falscher Fahrtrichtung aufstellte ist eine Legende. Wahr ist, die Quadriga wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1958 heimlich in den Neuen Marstall gebracht. Dort wurden<span class="Apple-converted-space">  </span>der Preußenadler und<span class="Apple-converted-space">  </span>das Eiserne Kreuz entfernt. Die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung erklärte dazu: „ Die „Embleme des preußisch-deutschen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Militarismus">Militarismus</a>“ dürften nicht mehr zur Aufstellung gelangen. Nach<span class="Apple-converted-space">  </span>dem Mauerbau 1961 wurde<span class="Apple-converted-space">  </span>nichts für den Erhalt der Quadriga getan und etliche Teile aus Stahl waren 1990 durchgerostet, andere von Souvenirjägern gestohlen. Die Restaurierung nach dem Mauerfall war vollständig, Adler und Eisernes Kreuz wurden wieder angebracht, so sehen Berlinbesucher heute die alte Fassung.</p>
<p>Aber das Tor war nur der westliche Endpunkt der Linden. Eine Straße voll mit preußischen Symbolbauten. Das Stadtschloss sprengte man um einen Aufmarschplatz zu schaffen. Doch andere Bauten adoptierte man, sie wurden Teil der DDR Identität.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Neue Wache ist ein typisches<span class="Apple-converted-space">  </span>Bespiel für das seltsame DDR Geschichtsbild. Das altpreußische Militärzeremoniell der Wachablösung fand dort seit 1818 statt. Bis 1955 wurde das Gebäude wiederhergestellt. 1960 und 1969 erfolgten Umbauten im Inneren, die es zu einem Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus umwidmeten. Von 1962 an standen dort als Ehrenwache zwei bewaffnete Soldaten des Wachregiments Friedrich Engels<span class="Apple-converted-space">  </span>die stündlich im Kleinen Wachaufzug abgelöst wurden. Und um 14.30 gab es Mittwochs und Samstags den Großen Wachaufzug.<span class="Apple-converted-space">  </span>Militärmusik und Soldaten im Stechschritt. Diese sehr preußisch wirkende Veranstaltung<span class="Apple-converted-space">  </span>war bis zum Ende der DDR ein Touristenmagnet.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Doch allgemein war in<span class="Apple-converted-space">  </span>der Ulbricht-Ära<span class="Apple-converted-space">  </span>Preußen ganz offiziell an allen Fehlentwicklungen in Deutschland schuld. Preußen und NS-Staat wurden fast synonym verwendet. Dieser simplen Schlussfolgerung folgend wurden Schlösser vernichtet, Herrenhäuser gesprengt, Denkmäler abgerissen, Straßen und Städte umbenannt, Bücher auf den Index gesetzt.</p>
<p>Doch es gab Ausnahmen, so wurde 1966 der höchste Militärorden der Nationalen Volksarmee<span class="Apple-converted-space">  </span>nach dem General Gerhard von Scharnhorst benannt. Man sah ihn als Reformer der für die Tradition des “Volksheeres“ stand.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die DDR entwickelte militärische Traditionen die, bewusst oder unbewusst, preußische Traditionen imitierten. Die großen Militärparaden in Ost-Berlin erinnerten sehr an die der Kaiserzeit, aber auch an die des NS-Staates. So mancher war irritiert, da halfen auch<span class="Apple-converted-space">  </span>Verweise auf Clausewitz-Zitate in den Werken Lenins nicht. Die Ähnlichkeit der NVA Uniformen zu denen der Vorgänger war ein weiterer Punkt. Schnitt und Trageweise war durchaus “militaristisch“. Weniger Preußisch als Nationalsozialistisch. In der DDR Armee überlebte sogar der Stechschritt, den die Bundeswehr ihren &#8220;Bürgern in Uniform&#8221; nicht mehr zumuten konnte oder wollte. Allerdings war es die leicht abweichend russisch-sowjetische Form.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Im The Wall Museum wird der aufmerksame Betrachter der Filmdokumente und der Realstücke diese Verbindung sofort bemerken. Aber auch die Sprache der Propagandafilme ist entlarvend, Formulierungen wie: „kriegt die Kugel&#8230;“ könnten aus dem NS Staat stammen. Aber nicht aus dem Preußen vor 1918.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenig bekannt ist, dass der im Museum in den Filmen und als Original zu sehende “typische“ NVA Stahlhelm als Reichspatent Nr. 706647<span class="Apple-converted-space">  </span>1943 für die Wehrmacht entwickelt worden war. 1945 war nur eine geringe Zahl an die Truppe ausgegeben. Der DDR M/56 Helm<span class="Apple-converted-space">  </span>hatte nur eine leicht andere Unterkante. Hin und wieder haben “Revanchisten“ aus dem kapitalistischen Westen boshaft auf die NS Herkunft hingewiesen. In der Bundeswehr sollte der Gefechtshelm keinesfalls auf NS Konstruktionen beruhen. Und auch die Uniform war vom Schnitt her<span class="Apple-converted-space">  </span>betont “unmilitärisch“ entworfen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Besonders die Befreiungskriege hatten es der SED Führung angetan. Es gab eine Jagdfliegerstaffel &#8220;Adolf von Lützow&#8221; und ein Hubschraubergeschwader &#8220;Ferdinand von Schill&#8221;. Man erklärte Schill und Lützow als Träger des Volkskriegs, als Vorläufer der NVA. Das sie auch im NS Staat heroisiert wurden blendete man einfach aus.</p>
<p>1972 erschien Friedrich II. erstmals in einer Defa<span class="Apple-converted-space">  </span>Filmproduktion. Der Film “Die gestohlene Schlacht“ zeigt ihn als feudalen Herrscher der auf das Leben der kleinen Leute keine Rücksicht nimmt. Die DDR Filmkritik beschrieb ihn als satirische Überzeichnung. Manfred Krug erhielt für seine Darstellung des Gegenspielers Käsebier den Nationalpreis II. Klasse.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit Erich Honecker begann ein bedeutsamer<span class="Apple-converted-space">  </span>Wandel. Seine Propagandamaschine verbreitete die Theorie von einer “eigenständigen sozialistischen Nation DDR“<span class="Apple-converted-space">  </span>die sich im Gegensatz zur“ imperialistischen Nation“ Bundesrepublik entwickele. Um dies halbwegs plausibel zu machen suchte man eine historische Legitimierung. Und zur Überraschung der Öffentlichkeit in West und Ost setzte man bei Preußen an. Die Geschichtswissenschaft der DDR war immer von der Staatsdoktrin geleitet, so war klar, eine Veröffentlichung spiegelte stets die Meinung der SED Leitung wieder.<span class="Apple-converted-space">  </span>Schon 1976 gab es eine 5 Mark Gedenkmünze für den Freikorpsführer von Schill. Ein weiterer Schritt auf<span class="Apple-converted-space">  </span>eine sozialistische Legende um Preußen zu.</p>
<p>1979 gab es einen Paukenschlag. Die Biographie Friedrichs des Großen der Ostberliner Historikerin Ingrid Mitten setzte neue Maßstäbe. Man dürfe die<span class="Apple-converted-space">  </span>positiv-progressiven Momente der Preußischen Geschichte nicht missachten oder negieren. Nur neun Jahre vorher war in der Preußischen Geschichte der zwei DDR-Historiker Günter Vogler und Klaus Vetter immer wieder vom Militärdespotismus die Rede. Preußen sei der Vorläufer des Nationalsozialismus.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Führungsetage des DDR-Fernsehens hatte beschlossen, anlässlich des 200. Geburtstags von Clausewitz einen Fernsehfilm zu drehen, der sich mit fortschrittlichen Tendenzen in der Geschichte Preußens und damit auch mit dem Wirken des Militärreformers Clausewitz befasste. Patriotismus und Vaterland waren Themen die die SED schätzte. “Clausewitz<span class="Apple-converted-space">  </span>&#8211; Lebensbild eines preußischen Generals“<span class="Apple-converted-space">  </span>lief zur besten Sendezeit. Von einer Schuld Preußens an den Verbrechen des NS Staates war keine Rede mehr.</p>
<p>Und der Wandel ging weiter, 1980 wurde das Reiterdenkmal Friedrichs des Großen wieder am traditionellen Ort Unter den Linden aufgestellt. Dort können Touristen es seitdem besichtigen. Seit 1947 war Friedrich II.<span class="Apple-converted-space">  </span>das Symbol des kriegslüsternen Preußen, nun war er plötzlich eine historische Bezugsgröße für den Arbeiter- und Bauernstaat.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Offiziell hieß der König in der DDR zunächst weiterhin nur Friedrich II., der Zusatz “ der Große“ wurde nicht verwendet. Doch nachdem Erich Honecker ihn 1986 im Interview mit einer schwedischen Tageszeitung, wohl eher versehentlich, so titulierte war er auch in der DDR wieder Friedrich der Große. .</p>
<p>Und weitere Preußen wurden sozialistisch,<span class="Apple-converted-space">  </span>Blücher und Gneisenau kehrten zurück, ihre Denkmale wurden wieder aufgestellt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>1985 erschien<span class="Apple-converted-space">  </span>die zweibändige Bismarckbiographie des renommierten Historikers Ernst Engelberg. Das Werk <span class="Apple-converted-space">  </span>ging manchem altgedientem SED-Funktionär zu weit. Bismarck, bisher stets als Todfeind der Arbeiterklasse, Kriegshetzer und reaktionärer Junker apostrophiert, war nun ein Mann der “ einfallsreichen und klug abwägenden, ebenso phantasievollen wie raffinierten Politik“. Ein Bismarck als Teil der DDR Traditionspflege?</p>
<p>Doch die oberste SED Führung meinte es ernst, 1986 tauchte beim Prinzen von Preußen der ehemalige Kulturminister der DDR, Hans Bentzien, auf. Bei seinem Besuch auf der Burg Hohenzollern sprach der Vertreter der SED ihn mit „Kaiserliche Hoheit“ an. Ein Titel der eindeutig nicht mehr galt und für einen Sozialisten eigentlich ein Unding war. Geschickt wurde er von Honecker. Die Idee der SED war seltsam, die Särge Friedrichs des Großen und seines Vaters, Friedrichs Wilhelms I., die sich nach der Auslagerung im Krieg seit 1952 auf der Burg Hohenzollern befanden, könne man doch nach Sanssouci bei Potsdam, also in die DDR, überführen. Das entspräche dem letzten Willen Friedrichs des Großen.</p>
<p>Der Prinz stand der Idee durchaus positiv gegenüber, er hatte aber eine kleine Vorbedingung: Zunächst müsse die Mauer fallen. Wohl keiner der beiden Gesprächspartner erwartete den Mauerfall nur drei Jahre später. Heute sind die Särge wieder in Sanssouci.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>1985/87 wurde die sechsteilige<span class="Apple-converted-space">  </span>DDR Fernsehserie “Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ ein Straßenfeger. Die Ausstattungsqualität und die Zahl der Darsteller übertrafen alle bisherigen DEFA-Filme. 21 Millionen DDR Mark ergaben ein großartiges Bild des 18. Jahrhunderts. Diverse kleine historische Ungenauigkeiten verschwinden vor den bunten Bildern. Auch im Westen war die Serie sehr beliebt.</p>
<p>Bei den Feierorgien zum 750-Jahr-Jubiläum der Stadt Berlin wurde das neue Preußenbild der DDR schon absurd. Nun musste alles, was Berlin, und damit untrennbar verbunden auch Preußen, einst repräsentierte, in rosigem Lichte betrachtet werden. Die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria<span class="Apple-converted-space">  </span>z.B. wurde dabei von einer Vertreterin der Reaktion zu einer “sehr gütigen und frommen Dame“. Eine Aussage die, bei der erklärt atheistischen SED, schon seltsam klingt.</p>
<p>Auf dem Gendarmenmarkt, damals noch Platz der Akademie, führten Musiker der NVA und der Grenztruppen am 22. August 1987 ein historisches Militärkonzert auf. Musiker in Uniformen der Zeit Friedrich des II. und der Befreiungskriege spielten altpreußische Märsche, sie zogen dabei einen Bogen zu den NVA und sowjetischen Märschen. Die DVD des Konzerts ist bis heute ein Verkaufsschlager bei Touristen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall und über 70 Jahre nach dem juristischen<span class="Apple-converted-space">  </span>Ende Preußens ist das Thema aktuell. In Potsdam wird<span class="Apple-converted-space">  </span>das Thema Wiederaufbau<span class="Apple-converted-space">  </span>der von der DDR gesprengten der Garnisonkirche heiß diskutiert. Das Tourismuskonzept der Landesregierung betont das Potenzial Preußens als Touristenmagnet. Die Gegner bringen das alte Klischee der Linie Preußen – Militarismus – Hitler in immer neuen Variationen vor.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Befürworter haben ein unbestreitbares Argument, ohne das preußische Erbe würde kaum ein Tourist Potsdam besuchen. Und in der alten Mitte Berlins ist es ähnlich. Das Zeughaus / Deutsches Historisches Museum, die Museumsinsel, die Oper und das Brandenburger Tor ziehen die Touristen an. Mit dem Aufbau der Fassaden des Stadtschlosses wird eine der Fehlleistungen der SED korrigiert. Ein Weg den schon die Partei selbst mit der Übernahme der preußischen Geschichte<span class="Apple-converted-space">  </span>eingeleitet hatte.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
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		<title>Die S-Bahn Linie S 3 – Wie für Touristen gemacht.</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/die-s-bahn-linie-s-3-wie-fur-touristen-gemacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Gerlach]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Feb 2020 16:09:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenige Millionenstädte haben ein so gut ausgebautes Nahverkehrsnetz wie Berlin. Nahezu jedes touristische Ziel ist mit Bahn oder Bus schnell zu erreichen. Natürlich sollte man als Besucher die Stoßzeiten vermeiden. Die S-Bahnlinie 3 führt von Spandau im Westen bis nach Erkner im Osten. Sie fährt an den wichtigsten touristischen Highlights der Stadt vorbei, da sie [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-687 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/02/berlin-bahn.jpg" alt="" width="1000" height="667" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/02/berlin-bahn.jpg 1000w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/02/berlin-bahn-300x200.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/02/berlin-bahn-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<p>Wenige Millionenstädte haben ein so gut ausgebautes Nahverkehrsnetz wie Berlin. Nahezu jedes touristische Ziel ist mit Bahn oder Bus schnell zu erreichen. Natürlich sollte man als Besucher die Stoßzeiten vermeiden.</p>
<p>Die S-Bahnlinie 3 führt von Spandau im Westen bis nach Erkner im Osten. Sie fährt an den wichtigsten touristischen Highlights der Stadt vorbei, da sie im City Bereich als Hochbahn angelegt ist bietet sie einen großartigen Ausblick auf die Stadt. Die Berlin WelcomeCard, die neben freier Benutzung der öffentlichen Nahverkehrsmittel auch Rabatte in vielen Museen und Sehenswürdigkeiten bietet, ist für touristische Nutzer der S 7 nahezu ein Muss.</p>
<p>Der für Touristen interessante Teil der Linie beginnt im Osten an der Station Warschauer Straße. Sie liegt nur wenige Minuten von der Oberbaumbrücke entfernt. Von der Brücke aus hat man einen wunderbaren Blick Richtung Osten, vorbei am ehemaligen Osthafen, bis nach Treptow-Köpenick.</p>
<p>An der Oberbaumbrücke beginnt die weltberühmte East Side Gallery, ein Teil der Berliner Mauer der nach dem Mauerfall von internationalen Künstlern bemalt wurde. An der Ecke zur Oberbaumbrücke steht der Mühlenspeicher in dem sich das The Wall Museum befindet. Eine multimediale Ausstellung zeigt dort die Geschichte Berlins zwischen 1945 und 1990. Natürlich wird die Berlin WelcomeCard im Museum akzeptiert. Die East Side Gallery zieht sich bis zum Ostbahnhof, der nächsten Station der S 3, hin und man hat die Wahl an der Mühlenstraße entlang zu laufen und die Kunstwerke zu betrachten oder am Spreeufer entlang zu gehen. Sonntags gibt es auf der Nordseite des Ostbahnhofs einen Flohmarkt. (Wegen Bauarbeiten ist er 2020 nur klein).</p>
<p>De nächste Station heißt Jannowitzbrücke, hier gibt es einen Hafen für Ausflugsschiffe und auf der anderen Spreeseite liegt das Märkische Museum.<br />
Bleibt man in der S3 folgt die Station Alexanderplatz. Der Fernsehturm ist sein, nicht zu übersehendes, Wahrzeichen. Durch Sonneneinstrahlung entsteht auf der Kugel ein Kreuz, die DDR Oberen versuchten alles Mögliche um das zu verhindern. Doch das „christliche Symbol“ blieb über der Stadt sichtbar.</p>
<p>Die DDR hatte dem Areal einen „sozialistischen“ Anstrich verliehen, aus dieser Zeit blieb die Weltzeituhr von 1969. Sie ist bis heute ein beliebter Treffpunkt für Berliner und Gäste.</p>
<p>Die S3 fährt weiter zur Station Hackescher Markt. Sie ist die Station für die Museumsinsel. Neben dem Pergamonmuseum ist auch das Deutsche Historische Museum in der Nähe der Station. Das letztere steht am Beginn der Straße Unter den Linden. Ein Bummel bis zum Brandenburger Tor ist eine der Optionen. Man kann aber auch vom Hackeschen Markt der Bahnstrecke folgen. Die Bögen beherbergen zahlreiche Restaurants und Geschäfte. Der nächste Bahnhof ist Friedrichstraße. Der Bahnhof war zu DDR Zeiten der wichtigste Eingang für Westberliner nach Ostberlin. Die U-Bahnlinie U6 hielt damals in Ostberlin nur hier. Das Kontrollpunktgebäude wurde unter dem Namen Tränenpalast bekannt. Es beherbergt heute eine kleine Ausstellung.</p>
<p>Die S3 fährt weiter zum Hauptbahnhof, dem wichtigsten Berliner Fernbahnhof. Die S-Bahnfahrt bietet einen ausgezeichneten Blick auf den am anderen Ufer liegenden Reichstag und das Regierungsviertel. Es geht weiter zur Station Bellevue, am gleichnamigen Schlosspark. Das Schloss Bellevue ist seit 1994 Amtssitz des Bundespräsidenten. Die Standarte mit dem Bundesadler weht auch auf dem Dach wenn der Bundespräsident nicht dort ist. Nur bei Auslandsaufenthalten oder wenn er in der Bonner Villa Hammerschmidt ist, wird sie eingeholt.</p>
<p>Der S-Bahnhof Tiergarten liegt an der Straße des 17. Juni. Östlich steht auf dem Großen Stern die Siegessäule. Sie wurde 1873 fertiggestellt und erinnert an die Kriege 1864, 1866 und 1871. Sie stand früher vor dem Reichstag und wurde 1939 im Rahmen der gigantomanischen NS Stadtplanungen umgesetzt.<br />
Samstags und sonntags findet direkt gegenüber dem S-Bahnhof ein großer Flohmarkt statt.</p>
<p>Die nächste Station ist Bahnhof Zoo. Man kann aber auch hier der Bahntrasse durch den Tiergarten zu Fuß folgen und dabei nebenbei das an einem Parkweg liegende Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin besichtigen. Der Weg führt an der Unterschleuse, auch Tiergartenschleuse genannt, über eine Brücke über den Landwehrkanal. Der Berliner Zoo liegt auf der linken Seite, am Hardenbergplatz befindet sich sein Haupteingang. Dort befindet sich auch der Bahnhof Zoo. Bleibt man im Zug hat man im Vorbeifahren einen schönen Blick über den Zoologischen Garten. Mit über 1300 Tierarten gilt er als artenreichster Zoo der Welt. Mit dem angeschlossenen Aquarium gehört der Zoo Berlin zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Berlins, über 3 Millionen Menschen besuchen ihn jedes Jahr. Die Sensation 2020 sind die beiden Pandas Meng Yuan und Meng Xiang. Die Babys ließen die Besucherzahlen noch mehr in die Höhe schießen. Andere Publikumsmagneten sind die Eisbären, auch nach dem tragischen Tod des Medienphänomens Knut 2011 haben die Berliner Eisbären Fans in aller Welt.</p>
<p>Der Bahnhof Zoo ist für viele das Tor zur City West. Er liegt nahe beim Breitenbachplatz auf dem die Turmruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche als Mahnmal gegen den Krieg steht. Die daneben liegende neue Kirche des Architekten Egon Eiermann wird durch 20.000 Glassteine innen in ein besonderes blaues Licht getaucht und deshalb von bis zu 10.000 Touristen pro Tag besucht. In der Weihnachtszeit wird dort ein großer Weihnachtsmarkt errichtet, im Jahr 2016 kam es dort zu einem Anschlag bei dem 12 Menschen getötet und über 50 verletzt wurden. Ein Mahnmal und starke Sicherheitsmaßnahmen erinnern daran.</p>
<p>Der Kurfürstendamm, Ku’damm für die Berliner, ist das Herz der West City. Er geht nach Osten hin in die Tauentzienstraße über. Das KaDeWe am Wittenbergplatz ist ein Magnet für Touristen und Berliner. Es ist unbestreitbar das bekannteste Kaufhaus Deutschlands, die große Lebensmittlabteilung hat einen legendären Ruf. Sie ist die zweitgrößte Lebensmittelabteilung eines Warenhauses weltweit.</p>
<p>Hunderte Geschäfte liegen an Tauentzienstraße, Kurfürstendamm und in den Seitenstraßen. Der Wandel nach dem Mauerfall 1989 machte am Ku’damm nicht Halt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelt sich der Boulevard, nach der Schließung von Kinos und alteingesessenen Cafés, von der Ausgeh- und Amüsiermeile immer mehr zu einer Einkaufsstraße. Manches verschwand, anderes wurde stark verändert. An der Ecke Joachimsthaler Straße war das Café Kranzler, eine Berliner Institution. Udo Lindenberg sang: „In 15 Minuten sind die Russen auf dem Kurfürstendamm. Sie lassen ihre Panzer im Parkhaus stehn und wollen im Café Kranzler die Sahnetörtchen sehn.“ Die berühmte Rotunde ist noch da, der Rest aber völlig verändert. Das Café Kranzler wird nun als Filiale der Berliner Kaffeerösterei The Barn betrieben, wegen der Aussicht ist es ein Touristenmagnet und ein Wahrzeichen der Stadt.</p>
<p>Am 1. April sollte man bei Verabredungen am Ku`damm vorsichtig sein, die Hausnummern 1 – 10 fehlen nämlich, ebenso die Hausnummern 77–89 und 221–223.<br />
Die nächste S3 Station liegt am Savignyplatz. Rund um den Platz und die angrenzenden Straßen gibt es eine Vielzahl von Restaurants, Bars, Cafés, Jazzclubs, Kinos, Antiquitäten- und Buchläden.</p>
<p>Weiter geht es Richtung Westen zur Station Charlottenburg. Die Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße liegt dort. Sie war die erste in einer Berliner Straße eingerichtete kraftfahrzeugfreie Zone, die Kaufhäuser und Geschäfte dienen eher dem Alltagsbedarf der Berliner, nicht wie die Luxusgeschäfte am Ku´damm dem gehobenen Bedarf. Das Fisch-Delikatessengeschäft Rogacki zieht viele Berliner Feinschmecker an.</p>
<p>Die nächste Station, Westkreuz, ist der westliche Knotenpunkt zur Ringbahn. Sie liegt an der Nordostecke des Messegeländes, der Bahnhof dient aber hauptsächlich zum Umsteigen, das Messegelände ist über die nächste Station Messe Süd, früher Eichkamp, besser zu erreichen.<br />
Zum Messegelände gehört auch der Funkturm, der ältere Bruder des Fernsehturms.</p>
<p>Die Stationen Heerstraße und Olympiastadion sind kaum touristische Magnete. Südlich der Heerstraße liegt der Teufelsberg, nach 1945 aus Trümmern aufgeschüttet diente er den US Geheimdiensten als Basis für Radar und Funküberwachung der DDR Gebiete um Westberlin. Heute hat man dort eine großartige Aussicht über Berlin, der Berg ist die zweithöchste Erhebung der Stadt. Das Olympiastadion ist die bekannteste Sportstätte Berlins. Es wird immer mit den olympischen Spielen der Nazis 1936 verbunden sein.</p>
<p>Der S-Bahnhof Pichelsberg liegt am südwestlichen Ende des Olympiageländes. Die Waldbühne, das Reiterstadion, das Naturschutzgebiet Murellenschlucht und der 62 m hohe Murellenberg liegen in der Nähe.</p>
<p>Der S-Bahnhof Stresow liegt bereits in Spandau. Über die Stresowstraße kann man zur Altstadt Spandau laufen, der interessantere Weg führt aber vom Bahnhof Spandau, am Rathaus vorbei, nach Norden. Spandau gilt als älter als Berlin, noch heute sehen sich die Bewohner Spandaus als etwas Besonderes.</p>
<p>Von Stresow führt die S3 über die Havel zum Bahnhof Spandau, dem Endbahnhof der S3. Spandaus Altstadt ist die größte Fußgängerzone Berlins mit vielen Einkaufsmöglichkeiten. Die St. Nikolaikirche ist das historische Zentrum, in der Nordfassade ist eine Kanonenkugel eigemauert, die lokale Legende verbindet sie mit der Belagerung der Zitadelle Spandau 1813, sie wurde aber erst Jahrzehnte später dort befestigt.</p>
<p>Die Zitadelle schließt sich im Nordosten an die Altstadt an. 1559–1594 als Festungsbauwerk angelegt ist sie weitgehend erhalten geblieben. Im ehemaligen Zeughaus befindet sich seit 1992 das Stadtgeschichtliche Museum Spandau. Nicht alle Besucher kommen wegen der Festungsanlagen.</p>
<p>In der Zitadelle finden regelmäßig Konzerte und Festivals statt, das jährliche Mittelalterfest ist ein Highlight.40 Ateliers dort bieten Künstlern Platz. Das Standesamt bietet Trauungen im Fürstenzimmer des Kommandantenhauses an. Der Gotische Saal, Räume der Italienischen Höfe und der Alten Kaserne können als Veranstaltungsorte gemietet werden.</p>
<p>Egal ob man zur East Side Gallery und dem The Wall Museum im Osten will oder nach Spandau im Westen, die S3 ist eine großartige Möglichkeit Berlin zu erkunden.</p>
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		<title>Die Berliner Luft</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/die-berliner-luft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Gerlach]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jan 2020 22:58:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ja, ja, ja, das ist die Berliner Luft, Luft, Luft so mit ihrem holden Duft, Duft, Duft wo nur selten was verpufft, pufft, pufft in dem Duft, Duft, Duft dieser Luft, Luft, Luft Das macht die Berliner Luft! Das Lied Berliner Luft gilt als die inoffizielle Hymne Berlins, vor 40 Jahren war es in Ost [&#8230;]</p>
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so mit ihrem holden Duft, Duft, Duft<br />
wo nur selten was verpufft, pufft, pufft<br />
in dem Duft, Duft, Duft<br />
dieser Luft, Luft, Luft<br />
Das macht die Berliner Luft!</p>
<p>Das Lied <em>Berliner Luft</em> gilt als die inoffizielle Hymne Berlins, vor 40 Jahren war es in Ost und West noch weitaus populärer als heute. Doch damals, zu Zeiten der DDR, war das, was in der Berliner Luft verpuffte, alles andere als ein angenehmer Duft. Und von selten konnte erst recht keine Rede sein.</p>
<p>In der Theorie war in der DDR der Umweltschutz ein Staatsziel. Der Artikel 15 Absatz 2 der DDR-Verfassung von 1974, schrieb vor: &#8220;Im Interesse des Wohlergehens der Bürger sorgen Staat und Gesellschaft für den Schutz der Natur. Die Reinhaltung der Gewässer und der Luft sowie der Pflanzen- und Tierwelt und der landschaftlichen Schönheiten der Heimat sind durch die zuständigen Organe zu gewährleisten und sind darüber hinaus auch Sache jedes Bürgers.&#8221; Doch die Realität war weit davon entfernt.</p>
<p>Verglichen mit den 70er und 80er Jahren ist Berlin heutzutage nahezu ein Luftkurort. Bis 1989 waren die Schadstoffwerte in der DDR Geheime Verschlusssache. Smog gab es offiziell nicht, erst in den letzten Monaten der DDR wurde an einer Smogverordnung gearbeitet. „Industrienebel“ sagte die DDR-Obrigkeit zu den durch die Städte wabernden gelblichen Dreckwolken. Im Rekordwinter 1985 wurden in der DDR in manchen Städten Fackeln an die Straßenränder gestellt, damit die Passanten den Weg fanden. Tagsüber! Die Verbrennungsrückstände der Fackeln verschlechterten die Lage noch. Im Ruhrgebiet wurden in diesem Winter Industrieanlagen zeitweise stillgelegt. Die Schadstoffkonzentration im Mitteldeutschen Kohlerevier war, nach den heute bekannten Messwerten, rund fünf Mal so hoch wie die im Ruhrgebiet gewesen – doch im Osten blieb der Smogalarm aus.</p>
<p>So auch im Ostteil Berlins, wo der höchste Stundenwert für Schwefeldioxid am 21. Januar 1985 bei 1000 Mikrogramm lag. Zwei Wochen vorher, am 7. Januar, hatte er sogar die Marke von 1500 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter Luft erreicht. Die Schmutzfracht wehte natürlich auch in die Westbezirke der Mauerstadt, wo in diesen Jahren immer wieder Smogwarnungen ausgegeben wurden. In Leipzig blieb die Anzeige des Messgeräts am 20. Januar für anderthalb Stunden am oberen Anschlag hängen, sie reichte nur bis 4999 Mikrogramm.</p>
<p>Im Jahr zuvor veröffentlichten alle DDR Medien eine Meldung, in der eingeräumt wurde, dass die Wälder durch &#8220;Rauchschäden&#8221; gefährdet seien. Doch über das Ausmaß des Waldsterbens erfuhr man nichts. Statt dessen bemühte sich die Staatspartei SED um Schadensbegrenzung ganz anderer Art: In einer &#8220;Anleitung der Agitatoren zu Fragen des Umweltschutzes&#8221; führten sie die zunehmende Umweltdiskussion auf &#8220;ideologische Angriffe&#8221; des &#8220;Klassenfeindes&#8221; zurück, dem es lediglich darum gehe, von eigenen Problemen abzulenken und mit dem &#8220;Gerede um den ‚sauren Regen‘&#8221; oder der &#8220;Behauptung, dass Braunkohle besonders schwefelhaltig ist&#8221;, die Wirtschafts- und Sozialpolitik der DDR-Führung zu &#8220;diskreditieren.</p>
<p>Die staatliche Planwirtschaft der DDR setzte bei der Energieversorgung auf Braunkohle, denn diese ließ sich auf dem Gebiet der DDR fördern und musste nicht importiert werden. So sparte man die knappen Devisen.</p>
<p>Bis 1990 sollte die Braunkohleförderung sogar noch auf bis zu 335 Millionen Tonnen gesteigert werden. Gemessen an ihrer Schwefelemissionsdichte lag die DDR mit 46,2 Tonnen pro Quadratkilometer im Jahr (Bundesrepublik vierzehn Tonnen) schon lange weit an der Spitze aller europäischen Länder. Von sechzig Millionen Tonnen Schwefeldioxid, die in Europa jährlich in die Luft geblasen wurden, kamen 5,1 Millionen aus der DDR und 3,8 Millionen aus bundesdeutschen Schloten.<br />
Auch im Sommer war die Belastung hoch. An der Mühlenstraße, die am The Wall Museum vorbeiführt, pusteten täglich tausende Zweitaktmotoren ihren Dreck ungefiltert in die Luft. Die Hinterlandmauer, die heutige Eastside Gallery, behinderte den Luftaustausch. Doch auch so zog genug Dreck über die Spree nach Kreuzberg. Der Zweitaktmotor des Trabant 601 stieß rund 30 mal so viele Kohlenwasserstoffe aus wie ein vergleichbarer Viertaktmotor.</p>
<p>Neben der Industrie und dem Verkehr war der Hausbrand die Hauptursache für die enorme Belastung der Atemluft in der DDR. Ein großer Teil der Ostberliner Wohnungen wurde mit Braunkohle beheizt.</p>
<p>Der Umweltschutz spielte für die SED keine Rolle. Es fehlte nicht an Daten, in den 80er Jahren gab es in der DDR eine flächendeckende Überwachung der Luftqualität und die Daten wurden in Echtzeit ausgewertet.</p>
<p>Da die Verschmutzung, im wahrsten Sinn des Wortes, zum Himmel stank waren die Vertuschungen sinnlos. Im Schutz der evangelischen Kirche entwickelte sich eine Umweltbewegung, die später mit zum Umsturz des Systems führen sollte. Ein Beispiel war die Umweltbibliothek, die 1986 in Räumen der Zionskirche in Ost-Berlin gegründet wurde. Im November 1987 führte das MfS eine Razzia in der Umweltbibliothek durch und verhaftete mehrere Menschen. Sie wurden schnell wieder freigelassen, da man negative Meldungen im Westfernsehen fürchtete.</p>
<p>Gelegentlich sickerten Daten durch, Beunruhigung löste 1982 eine Untersuchung im DDR-Zentralblatt für Pharmakologie unter dem Titel &#8220;Der Cadmiumgehalt der Nahrungsmittel in der DDR&#8221; aus. Darin wurde &#8220;aus Sicherheitsgründen&#8221; empfohlen, im Kreis Freiberg produziertes Getreide mit Getreide aus anderen Anbaugebieten zu verschneiden, &#8220;um so die Cd-Belastung für den Menschen so niedrig als möglich zu halten&#8221;.</p>
<p>Kurz darauf wurde das Heft von den DDR-Behörden eingezogen und neu herausgegeben – diesmal ohne den Cadmium-Artikel. Das Ministerium für Staatssicherheit hatte damit das Problem für die DDR Führung gelöst.</p>
<p>Während in Westberlin, wie in der Bundesrepublik, 1984 für Neuwagen mit Benzinmotor der Katalysator eingeführt wurde, gab es keine derartigen Pläne in Ostberlin. Es fehlte nicht an Stimmen, die die Einführung in Westberlin daher als sinnlos bezeichneten. Die fünfjährige Übergangszeit fiel aber zufällig auf den Mauerfall. Und so hatten fast alle Neuwagen mit Benzinmotor im wiedervereinigten Deutschland Katalysatoren.</p>
<h2>Die Berliner Luft nach dem Mauerfall</h2>
<p>80 Prozent der DDR-Kraftwerke wurden nach dem Mauerfall stillgelegt und die übrigen so modernisiert, dass die Luftverschmutzung auf ein ähnlich niedriges Niveau wie im Westen sank. Moderne Rauchgasentschwefelungsanlagen haben die Belastung mit Schwefeldioxid und Staub kräftig nach unten gedrückt. Im Jahresdurchschnitt liegen die Schwefeldioxid-Konzentrationen heute deutschlandweit unter fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft; der zulässige Stundenmittelwert von 350 Mikrogramm wurde seit der Festlegung noch nie überschritten.</p>
<p>Von der weltweit höchsten gemessenen Belastung mit Schwefeldioxid in den 1980er-Jahren ist der Osten Deutschlands im Rekordtempo zu guten Werten heruntergekommen. Der Schwefeldioxidwert beträgt heute nicht einmal mehr 1 % des durchschnittlichen DDR Werts. Mittlerweile gibt es in Deutschland keine Überschreitungen der europaweit geltenden Grenzwerte für Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol und Blei mehr. Seit 1990 ist z.B. die Bleiemission in Deutschland um über 90 Prozent gesunken. Durch verbleites Benzin war der Wert bis dahin auch in der alten Bundesrepublik hoch.</p>
<p>Die Stickstoffdioxidwerte in Berlin liegen noch über den heutigen europäischen Grenzwerten, doch diese liegen weit unter denen der Zeit vor 1989. Beim Feinstaub (PM2,5) wird der seit 2020 gültige Richtgrenzwert von 20 µg/m³ im Jahresmittel derzeit eingehalten. Beim (PM10) wird der Wert gelegentlich überschritten. Da die von modernen Dieselmotoren ausgestoßene Luft sauberer ist als die eingesaugte, wird der Verkehr eine immer geringere Rolle beim Feinstaub spielen. 2019 stammte, laut Berliner Senat, nur 1/3 des in Berlin gemessenen Feinstaubs aus der Stadt. Und nur 26% kommen vom Verkehr.</p>
<p>Bundesweit fahren noch 36.000 Trabbis, da die Ostalgie zu steigendem Interesse führt nimmt die Zahl sogar noch zu, obwohl die Produktion 1990 eingestellt wurde. Restaurierte Wagen sind begehrt. 2018/19 stieg die Zahl der für den Straßenverkehr angemeldeten „Rennpappen“ um hunderte Fahrzeuge. Doch heute gibt es für den Trabbi Katalysatoren, die die Umweltbelastung reduzieren.</p>
<p>1,21 Millionen Pkw waren 2019 in Berlin zugelassen. Die Zahl stieg, da auch die Bevölkerungszahl zugenommen hat. Im Vergleich zu anderen Großstädten hat Berlin mit rund 340 Pkw pro 1000 Einwohner aber weiterhin einen bemerkenswert niedrigen Motorisierungsgrad.</p>
<p>Doch es gibt noch einiges zu tun. Freizeitkapitäne, Fahrgastschiffe und Frachtschiffe dürfen noch immer über die Spree tuckern, egal, wie sehr der Auspuff qualmt. Trotzdem ist der Mercedes Benz Hafen an der Eastside Gallery im Sommer eine gute Anlaufstelle für Touristen und der Uferweg ist eine schöne Alternative auf dem Weg zum The Wall Museum. Der Wind über der Spree sorgt für eine angenehm frische und saubere Luft.</p>
<p>Und wie steht es beim aktuellen Thema CO2? Die Berliner*innen produzieren 2020 pro Kopf deutlich weniger Emissionen als der Bundesdurchschnittsmensch. 4,9 Tonnen statt 9. Besonders die Veränderungen beim Hausbrand haben die Emission von CO2 aus fossilen Energieträgern verringert. Nach dem Mauerfall 1989 ist der Berliner CO2 Ausstoß bis 2010 stark gesunken. Durch die steigende Bevölkerungszahl und die wirtschaftliche Entwicklung stagniert der Berliner CO2 Ausstoß seit 2011.</p>
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		<title>Weihnachten in der DDR</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/weihnachten-in-der-ddr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Gerlach]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Dec 2019 15:07:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Für die Staatsführung der Deutschen Demokratischen Republik war Weihnachten im real existierenden Sozialismus ein Problem, die christlichen Feiertage passten nicht so Recht in ihre Ideologie einer atheistischen Welt. Bis in die 80er Jahre versuchten es die für die Propaganda verantwortlichen mit Umdeutungen. Das Fest am Jahresende sei ein „Fest der Friedens“. Oft wurde in den [&#8230;]</p>
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Bis in die 80er Jahre versuchten es die für die Propaganda verantwortlichen mit Umdeutungen. Das Fest am Jahresende sei ein „Fest der Friedens“. Oft wurde in den Zeitungen einfach nur kurz „das Fest“ geschrieben. Das Weihnachtsgeld wurde in Jahresendprämie umbenannt.</p>
<p>1958 wurde ein Propagandawerk veröffentlich das unter dem Titel „Friede schafft der Mensch allein“. Es enthielt Material für Schulen, Betriebe, Pionier- und FDJ-Gruppen für die ideologische Aufrüstung in der Weihnachtszeit.<br />
Adventskalender durften bis Anfang der 70er Jahre nicht so genannt werden. Auf Rechnungen und Bestellungen erschien stattdessen der Begriff &#8220;vorweihnachtliche Kalender&#8221;. Christliche Motive durften bis 1973 gar nicht darauf gedruckt werden. Dann erhielt erstmals ein Verlag in der Lausitz die Erlaubnis, das Christkind und die Heiligen Drei Könige darzustellen. Es gab aber auch sozialistische Varianten, wie z.B. einen Adventskalender auf dem Junge Pioniere mit Halstuch und Mütze zu sehen waren. Verbreitete Motive waren außerdem Weihnachtsmärkte oder Winterszenen mit Kindern. Doch sie setzten sich nicht durch, das beliebteste Motiv war eine spätbarocke Kirche aus dem Erzgebirge.</p>
<p>Aus der Sowjetunion übernahm man „ Väterchen Frost“ der zu einem sozialistischen Rivalen des Weihnachtsmann werden sollte. Doch die Menschen nahmen ihn nur als Zusatz zum Weihnachtsmann an.</p>
<p>Man versuchte es immer wieder, doch es half nichts. 1982 erklärte das SED-Politbüromitglied Kurt Hager im Gespräch mit linientreuen westdeutschen DKP-Genossen: „Weihnachten haben wir längst verloren.“<br />
Es gab dabei auch starke interne Opposition. Laut BND hat im Jahr 1979 ein Stasi-Überläufer den Geheimdienstleuten berichtet, dass die Stasi selbst „mäßigend Einfluss“ auf die DDR Führung ausgeübt. habe. Man hatte dem Volk aufs Maul geschaut und fürchtete negative Reaktionen.</p>
<p>Für die sozialistischen Planwirtschaftler ergaben sich neben der Ideologischen Frage aber auch ganz praktische Probleme.<br />
Der Dresdner Christstollen war auch im Arbeiter- und Bauernstaat ein Renner. Doch einige Zutaten gab es einfach nicht im Inland. Mandeln, Korinthen und Orangeat mussten für knappe Westdevisen aus dem kapitalistischen Ausland importiert werden.</p>
<p>Für den DDR Wirtschaftsfunktionär Alexander Schalck-Golodkovski war das eine unhaltbare Situation. Er empfahl allen Ernstes den Kollegen im Politbüro ein sogenanntes „Stollenschenkverbot“. Die simple Logik: Gibt es keine Stollen brauchen wir auch keine Devisen für Material ausgeben.<br />
Doch seinen Kollegen war das zu heikel, so wurde die hirnrissige Idee, wie viele andere, zu den Akten gelegt.</p>
<p>Der ehemalige Reichsbahnbunker in der Friedrichstraße diente nach 45 zunächst als Textillager, ab 1957 war er der zentrale Lagerraum der DDR für Trocken- und Südfrüchte aus Kuba. Betrieben vom „Volkseigenen Betrieb Obst Gemüse Speisekartoffeln“ wurde das Gebäude im Volksmund schnell der „Bananenbunker“. In der Weihnachtszeit landeten dort auch die von Schalck-Golodkovski so verabscheuten Westimporte. So wurde er in dieser Jahreszeit zum „Weihnachtsbunker&#8221;</p>
<p>Trotzdem waren die Grundstoffe knapp. Besonders für die die zu Hause einen eigenen Stollen backen wollten. Anfang Herbst fingen viele Familien an, Zutaten für den Stollen zu sammeln. Doch bestimmte Zutaten gab es einfach nicht in den Geschäften. Selbst viele Großbäckereien standen vor kaum lösbaren Problemen. Albrecht Großmann, damals Produktionsleiter im Backwarenkombinat Döbeln, erinnert sich: „Sultaninen waren knapp, Mandeln waren knapp, Zitronat und Orangeat gab es überhaupt nicht, so sind wir auf die Rohstoffe ausgewichen, die zur Verfügung standen.&#8221; Als Zitronat-Ersatz wurden z.B. grüne Tomaten kandiert und als Orangeat-Imitat Möhren.</p>
<p>Wer Glück hatte konnte auf liebende Verwandte im Westen bauen. November/Dezember nahm die Zahl der Pakete mit der Aufschrift &#8220;Geschenksendung! Keine Handelsware!“ enorm zu. Neben Kaffee, Zigaretten und Damenstrümpfen waren es vor allem Zutaten für den Stollen die die Pakete füllten Die Geschenke wurden meist mit einem Rückpaket belohnt. Darin enthalten waren oft ein Stollen oder weihnachtliche Schnitz- oder Drechselkunst aus dem Erzgebirge.<br />
Für die Wirtschaftsplaner der DDR waren die Westpakete eine feste Größe im Versorgungsplan.. Und für die Bürger eine willkommene Ergänzung auf dem Gabentisch.</p>
<p>Da man das Christkind und den Weihnachtsmann nicht schlagen konnte fing man an eigene Aspekte einzubringen. Wohl niemand kann etwas gegen Frieden einwenden. Doch hatte der Pazifismus der DDR Oberen immer einen Nebengeschmack. Die NVA wurde auch in der Weihnachtszeit als unverzichtbarer Bestandteil des Staates dargestellt. Und auch wenn Kriegsspielzeug offiziell nicht existierte fand sich unter so manchem Weihnachtsbaum ein Kabelgesteuerter Kampfpanzer, begleitet von Spielzeugsoldaten.</p>
<p>&#8220;Guten Abend, schön Abend, es weihnachtet schon …&#8221; war eines der beliebtesten Weihnachtslieder, das in der DDR weit verbreitet war. Das Ehepaar Hans und Ilse Naumilkat hat den Text in den 50er Jahren geschrieben und es wurde verbreitet, dass die Melodie von einem lustigen Volkslied aus der Eifel stamme.<br />
Tatsächlich aber stammte die Melodie von einem Lied aus Österreich , ein Lied mit ausgesprochen christlichem Inhalt. : &#8220;Gegrüßt seist Maria, jungfräuliche Zier, Du bist voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir.</p>
<p>Andere Änderungen beim Liedgut fanden im Westen durchaus Zustimmung. . In Hoffmann von Fallerslebens Lied &#8220;Morgen kommt der Weihnachtsmann&#8221; heißt es im Original: &#8220;Trommel, Pfeife und Gewehr, Fahn‘ und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegesheer möchte‘ ich gerne haben!“ Hans Sandig, Leiter des Rundfunkkinderchors Leipzig, schrieb diesen Text in eine zeitgemäßere, friedliche, Version um: &#8220;Wiege, Puppe, ei der Daus, Zuckerzeug und Knusperhaus, ja ein ganzes Puppenhaus möcht‘ ich gerne haben!&#8221;</p>
<p>Ein Klassiker in der Erinnerung an die DDR ist die „geflügelte Jahresendfigur“ die angeblich ein offizieller Begriff in der DDR für Engelgewesen sei. Im Westen war (und ist) dieser Begriff immer für einen Lacher gut.</p>
<p>Der Haken ist nur, niemand kann sicher belegen woher er stammt. Es gibt keinen Beleg für eine staatliche Verwendung des doch sehr krampfhaft wirkenden atheistischen Begriffs.</p>
<p>Oft wird die Prägung der einzigen offiziellen satirischen Zeitschrift der DDR „Eulenspiegel“ zugeschrieben. Doch der Eulenspiegel Autor Ernst Röhl schrieb er habe den Begriff tatsächlich an einem Verkaufsstand gesehen. So findet er sich in dessen Buch „Wörtliche Betäubung“ von 1986, in dem er bürokratische Auswüchse der DDR-Sprache aufs Korn genommen hat.</p>
<p>Der Historiker Bodo Mrozek nahm es in sein „Lexikon der bedrohten Wörter“ auf, im Artikel schreibt er die genaue Herkunft lasse sich aber bis heute nicht belegen.</p>
<p>Während der Christstollen kaum in ausreichender Zahl verfügbar war gab es wie in vielen DDR Bereichen einen munteren Tauschhandel mit noch seltenerer weihnachtlicher „Bückware“. (Bückwaren waren Artkel die nicht im Regal standen, sie wurden unter dem Tresen für spezielle Kunden aufbewahrt)</p>
<p>So waren Seiffener Räuchermännchen im Winter durchaus eine von vielen Parallelwährungen. Ob Trabi Reifen oder Obst, im Tauschhandel waren die Produkte der kleinen Betriebe höchst begehrt.</p>
<p>Nussknacker und Räuchermännchen waren knapp weil sie ausgezeichnete Devisenbringer waren. Der größte Teil der Produktion der kleinen Betriebe ging in das kapitalistische Ausland.</p>
<p>Doch selbst gutgewachsene Weihnachtsbäume waren knapp. Es gab fast nur Kiefern. Die guten Tannen landeten im Westen.</p>
<p>Viele Bäume aus dem Erzgebirge waren klein und hässlich. Doch da der laufende Meter nur zwei Mark kostete, wurden oft gleich zwei Bäume gekauft. Kunstvoll wurden die guten Zweige des einen Baums abgesägt und mit Hilfe des DDR Klebstoffs &#8220;Duosan Rapid&#8221; in kleine Löcher im Stamm des anderen geklebt.<br />
Behängt wurde der so schön gemachte Baum mit bunten Kugeln, die man über die Jahre gesammelt hatte, und mit Lametta. Doch selbst das Zinnlametta war Mangelware. So wurde es meist nach den Festtagen vorsichtig vom Baum genommen und verwahrt.</p>
<p>Doch auch Westfamilien machten dies um Geld zu sparen. In meiner Tempelhofer Familie war diese Vorform des Recycling völlig normal.</p>
<p>Es mag seltsam scheinen, doch die Ostberliner Weihnachtsmärkte hatten für die Westberliner Besucher in den 70er Jahren einen besonderen Reiz. Doch für eine mehrköpfige Familie war ein Besuch dort in den 80er Jahren Luxus. Der 1980 erhöhte Zwangsumtausch von 25 Mark je erwachsenem Besucher, 7,50 Mark für sechs- bis fünfzehnjährige Kinder war ein hohes Eintrittsgeld für den sonst eintrittsfreien Weihnachtsmarkt.</p>
<p>Aber Wildschweinbraten, Glühwein, Alt-Berliner Bierbowle und rumänischer Slibowitz waren auf dem Markt am Alex sehr billig. So mancher Westberliner erreichte den Grenzübergang bei der Rückkehr stark alkoholisiert und manche verpassten die Ausreisezeit. Auch die Fahrgeschäfte waren ähnlich billig. Es ist verständlich, dass für die DDR Bürger die vielen Wohlstandsbürger aus dem Westen auf dem Markt keine reine Freude waren. Denn auf dem Markt gab es knappe Waren die dann oft von den Wessis wegegekauft wurden</p>
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		<title>Punk in der DDR</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/punk-in-der-ddr/</link>
		
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		<pubDate>Mon, 25 Nov 2019 12:03:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In der DDR sollte die Jugend stets brav, sozialistisch, sauber und linientreu sein. Und lange gelang es der DDR Führung dieses Bild aufrecht zu erhalten. Doch immer gab es Abweichler, junge Menschen die sich der Gleichschaltung entzogen. In der zweiten Hälfte der 70er Jahre war  in den westlichen Ländern die Punkbewegung entstanden. Ob er seinen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><span class="s1"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-641 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/11/punk-ddr.jpg" alt="" width="1000" height="667" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/11/punk-ddr.jpg 1000w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/11/punk-ddr-300x200.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/11/punk-ddr-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></span></p>
<p class="p1"><span class="s1">In der DDR sollte die Jugend stets brav, sozialistisch, sauber und linientreu sein. Und lange gelang es der DDR Führung dieses Bild aufrecht zu erhalten. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Doch immer gab es Abweichler, junge Menschen die sich der Gleichschaltung entzogen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">In der zweiten Hälfte der 70er Jahre war<span class="Apple-converted-space">  </span>in den westlichen Ländern die Punkbewegung entstanden. Ob er seinen Ursprung in Großbritannien hat ist bis heute ebenso umstritten wie die Frage was Punk eigentlich ist.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Rocker und Hooligans sahen sie oft als Feinde. In all diesen Gruppen spielte Alkohol eine große Rolle und so war es kein Wunder, dass es im Umfeld der Szenekneipen immer wieder zu Schlägereien kam. Es bestand auch unter den Punks ein Zusammengehörigkeitsgefühl. „Wir gegen all die anderen“. Wurde ein Punk verprügelt sammelte sich die Gruppe und mischte die Gegner auf. Zu ihren<span class="Apple-converted-space">  </span>Feindbildern zählten in der Anfangszeit auch Hippies und ihre Nachfolger. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Doch diese wehrhaften Punks waren nur eine Spielart die oft mit Skinheads verwechselt wurde. Da beide Gruppen zu Ska und 2-tone Musik abtanzten war das kein Wunder. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1"> Die Masse der Punks war eher friedlich. Gemeinsam Musik hören, Bier trinken und diskutieren, das war ihr Leben. Und natürlich provozieren. Die Spießbürger ärgern. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die braven Bürger waren natürlich schockiert. Die besondere Kleidung und die Haartracht erregten Argwohn.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Es war also kein Wunder, dass die Rezeption in den Medien gemischt war. BBC und RIAS Berlin waren die Hauptquellen aus denen die Jugendlichen in der DDR vom Punk hörten. Punk Musik fand Eingang in das Programm dieser eher konservativen Sender. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Ungefähr 1977 tauchten in der DDR die ersten Punks auf. Die Staatsführung war geschockt, wie konnte es zu dieser Erscheinung kommen. Sofort begann der Apparat der Staatssicherheit zu ermitteln. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Abteilung K1 der Volkspolizei übernahm die Verfolgung. Da viele der frühen DDR Punks unter Alkoholeinfluss zu Gewalttaten neigten war das staatliche Feindbild klar. Man hatte es mit asozialen und kriminellen Personen zu tun. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Stasiakten spiegeln das Unverständnis der Machthaber wieder. Hatte die Punkbewegung zunächst nur in Großstädten, hauptsächlich Ost-Berlin, Anhänger gefunden griff sie bis in die frühen 80er Jahre auch auf Kleinstädte über. Die Schlägereien nahmen ab und die Bewegung wurde politischer. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi unterwanderten die Szene. Die Volkspolizei stufte allein in Ostberlin rund 250 Punks als Kriminelle ein. Ohne Gerichtsverfahren wurden diesen Auflagen erteilt. Gaststättenbesuche wurden ihnen verboten und sie durften sich außerhalb ihrer Wohnungen und Arbeitsstätten nur an wenigen Orten aufhalten. Da zu den Methoden der Stasi auch Arbeitsentzug gehörte bedeutete das oft quasi Hausarrest. Verhaftungen und Hausdurchsuchungen hatten aber in der Szene nicht den vom Staat gewünschten Erfolg. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Punks fingen an den Judenstern zu tragen, teils um zu provozieren, hauptsächlich aber um auf die Verfolgung hinzuweisen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das Versagen der K1 führte zur Übernahme der Kompetenzen durch das Ministerium für Staatssicherheit. Bisher hatten die DDR Medien die Punker weitgehend ignoriert, nun begann eine Kampagne gegen die „entartete und dekadente Subkultur aus der westlichen Welt.“ Männliche Punks wurden oft vorzeitig zur NVA eingezogen um sie dort „auf Linie zu bringen“. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Anders als die Volkspolizei hatte das MfS Erfolg. Die Punk Szene war 1983 weitgehend zerschlagen. Doch es gab einen harten Kern der sich mit gleichgesinnten im sozialistischen Ausland zu einer neuen Punk Bewegung zusammenschloss. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Zerschlagung erwies sich als Pyrrhussieg. Viele Ex Punker fanden sich in der Friedensbewegung zusammen. Die Gegnerschaft zur Hippiebewegung verschwand und Punker gehörten zu den Gründern der Gruppe: „Kirche von unten“. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Diese Punker waren wesentlich politischer. 1983 – 1985 fanden auch in der DDR Hausbesetzungen statt. Dabei wurde mit Umwelt- und Friedensaktivisten zusammengearbeitet. Punker nahmen an Veranstaltungen teil, so an Kranzniederlegungen am Gedenkstein für den Anarchisten Erich Mühsam. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die „Weichspülerpunks“ fanden nun neue Gegner bei denjenigen Skinheads, die in die rechte Szene abdrifteten. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Und andere reagierten auf die Änderungen mit dem Aufgeben der Reste bürgerlichen Verhaltens. Alkoholismus und Kleinkriminalität nahm unter ihnen stark zu. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Begriffe, die das MfS den Punks zuordneten, waren „negativ-dekadent“, „politisch labil“, „demonstrativ“, „radaumäßig“, „rowdyhaft“, „kriminell gefährdet“ oder „fehlentwickelt“. Sie ähnelten erstaunlich der Sichtweise bei westlichen Polizeibehörden. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Der Unterschied bestand im Umgang mit den Punks. Im Westen wurden Straftaten wie Diebstahl verfolgt, nicht die Kleidung oder Geisteshaltung. Für Westdeutsche Geheimdienste spielten Punks kaum eine Rolle. Westberliner Punks ärgerten sich in den 80er Jahren oft darüber kaum noch „Öffentliches Ärgernis“ zu sein. Es kam vor, dass Punks selbst die Polizei anriefen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das MfS versuchte die Bewegung in den 80ern zu steuern. Der alternative Schriftsteller Sascha Anderson durfte 1983 beim Westdeutschen Plattenlabel „Alternative Rockproduktionen“ DDR Punkmusik pressen lassen. Es dürfte keinen Kenner der DDR überraschen, dass er Stasispitzel war. Das Album „DDR von unten“ mit Bands wie Zwitschermaschine und Schleim-Keim gilt heute als erstes DDR Punkalbum. Vorher gab es nur Musikkassetten die primitiv selbst aufgenommen wurden.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Schleim-Keim wurde wegen unerlaubtem Westkontakt bestraft, Zwitschermaschine stand unter dem Schutz des IM. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Repression nahm weiter zu. Führungsfiguren wurden zur Ausreise in den Westen genötigt, wer stur blieb landete in Stasihaft. Der Auftritt von Punkbands bei der Blues Messe in der Christuskirche in Halle wurde von der Stasi gesteuert. IMs heizten<span class="Apple-converted-space">  </span>die Stimmung auf<span class="Apple-converted-space">  </span>und beim Auftritt von Namenlos wurde die Gruppe mit Steinen und Flaschen beworfen.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Doch die Punk Szene wuchs wieder. Trotz Verfolgung waren mehr Jugendliche bereit ihre Opposition zur DDR zu zeigen. Doch viele der neuen Punks waren IM, sie erhielten Zuwendungen in Form von Geldmitteln und Schallplatten aus dem Westen. Praktisch jede Punkband hatte IM unter den Mitgliedern.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Als 1986 ein zweites DDR Punk Album im Westen erschien unterblieb die Verfolgung der Band „Der Rest“. Ein Schelm der Schlechtes dabei denkt.<span class="Apple-converted-space">  </span>Beim MfS ging man neue Wege. Der DJ Lutz Schramm durfte ab März 1986 eine offizielle „Untergrund“ Sendung präsentieren. Unter der Bezeichnung „Die anderen Bands“ wurde über Punkbands berichtet. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">1988 brachte die DDR Plattenfirma Amiga das Album „Kleeblatt Nr. 23 – Die anderen Bands“ auf den offiziellen DDR Markt. Die Zeitschrift „Unterhaltungskunst<i>“</i> durfte nun erstmals über DDR-Punkbands berichten. 1988 erschien gar ein Dokumentarfilm. „Flüstern und schreien – Ein Rockreport“ der positiv über die Szene berichtete.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Freie Deutsche Jugend sprang auf den Zug auf. Die staatliche Jugendorganisation FDJ veranstaltete eigene Punkkonzerte. Im Oktober 88 wurde die Band „Die Skeptiker“ dann sogar Preisträger der IX. Werkstattwoche Jugendtanzmusik.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die „echten“ Punks lehnten diese FDJ Staatspunks ab. Sie wurden weiter verfolgt. Das MfS versuchte auch weiterhin bekannte, politische Punks auszuschalten und die als Anführer angesehenen Punks anzuwerben. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Am 17. Oktober 1987 stürmten Skinheads und Punks ein von der Zionskirche organisiertes Punkfestival. 30 Betrunkene grölten rechte Parolen und prägelten auf Besucher ein. Die von vielen telefonisch alarmierte Volkspolizei griff nicht ein. Erst nach Tagen wurden 22 Skinheads und vier Punks verhaftet. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Der Schwerpunkt der Szene hatte sich von Ost-Berlin nach Potsdam verlagert. Beim MfS wurden DDR weit nur noch 599 Punks registriert. Die rechte Skinheadszene war nun deutlich stärker. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Das Ende der DDR war für die DDR Punks ein zweischneidiges Schwert. Einerseits Freiheit, andererseits eine übermächtige Westmusikszene. Die wollte ihre eigenen Bands vermarkten und bot DDR Punkbands keine Plattform. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Viele DDR Bands lösten sich auf. Wenige überlebten, so wie Schleim-Keim. Die Skins und manche Punks gingen in der rechtsextremen Szene auf. Die linken Ideale der anderen Punks schliefen ein. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Das Ende der DDR mit FDJ und Planwirtschaft entzog den Ostpunkern die Grundlage. Sie hatten die Kleidung und die Musik der Westpunker übernommen ohne die Ideologie zu kennen. Sie suchten ein Stück Freiheit dessen selbstorganisiertes Chaos eine Alternative zu Ost- </span><span class="s2">und</span><span class="s1"> Westsystem bieten könnte. Ihre Vorstellungen von Anarchie waren sehr vage, das Zusammengehörigkeitsgefühl war weit wichtiger als Ideologie. Delikte wie Einbruch und Sachbeschädigung gehörten zur Szene, viele Ostpunks glaubten das sei echte Anarchie. Mädchen spielten eine untergeordnete Rolle, nur rund ein Viertel der jugendlichen Punks war weiblich. Frauenrechte spielten in der Ideologie keine Rolle und Frauenbands wie „Die rote Zora“ waren eine Ausnahme.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Ostberliner Punkszene hielt sich lange für<span class="Apple-converted-space">  </span>einzig „echt“, das Stürmen von bürgerlichen Gaststätten und Diskotheken gehörte zu ihrem Selbstbild. Schnell bildete sich ein Elitedenken, die „Alten Kämpfer“ verachteten die jungen Punks. Der Song „Kidpunks verpisst euch“ wurde eine Art Kampflied. Wer ihnen nicht passte, wurde in Berlin als „Plastic“ bezeichnet und „geruppt“, man raubte den Opfern die Punkkleidung . Nur wer Punk wirklich lebte wurde zur „echten“ Szene zugelassen. Die elitäre Gruppe spielte aber keine große Rolle. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die große Szene nach 1983 wurde mehr und mehr von „Freizeitpunks“ dominiert. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Erinnerung der Punks in der heutigen Gesellschaft ist von der üblichen Verklärung bei „Alten Kämpfern“ geprägt. Die Punks hatten nicht den Einfluss auf den Zerfall der DDR den viele ihnen heute andichten. Sie waren ein Ärgernis, andererseits machte es dem MfS leicht die Aufmüpfigen zu erkennen. Ohne Glasnost und die Wandlungen in der Sowjetunion hätte es die Wende nie gegeben. </span></p>
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