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	<description>East Side Gallery</description>
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		<title>Reisen für DDR Bürger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Mar 2024 22:46:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Mauer teilte die deutsch-deutschen Gesellschaften besonders offensichtlich auf dem Reisemarkt.  Der Westdeutsche und Westberliner durfte praktisch jederzeit in fast jedes Land der Welt reisen. Seinem Heimatland waren seine Reisen völlig egal. Ganz anders in der DDR.  Auch mit Visum durfte der DDR-Bürger nur in die sozialistischen Bruderländer reisen. Der Westen war für die meisten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" fetchpriority="high" class="aligncenter wp-image-2288 size-full" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2024/03/kuste-ostsee.jpg" alt="" width="792" height="462" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2024/03/kuste-ostsee.jpg 792w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2024/03/kuste-ostsee-300x175.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2024/03/kuste-ostsee-768x448.jpg 768w" sizes="(max-width: 792px) 100vw, 792px" /></p>
<p>Die Mauer teilte die deutsch-deutschen Gesellschaften besonders offensichtlich auf dem Reisemarkt.  Der Westdeutsche und Westberliner durfte praktisch jederzeit in fast jedes Land der Welt reisen. Seinem Heimatland waren seine Reisen völlig egal.</p>
<p>Ganz anders in der DDR.  Auch mit Visum durfte der DDR-Bürger nur in die sozialistischen Bruderländer reisen. Der Westen war für die meisten tabu. Es gab „Reisekader“ die die Genehmigung hatten in den Westen zu reisen, aus wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Gründen von ihren Unternehmen oder Universitäten dafür ausgewählt. Doch das waren nur wenige und einige nutzten die Gelegenheit zur Flucht.</p>
<p>Auf dem Papier war der DDR Tourismus großartig. Bei der Staatsgründung 1949 schrieb die DDR für jeden Arbeitenden das „Recht auf Erholung“ und „auf jährlichen Urlaub gegen Entgelt“ in den Artikel 16 der Verfassung. Das „Handbuch der DDR“ lobte das sozialistische Urlaubssystem als „große soziale Errungenschaft der DDR“.</p>
<p>Die Beschaffung der Ressourcen war typisch DDR. 1953 durchsuchte eine große Zahl Polizisten in der „Aktion Rose“ mehr als 700 private Hotels, Gaststätten oder Pensionen an der Ostseeküste.</p>
<p>Der absurde Vorwurf: Die Hoteliers würden „illegal eingeführte Westwaren“ verkaufen und für die „Agentenzentralen des amerikanischen Imperialismus“ arbeiten. Am Ende der Aktion wurden 440 Besitzer einfach als Westagenten verhaftet.</p>
<p>60% des Tourismus wurden in der DDR über Betriebe und den Staat organisiert. Der FDGB Feriendienst führte rund 2 Millionen Reisen pro Jahr durch. Das staatliche Reisebüro der DDR war ein VEB, die FDJ hatte ab 1975 ein eigenes Jugendreisebüro. Bei Jugendtourist konnten alle Bürger vom 16. bis zum 25. Lebensjahr buchen. Bekannt war aber, dass auch Ältere mitgenommen wurden, wenn noch Plätze frei waren. Und man Beziehungen hatte.</p>
<p>34 % der Übernachtungen entfielen 1989 auf Einrichtungen der Betriebe, 26% auf Campingplätze, 19% auf FDGB-Hotels, 17 % auf Jugenderholungseinrichtungen und 4% auf sonstige.</p>
<p>Diese offiziellen Zahlen trügen. Es fehlen die Übernachtungen in privaten Unterkünften, diese machten in den touristisch stark frequentierten Orten den Großteil der Übernachtungen in der Feriensaison aus. Durch diese privaten Touristen kam es in den Ferienorten immer wieder zu spürbaren Lieferengpässen bei der lokalen Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs.</p>
<p>Die Sorge um den Sommerurlaub begann für DDR-Bürger schon im Winter. Zu einem festen Termin mussten die Bestellscheine für Busfahrten oder für begehrte Auslandsreisen in den Ostblock beim DDR-Reisebüro eingegangen sein. Von 1000 Anträgen wurden jeweils nur etwa 30 genehmigt Das war dann wie ein großer Lottogewinn, bezahlt mit einem der begehrten rosafarbenen „FDGB-Ferienschecks“. Diesen FDGB-Ferienscheck bekam der Antragssteller statistisch, nur alle fünf Jahre.</p>
<p>Nur ein Drittel der Kosten mussten die Urlauber selbst zahlen, das galt auch für die Hinreise mit der Reichsbahn. Zwei Wochen Vollpension im Ostseebad Boltenhagen kosteten 1965 nur 95 Mark pro Person.</p>
<p>Der Ton aber war seltsam. Auf den Ferienschecks stand „Einweisung ins FDGB-Urlauberdorf“ und das Essen gab es in „Verpflegungsstellen“ Der Sozialversicherungsausweis musste vorgelegt werden, Sportkleidung wurde ausdrücklich erwartet. So mancher musste den Chef beim kollektiven Mittagessen ertragen. Der Komfort war überschaubar, die Wasserhähne tropften, Betten quietschten -und jeden Morgen begann der Kampf um die Etagendusche. 10% des DDR-Haushalts floss in die subventionierte Ferien, doch das Angebot deckte nie die Nachfrage.</p>
<p>Wer den Massenbetrieb vermeiden wollte campte, mehr als 500 Zeltplätze gab es am Ende in der DDR, die größten mit bis zu 5000 Stellplätzen. Wer Glück hatte besaß einen Wohnzeltanhänger wie den „Klappfix“ oder das „Campifix“.</p>
<p>Die Stellplätze waren begehrt und mussten monatelang vorher bei der Zentralen Campingplatzvermittlung beantragt werden.</p>
<p>Selbst die sozialistischen Bruderländer konnte man als normaler DDR-Bürger nicht ohne Probleme bereisen, das fing schon bei den Devisen an. Auch die Freundesländer waren nicht scharf auf die DDR Währung. Zehntausende Bürger standen stundenlang an für Reiseanträge für Bulgarien, die CSSR oder Ungarn.  Bei Erfolg stopften sie ihre Trabbis mit Lebensmittel voll da offiziell nur ein Tageshöchstsatz umgetauscht werden durfte. In der CSSR lag der beispielsweise bei nur 30 Mark. Da fühlte sich der DDR Reisende als Urlauber zweiter Klasse, wenn er am Plattensee plötzlich auf einen Westdeutschen traf.</p>
<p>Und natürlich wollte man Fluchten vermeiden. 1968 richtete die DDR für Balkanreisen eine Ausweichstrecke durch die UdSSR ein. Man benötigte hierfür ein Transitvisum. Mit diesem 3 Tage Visum wurden die Grenzen der UdSSR für Individualtouristen durchlässig, was in einigen Fällen zu unerlaubten Ostreisen führte. Man musste bei der Beantragung der Einreise die genaue Fahrtroute sowie die einzelnen Tagesziele angeben. Es gab Gebiete, die aus militärischen Gründen für alle Ausländer gesperrt waren und man konnte man sich verfahren aber auch Pannen haben und festsitzen. Daher musste man sich jeweils am Tagesziel bei der Miliz melden, die über die Ankunft vorinformiert war. Geschah das nicht, wurde eine Suchaktion ausgelöst.</p>
<p>Ab 1973 waren Reisen nach Kuba möglich, sie waren sehr teuer und fast nur Kadern vorbehalten.</p>
<p>Der Großteil der Gruppenreisen erfolgte per Flugzeug, in Ausnahmefällen mit der Bahn (z.B. die Erlebnisreise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok). Die Flugreisen begannen und endeten stets am gleichen Flugplatz. Im Ausland traf man auf einen lokalen Dolmetscher, im Regelfall ein Agent des jeweiligen Geheimdienstes. Der aber nicht mit dem DDR Reiseleiter geheimdienstlich zusammenarbeitete.</p>
<p>Das Reisebüro der DDR war eigentlich eine Filiale der Stasi. Die meisten festangestellten Repräsentanten und Chefrepräsentanten des Reisebüros der DDR und auch die ehrenamtlichen Reiseleiter arbeiteten als IM oder Agenten des MfS. Die ehrenamtlichen bekamen die Reise bezahlt, musste aber für die Reisezeit ihren Urlaub verwenden. Ehefrauen mussten voll für die Reise zahlen. Gab es Pannen, für die der Reiseleiter verantwortlich gemacht wurde, musste er persönlich für den Schaden haften. Der GAU war ein Flüchtling bei einer Auslandsreise.</p>
<p>So ist es kein Wunder, dass die Reiseleiter ständig Druck auf die Reisenden ausübten. Immer schön alphabetisch geordnet Schlange stehen und keine unerwünschten Kontakte mit Ausländern.</p>
<p>Als 1989 die Massenproteste das DDR-System erschütterten, wollten viele neben mehr Demokratie auch etwas völlig Undenkbares: „Visafrei nach Hawaii!“ So wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache 1989 „Reisefreiheit“ zum Wort des Jahres.</p>
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		<title>Fluchten in der dunklen Jahreszeit</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/fluchten-in-der-dunklen-jahreszeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Dec 2022 09:52:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[blog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Glienicker Brücke. Quer über die Brückenmitte verläuft die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin bzw. die Stadtgrenze zu Potsdam. Während der Zeit der Deutschen Teilung erlangte die Glienicker Brücke weltweite Bekanntheit durch den am 11. Februar 1986 spektakulär inszenierten dritten und letzten Agentenaustausch. Die Berliner Mauer stand bei jedem Wetter da, doch manche Wetterlagen erleichterten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class=" wp-image-1121 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja--300x239.png" alt="Glienicker Brücke" width="581" height="463" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja--300x239.png 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja--1024x814.png 1024w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja--768x611.png 768w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/fpl6k2wwuasrja-.png 1200w" sizes="(max-width: 581px) 100vw, 581px" /></p>
<p style="text-align: center;"><em>Die Glienicker Brücke. Quer über die Brückenmitte verläuft die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin bzw. die Stadtgrenze zu Potsdam. Während der Zeit der Deutschen Teilung erlangte die Glienicker Brücke weltweite Bekanntheit durch den am 11. Februar 1986 spektakulär inszenierten dritten und letzten Agentenaustausch.</em></p>
<p>Die Berliner Mauer stand bei jedem Wetter da, doch manche Wetterlagen erleichterten die Flucht, wenn man sich entsprechend vorbereitete.</p>
<p>In der Nacht zum 21. November 1963 schwamm der 21-Jährige Hubert Hohlbein durch den Jungfernsee, unweit des Schlosses Cecilienhof. Nach 90 Minuten im eiskalten Wasser erreichte er das Westberliner Ufer, 200 m von der Glienicker Brücke.</p>
<p>Er lief zur Brücke, wo ihn West-Berliner Polizisten mit Decken wärmten und einen Krankenwagen riefen. Er hatte die Flucht gut überstanden.</p>
<p><img decoding="async" class=" wp-image-1117 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/tempxberlinbrueckegjpg100__v-gseapremiumxl-300x169.jpg" alt="" width="733" height="413" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/tempxberlinbrueckegjpg100__v-gseapremiumxl-300x169.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/tempxberlinbrueckegjpg100__v-gseapremiumxl.jpg 704w" sizes="(max-width: 733px) 100vw, 733px" /><br />
Schon vorher hatten zwei seiner Freunde diesen Fluchtweg dort erfolgreich benutzt. Die drei besorgten sich Tauchanzüge und trainierten heimlich in den Gewässern in und um Berlin zu schwimmen und unter Eis zu tauchen.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-1115 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/geteiltbrueckewdrdpagjpg100__v-gseapremiumxl-300x169.jpg" alt="" width="738" height="416" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/geteiltbrueckewdrdpagjpg100__v-gseapremiumxl-300x169.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/12/geteiltbrueckewdrdpagjpg100__v-gseapremiumxl.jpg 704w" sizes="(max-width: 738px) 100vw, 738px" /><br />
Hohlbein beschloss, anderen vom Westen aus bei der Flucht zu helfen. Im Oktober 1964 gelang es seiner Gruppe, 57 DDR-Bürgern durch einen Tunnel zur Flucht zu verhelfen. Unter ihnen war seine Mutter.<br />
In der DDR hatte man ihm ein Studium wegen seiner Herkunft als Unternehmersohn verweigert, er musste eine Lehre machen. Nun konnte er seinen Traum erfüllen und studieren.</p>
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		<title>Leben im Schatten der Mauer</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/leben-im-schatten-der-mauer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Oct 2022 13:10:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin Wall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Anfänge der Berliner Mauer. Oktober 1962 Der Verlauf der Berliner Mauer führte dazu, dass in West-Berlin viele Menschen unmittelbar an der Mauer lebten. Während in Ost-Berlin Häuser in unmittelbarer Grenznähe geräumt und abgerissen wurden, blieben die West-Berliner dort wohnen. Der Schock wich schnell Gewohnheit. Da die Grenze nach den Kehrgrenzen der Müllabfuhr festgelegt worden [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1070" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08.png" alt="" width="2058" height="1350" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08.png 2058w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08-300x197.png 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08-1024x672.png 1024w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-15.46.08-768x504.png 768w" sizes="(max-width: 2058px) 100vw, 2058px" /></p>
<p><em>Die Anfänge der Berliner Mauer. Oktober 1962</em></p>
<p>Der Verlauf der Berliner Mauer führte dazu, dass in West-Berlin viele Menschen unmittelbar an der Mauer lebten. Während in Ost-Berlin Häuser in unmittelbarer Grenznähe geräumt und abgerissen wurden, blieben die West-Berliner dort wohnen.</p>
<p>Der Schock wich schnell Gewohnheit. Da die Grenze nach den Kehrgrenzen der Müllabfuhr festgelegt worden war, gab es vor manchen Häusern nur einen schmalen Fußweg, der eigentlich schon zu Ost-Berlin gehörte. Denn die Mauer war fast nirgendwo die eigentliche Grenze, sie lag in der Regel 3 &#8211; 5 m weiter in Richtung West-Berlin.</p>
<p>Aber in der Regel wurde die Benutzung toleriert. Dafür war alles auf der DDR Seite entfernt worden, was den Flüchtlingen Sichtdeckung hätte geben können.</p>
<p><iframe loading="lazy" title="The Tunnel (1962) Full Documentary (escape under the Berlin Wall)" width="1140" height="855" src="https://www.youtube.com/embed/7E3T7eiSBsY?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Da der Todesstreifen ständig mit Mikrofonen kontrolliert wurde, sind in den ersten Jahren viele Tunnel von Fluchthelfern nach Ost-Berlin gegraben worden. Als Ausgangspunkt waren die Häuser direkt an der Grenze besonders geeignet gewesen.</p>
<p>Viele Tunnel wurden von Spitzeln verraten. Es gab in West-Berlin eine ganze Reihe SED Sympathisanten, andere taten es für Geld. Wer allerdings von den Hausbewohnern erwischt wurde, kassierte eine kräftige Tracht Prügel, bevor er den Behörden übergeben wurde.</p>
<p>Gelegentlich wurde die Ruhe durch Fluchtversuche unterbrochen. Immer wieder schlugen Kugeln in die Fassaden der West-Berliner Häuser ein. Manchmal landeten die Geschosse in Wohn- oder Schlafzimmern, wenn sie durch die Fenster schossen. Das konnte auch bei Unfällen geschehen, ich selbst habe als Passant erlebt, wie eine Kugel, nicht weit von mir, in eine Hauswand einschlug. Der Grenzer hatte die Waffe durchgeladen, fallen gelassen und der Schuss löste sich.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1072" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/54162.jpg" alt="" width="828" height="538" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/54162.jpg 828w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/54162-300x195.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/54162-768x499.jpg 768w" sizes="(max-width: 828px) 100vw, 828px" /></p>
<p>Das war allerdings an einem Stück der Mauer, wo die Straße beidseitig zu West-Berlin gehörte. Auch dort lebte man in ihrem Schatten. Die DDR-Grenzer beobachteten alle Vorgänge auf der Westseite und machten Fotos. Dabei wurde auch genau in die Wohnungen geguckt. Man fürchtete, dass westliche Geheimdienste sie als Stützpunkte verwenden könnten.<br />
Ein Teleskop auf einem Balkon löste hektische Betriebsamkeit aus. Das MfS schickte sogar Agenten aus, um zu prüfen, wer dort wohnte und was die Person damit im Schilde führte. Ein Hobbyastronom oder ein potentieller Grenzverletzer? Ein großer Teil der Hausbewohner in Mauernähe hatte Stasi-Akten. Besonders solche, die Verwandte in der DDR hatten.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1074" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37.png" alt="" width="2096" height="1384" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37.png 2096w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-300x198.png 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-1024x676.png 1024w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-768x507.png 768w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-1536x1014.png 1536w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/2022-10-28-16.06.37-2048x1352.png 2048w" sizes="(max-width: 2096px) 100vw, 2096px" /></p>
<p>Nicht wenige Menschen wohnten gerne in der Nähe der Mauer. Da die Grenze oft Straßen unterbrach, war das Gebiet dann wie eine verkehrsberuhigte Zone. Dazu waren diese Wohnlagen oft besonders preisgünstig. Die Beleuchtung und Bewachung der Grenzanlagen vermittelte manchem West-Berliner sogar ein Gefühl der Sicherheit. So war z.B. die Kleingartenkolonie “Freiheit an der Mauer” damals frei von Einbrüchen.</p>
<p>Mit dem Fall der Mauer 1989 änderte sich all das schnell.</p>
<p>Trotzdem sind die Menschen, die in ihrem Schatten lebten, selbstverständlich froh über den Mauerfall.</p>
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		<title>Volksgesundheit und Propaganda in Ost und West</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/volksgesundheit-und-propaganda-in-ost-und-west/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Oct 2022 13:59:47 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Epidemie]]></category>
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		<category><![CDATA[ost und west]]></category>
		<category><![CDATA[propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Wall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Berlin Seuchenschutz. Die Menschheit hat ein kurzes Gedächtnis. Es hilft den Menschen nicht in ständiger Furcht zu leben. Und je länger der letzte Fall zurückliegt, umso weniger ist uns die Gefahr bewusst.   Epidemien sind nichts Neues, Corona ist nur die letzte in einer ganzen Reihe von Massenerkrankungen die Deutschland heimsuchten.  Wer erinnert sich noch an [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1062 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/berlin-seuchenschutz.jpeg" alt="" width="424" height="688" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/berlin-seuchenschutz.jpeg 424w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2022/10/berlin-seuchenschutz-185x300.jpeg 185w" sizes="(max-width: 424px) 100vw, 424px" /></p>
<p style="text-align: center;">Berlin Seuchenschutz.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Menschheit hat ein kurzes Gedächtnis. Es hilft den Menschen nicht in ständiger Furcht zu leben. Und je länger der letzte Fall zurückliegt, umso weniger ist uns die Gefahr bewusst.  </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Epidemien sind nichts Neues, Corona ist nur die letzte in einer ganzen Reihe von Massenerkrankungen die Deutschland heimsuchten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wer erinnert sich noch an die Hongkong-Grippe Epidemie zwischen 1968 und  1970  bei der weltweit über eine Million Menschen starben? Allein in der Bundesrepublik waren es rund 40.000 Tote. Es hatte bereits einige Pandemien im 20. Jahrhundert gegeben.  </span><span style="font-weight: 400;">Während der Spanischen Grippe, nach dem Ersten Weltkrieg,  wurden die Bürger in westlichen Ländern ermahnt, zu Hause zu bleiben doch gehorchten nur wenige. Zur Zeit der Asiatischen Grippe und der Hongkong-Grippe beschränkte man sich darauf, die Krise durchzustehen, es gab keine generelle Ausgangssperre. Heute reagiert man viel sensibler. Die gestiegene Lebenserwartung mag einer der Gründe sein. . </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Pandemien sind also nichts neues, aber zwischen 1945 und 1989 gab es eine Besonderheit, Krankheiten und Vorsorge wurden zu Waffen im Arsenal der Propaganda in Ost und West. Ausbrüche im jeweils anderen Deutschland wurden in den Medien kommentiert, dabei wurde stets auf die jeweilige Staatsdoktrin als vermeintliche Ursache verwiesen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ende März 1962 gab es in der DDR einen Ausbruch der bakteriellen Ruhr. Spätestens Mitte der letzten Märzwoche wusste man, dass die Hauptstadt der DDR zum Schauplatz der ausgedehntesten Epidemie geworden war, die seit Kriegsende das Gebiet der DDR  heimgesucht hat.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das MfS wurde alarmiert, der Fahndungs &#8211; und Abwehrapparat des Ostberliner Seuchendezernats trat in Aktion. Das Ergebnis war politisch eine Katastrophe. Ursache war mit Ruhrbazillen verseuchte Butter, die in der vorletzten Märzwoche in vier Ostberliner Bezirken verkauft worden war.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Seuche breitete sich durch Kontaktinfektion explosionsartig aus. Schon am 1. April reichte die Kapazität der Ostberliner Krankenhäuser nicht mehr aus. Hilfskrankenhäuser mussten eingerichtet werden. Neben ausgebildetem Personal wurden Studenten und Volkspolizisten als Pfleger eingesetzt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Erst am 4. April, mehr als eine Woche nach dem Beginn der Krankheitswelle, brach die Regierung das Schweigen. Erst an diesem Tag gab die SED die Epidemie bekannt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am 8. April  wurde eine Ein- und Ausreisesperre für Berlin verhängt, mangels Kontrolle griff sie nicht und es war ohnehin zu spät. Große Teile der DDR waren nun betroffen. Die Zahl der Erkrankten stieg auf 75 000 an, erste Todesopfer waren zu beklagen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schulen und Kindergärten wollten die SED Funktionäre dennoch nicht schließen lassen.  Sie wollten den westlichen Propagandisten &#8211; wie der &#8220;Bild&#8221;-Zeitung, die schon 100 000 Kranke und 40 Tote entdeckt haben wollte &#8211; nicht noch mehr Vorwände liefern, sich für die Kampagne zu revanchieren, die man in Ostberlin anlässlich eines westdeutschen Pockenausbruchs entfacht hatte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein Teil der verseuchten Butter stammte aus der Sowjetunion, das wurde natürlich nicht zugegeben. Gestreute Gerüchte bezeichneten China als Ursprungsland. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Propagandamaschine lief an. In groß aufgemachten Artikeln wurde die vorbildliche Leistung der Ärzte im sozialistischen System bejubelt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Da die Zahl der Todesopfer gering blieb half den Durchfallgeplagten Berliner ihr Humor durch die Krise. Es kursierte der Witz: „Es wird alles besser: Ostberlin ist Ruhrgebiet.&#8221;</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der RIAS und andere Westberliner Medien konnten erstmals der Berliner Mauer etwas Positives abgewinnen. Sie hatte die Epidemie zuverlässig aus Westberlin herausgehalten. Und das obwohl sie 1962 noch nicht die späteren Dimensionen hatte. Im The Wall Museum kann man die damaligen Anlagen sehen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Krankheitsausbrüche  im Westen boten ausgezeichnete Ziele für die SED Propaganda. Zumal Bonn, aus dogmatischen Gründen, Hilfe ablehnte. Willi Stoph, stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates, bot 1961 der Bundesrepublik drei Millionen Impfdosen an &#8211; als humanitäre Geste für das von Polio heimgesuchte Ruhrgebiet, mit bereits 42 Toten war die Krise akut. Adenauer lehnte ab. Und die SED berichtete über das &#8220;Nein&#8221;. Das Bild war klar; hier gesunde Werktätige im sozialistischen Staat, dort gefährliche Seuchengebiete und hohe Krankheitszahlen im Kapitalismus.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Kurz vor dem Mauerbau warnte das DDR-Fernsehen vor eingeschleppten Krankheitserregern aus dem Westen. Reisenden aus dem Westen wurden sogar kostenlos Impfungen angeboten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Selbst arbeitete man meist mit Vertuschung. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">April 1963 zeigte ein Mann in Aschersleben Pockensymptome. Es war ein Afrikaner, der seit einem halben Jahr in der DDR lebte. Die Globalisierung, wie wir sie heute kennen, und damit die schnelle Erreichbarkeit aller Gebiete dieser Welt waren damals nicht bekannt, schon gar nicht in der abgeschotteten DDR.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In der Bundesrepublik hatte es lokale Ausbrüche und Todesfälle gegeben, nicht aber in der DDR. In  beiden Teilen Deutschlands galt die  Pockenimpfpflicht. Der Patient in Aschersleben wurde isoliert, sämtliche Kontaktpersonen ausfindig gemacht. 1.700 Menschen wurden vorsorglich geimpft. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In den SED Medien wurde die Aktion mit einem Windpockenausbruch begründet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine, eigentlich vorgeschriebene, Meldung an die Weltgesundheitsorganisation warteten die DDR-Experten bis zum Vorliegen der Laborergebnisse ab. Nach wenigen Tagen kam Entwarnung vom Labor, es war keine Pockeninfektion.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenige Monate später meldete eine Interflug Crew eine mögliche Pockeninfektion. Nach der Landung in Berlin-Schönefeld wurde eine  Frau sofort isoliert und in eine Klinik gebracht. Passagiere und Besatzung mussten im Flugzeug verharren. und später auf eine provisorische Isolierstation gebracht. Zum Glück war es falscher Alarm, es war eine starke Reaktion auf die Pockenschutzimpfung. Wieder gab es keine Medienberichte über die Hintergründe.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die MfS Berichte über den Vorfall zeigten schwere Mängel im Gesundheitssystem. Es fehlte ein spezielles Krankenhaus für Seuchenfälle und Isoliermöglichkeiten an den Flughäfen.  Geplant wurde ein Krankenhaus in Berlin-Buch. Es blieb beim Plan</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Glück hatte die DDR, als im Herbst 1965 im fränkischen Kulmbach Pocken ausbrachen. Eine Rentnerin aus der DDR kehrte heim, sie wurde umgehend erneut geimpft – wie auch sämtliche Kontaktpersonen in der DDR. Es gab keine Ansteckungen in der DDR.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">1972 gab es einen weiteren Pockenfall in der Bundesrepublik. Die DDR war alarmiert, die Staatssicherheit übernahm. Der verfügbare Impfstoff wurde kontrolliert. Bis zu 50.000 Dosen waren unmittelbar verfügbar, binnen 24 Stunden bis zu 1,4 Millionen Dosen. Die SED Führung wurde geimpft. Einreisende wurden intensiver kontrolliert. Und zusätzlich nahm die DDR Kontakt zu den Gesundheitsbehörden der Bundesrepublik auf. Die Quarantänemaßnahmen im Raum Hannover hatten gewirkt. Über 600 Menschen im Umfeld des erkrankten Gastarbeiters  wurden isoliert und 65.000 neu geimpft. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch die DDR handelte. Eine Frau aus Hannover war nach Rostock eingereist. Sie wurde als direkte Kontaktperson eingeschätzt und unter strengen Hausarrest gestellt. Dann übermittelten die Grenzer, dass auch ihr Ehemann eingereist war. Mitten auf der Strecke wurde der Zug nach Rostock gestoppt, doch die MfS Leute konnten den Gesuchten nicht ausfindig machen – die MfS Grenzer  hatten einen falschen Namen durchgegeben. Später fand man den Ehemann, auch er kam unter Hausarrest. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wieder erfolgte eine  Auswertung. Als nötig hatten sich importierte Impfpistolen erwiesen. Jedoch gab es davon je DDR-Bezirk nur eine und die waren laut Bericht &#8220;bereits zum Teil stark abgenutzt&#8221;. Ersatzteile waren rar, eine Eigenproduktion &#8220;bisher nicht gelungen&#8221;.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Um Pockenepidemien zu verhindern, blieb die DDR bei ihrer Zwangsimpfung, auch wenn es Impfschäden gab. Jährlich verzeichneten die Gesundheitsbehörden ein bis zwei Todesfälle und einige Fälle mit Gehirnentzündungen in Folge der Impfung. Dies sah man als vertretbar an. Der Fall des jugoslawischen Gastarbeiters blieb die letzte registrierte Pockenkrankheit im gesamten Deutschland. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">1979 verkündete die Weltgesundheitsorganisation das Ende der Pocken. Damit waren sie offiziell weltweit ausgerottet &#8211; ein großer Erfolg der modernen Medizin. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Volksgesundheit als Resultat der Überlegenheit des sozialistischen Systems &#8211; darum ging es der DDR beim Impfen. Es wurde die Losung ausgegeben: „Der Sozialismus ist die beste Prophylaxe&#8221;. Pflicht waren Impfungen gegen Pocken, Kinderlähmung, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Tuberkulose und ab den 1970er-Jahren auch gegen die Masern. . Bis zu ihrem 18. Lebensjahr bekamen Heranwachsende insgesamt 20 Schutzimpfungen &#8211; staatlich verordnet</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Zwangsstaat hatte seine Vorzüge, während im Westen 1960 noch Polio-Epidemien wüteten, war die zentral verwaltete DDR-Gesellschaft seit 1958 zu großen Teilen immunisiert gegen die Kinderlähmung.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch auch in der DDR gab es Impfmüdigkeit. Es gab spontane Krankmeldungen vor Impfterminen und Verweigerung der Spritzen durch skeptische Eltern. In einigen Regionen fiel die Impfrate unter 50%.  Die SED reagierte auf ihre Weise &#8211; mit Dauerimpfstellen und Massenimpfungen in Ferienlagern, Schulen und Betrieben. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ende der 1970er-Jahre geriet die DDR beim Impfen mehr und mehr ins Hintertreffen Zu viele Impftermine machten die Leute widerspenstig. Kombiimpfstoffe gab es nicht.  Epidemien, wie die besiegt geglaubten Masern, erreichten in den 1980er-Jahren wieder Ostberlin. Die DDR Impfstoffproduktion litt unter uralten Maschinen. Ampullen wurden mit  qualitativ immer schlechterem Gummi verschlossen. Allen Gesundheits- und Impfprogrammen zum Trotz war die Lebenserwartung im Osten 1989 um fast drei Jahre niedriger als im Westen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch bis heute hält sich die Legende vom vorbildlichen DDR Impf- und Gesundheitssystem. Damals, so meint man,  hätte es keine Knappheit an Schutzmasken geben können. Dabei fehlte es in der Intensivmedizin schon im normalen Betrieb an modernen Geräten. </span></p>
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		<title>Russlands Bild in Ost und West</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2020 08:50:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem 18. Jahrhundert leben Russen in Berlin. Ihre Zahl stieg im 20. Jahrhundert enorm, die russische Revolution brachte tausende weißrussische Flüchtlinge in die Stadt.  Das Kriegsende  1945 brachte enorme Umbrüche für Deutschland und den Rest der Welt. Die Teilung Deutschlands  in eine sowjetische Einflusszone und drei westalliierte Zonen war bedeutsamer, als man zunächst annehmen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_787" style="width: 460px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-787" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-787" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue.jpg" alt="" width="450" height="603" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue.jpg 775w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue-224x300.jpg 224w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue-765x1024.jpg 765w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-sowj_ehrenmal_tiergarten_statue-768x1029.jpg 768w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /><p id="caption-attachment-787" class="wp-caption-text">Die Bronzestatue des sowjetischen Soldaten im Tiergarten von Lew Kerbel. Das Denkmal soll an die gefallenen Rotarmisten gedenken.</p></div>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Seit dem 18. Jahrhundert leben Russen in Berlin. Ihre Zahl stieg im 20. Jahrhundert enorm, die russische Revolution brachte tausende weißrussische Flüchtlinge in die Stadt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das Kriegsende  1945 brachte enorme Umbrüche für Deutschland und den Rest der Welt. Die Teilung Deutschlands  in eine sowjetische Einflusszone und drei westalliierte Zonen war bedeutsamer, als man zunächst annehmen konnte. Historisch war die Besetzung eines besiegten Feinds nichts Neues. Doch nur die Sowjetunion hatte feststehende politische Pläne für ihre Besatzungszone. Stalin und die kommunistische Partei der Sowjetunion hatten schon vor dem Krieg deutsche Kommunisten aufgenommen und im Krieg wurden Exilanten auf die Bildung einer sozialistischen Regierung in Deutschland vorbereitet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> Zu den langfristigen Voraussetzungen für das Bleiben der Roten Armee gehörte es den Deutschen die Russen als Freunde darzustellen. Doch das war ausgesprochen schwierig. Die Exzesse die Angehörige der Armee in Deutschland begingen trübten das Bild nachhaltig. Allein in Berlin gehen die niedrigsten Schätzungen von 100.000 Vergewaltigungsopfern aus, andere Autoren nennen bis zu 800.000. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In der Sowjetzone war das Thema tabu, als evangelische Kirchenvertreter  die offizielle Aussetzung des Abtreibungsverbots im § 218 auszusetzen wurde das abgelehnt. Es sei unmöglich, dass man Angehörigen der Roten Armee derartige Verbrechen unterstelle. Im Westen funktionierte dieser Maulkorbbefehl natürlich nicht. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die Taten waren nicht zu leugnen. Stattdessen begann eine intensive Propaganda, die Rotarmisten seien als Freunde und Befreier gekommen. Stalins Propagandamaschine war durchaus erfolgreich, sie verminderte die Leistungen der Westalliierten und betonte die Rolle Russlands bei der Niederwerfung des Nationalsozialismus. Der Begriff “Freunde“ wurde bald synonym für Sowjetbürger verwendet. Die Bevölkerung benutzte den Begriff aber oft mit einem kritischen Unterton. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Von den Sowjetmenschen lernen heißt siegen lernen“ war ein Slogan der auf Plakaten und im Radio verbreitet wurde. Die Sowjetunion sei das fortschrittlichste Land der Welt. Im Oktober 1957 lieferte man den scheinbaren Beweis, mit dem Sputnik ging die Sowjetunion bei der Weltraumforschung in Führung. Und im April 1961 war Juri Gagarin der erste Mensch im All. Der Westen, besonders die USA, erlitt einen Schock. In der DDR lobte man den Sozialismus als vermeintliche Basis des Erfolgs. Niemand erwähnte die 1945 nach Russland verschleppten deutschen Wissenschaftler. Die USA hatte Prominente wie von Braun eingesammelt, die Rote Armee aber die unbekannten Macher die die Ideen umsetzten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Der Kalte Krieg fand auch in den Wissenschaften statt. 1960 erschien in der Bundesrepublik Werner Kellers Buch: Ost minus West = Null. In ihm schilderte er den westeuropäischen Einfluss auf Kunst und Wissenschaft vom 15. Jahrhundert bis zu seiner Gegenwart. Er nennt zahlreiche Fremde die in der sowjetischen Geschichte zu Russen wurde, lange vor Peter dem Großen gab es den westlichen Einfluss. Auf den Besitz des Buchs stand in Ostberlin Haft. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Unangenehme Fragen konnte man mit Hinweis auf die deutsche NS Schuld abwehren. Reparationsleistungen und Verschleppungen wurden als Folge des NS Staats erklärt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Russland wurde auch als kulturelles Vorbild dargestellt. Man sorgte für die Verbreitung sowjetischer Literatur und hoffte so die Bevölkerung leichter zu gewinnen. </span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Am 30. Juni 1947 wurde die  </span><i><span style="font-weight: 400;">Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion</span></i><span style="font-weight: 400;"> gegründet. Rund zwei Jahre war sie tätig, dann ging sie in der am 2. Juli 1949 gegründeten </span><i><span style="font-weight: 400;">Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft</span></i><span style="font-weight: 400;"> (DSF) auf. </span></span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Der Russischunterricht in den Schulen war obligatorisch und zusammen mit der FDJ förderte die Organisation Brieffreundschaften zwischen deutschen und sowjetischen Kindern und Jugendlichen. Tausende Kinder wurden in die Sowjetunion in Ferienlager gebracht. Die DSF organisierte in jedem Mai eine DDR-weite Woche der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Nimmt man die reinen Mitgliederzahlen, dann war die DSF ein voller Erfolg. Die Mitgliederzahl stieg immer weiter, so von 3,5 Millionen 1970 auf 6,4 Millionen im Jahr 1988. Doch war die Mitgliedschaft nicht wirklich freiwillig. Wer in der DDR keine Nachteile riskieren wollte musste irgendeiner SED nahen Organisation beitreten. Und die einfachste Lösung war der Beitritt zur DSF. Eine Weigerung zum Eintritt in die DSF wurde von Partei- und Gewerkschaftsfunktionären sowie Lehrern und staatlichen Leitern hinterfragt. Die betroffene Person musste die Ablehnung schriftlich begründen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Sie führte zwar nicht automatisch zu direkten Problemen für den betreffenden DDR-Bürger, doch wer Karriere machen wollte musste Mitglied in irgendeiner Organisation sein. Wollte eine Brigade aus Arbeitern oder Bauern im sozialistischen Wettbewerb eine Auszeichnung erringen, war eine Mitgliedschaft aller in der DSF eine Grundbedingung. Der Gruppendruck war entsprechend hoch. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In der Praxis waren viele Mitglieder nur passiv und haben nie eine Veranstaltung der DSF besucht. Die Mitgliedschaft reichte schon um die „gesellschaftliche Aktivität“ auf Mindestniveau nachzuweisen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Auch in West-Berlin war die DSF ganz offiziell als </span><i><span style="font-weight: 400;">Deutsch-Sowjetische Freundschaftsgesellschaft </span></i><span style="font-weight: 400;">tätig.</span> <span style="font-weight: 400;">Sie betrieb bis 1990 am Kurfürstendamm die</span> <span style="font-weight: 400;">Majakowski-Galerie. Aufgrund des Viermächte-Status war sie eine zulässige Organisation, auch wenn sie als verfassungsfeindlich eingestuft wurde.</span></span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In der Bundesrepublik wurden DSF Ableger gegründet doch sie wurden in den meisten Bundesländern verboten. Da auch die KPD dort  ab dem 17. August 1956 verboten war konnte das nicht verwundern.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Mit Glasnost wurde die DSF zu einer Organisation die für die SED äußerst problematisch war. Neue Mitglieder waren besonders am politischen Tauwetter in Russland interessiert. Dies aber wurde von der DDR-Partei- und Staatsführung unverhohlen abgelehnt. Die Oktoberausgabe 1988 der sowjetischen Zeitschrift Sputnik löste sogar ein Verbot der Zeitschrift in der DDR aus. Die in ihr erfolgte Kritik an Stalins Pakt mit Hitler schien der SED untragbar. Erst im November 1989 erschien nach dem Mauerfall eine Sonderausgabe, sie brachte die verbotenen Artikel seit Oktober 88, </span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Die DSF Offiziellen hatten Anweisung zwar zu informieren,</span> <span style="font-weight: 400;">aber jede Stellungnahme oder gar Diskussion über die Verhältnisse in der DDR zu vermeiden. Doch nicht alle DSF Funktionäre hielten sich daran.</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Am 16. November 1989 trat der DSF Präsident Erich Mückenberger zurück, am 29. folgte das Sekretariat. Erstmals in der Geschichte der Gesellschaft für DSF wurde für Januar 1990 ein außerordentlicher Kongress in Schwerin einberufen. Doch die DSF als Massenorganisation war tot. </span><span style="font-weight: 400;"> </span><span style="font-weight: 400;">Die von der Gesellschaft genutzten „Häuser der Freundschaft“ wurden an die Länder und Kommunen übergeben, die Zahl der Mitglieder sank bis November 1991 auf 20.000</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">In Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überlebte die DSF als eingetragener Verein auf föderativer Basis.</span> <span style="font-weight: 400;">Am 28. März 1992 erfolgte die Namensänderung der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft in „Brücken nach dem Osten“ – Föderation von Gesellschaften für Völkerverständigung e. V. Diese wurde am 31. Dezember 1992 aufgelöst</span></span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;"><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter wp-image-789" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2020/03/russlands-bild-in-ost-und-west-120px-sowjetisches_ehrenmal_berlin-tiergarten_totale.jpg" alt="" width="240" height="180" /></span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Neben der DSF waren zahlreiche Organisationen Teil der Propagandamaschine. Besonders natürlich die Schulen und Universitäten in der DDR. Die Deutsch-Russischen Beziehungen über die Jahrhunderte wurden ganz im Sinne der sozialistischen Geschichtsschreibung parteiisch dargestellt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Und bestimmte Themen waren tabu oder es wurde einfach gelogen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Der im April / Mai 1940 von NKWD Angehörigen bei Katyn begangene Massenmord an rund 4400 gefangenen Polen und weitere Morde an bis zu 21.000 polnischen Offizieren und Intellektuellen, wurde im Sommer 42  durch die Auffindung der Massengräber bekannt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Da das unter Nazikontrolle erfolgte konnte die Sowjetunion ihre Verantwortung leugnen. An dieser Darstellung hielt sie bis 1990 fest. Es war der Initiator des Berliner The Wall Museum, Michail Gorbatschow, der am 13.April 1990 die Verantwortung der Sowjetunion eingestand. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Doch noch lebende  Täter wurden nicht strafverfolgt. Opferangehörige klagten in Russland erfolglos auf Einsicht in die Ermittlungsakten, behördliche Auskunft über die Todesumstände der Opfer, deren juristische Rehabilitierung und Entschädigungen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In der DDR waren Katyn und die andere Morde des NKWD natürlich von den Nazis begangene Verbrechen und die westliche Darstellung sei ein Zeichen für die Macht der “Neofaschisten“ in der Bundesrepublik. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Obwohl im Westen im allgemeinen von der sowjetischen Täterschaft ausgegangen wurde waren Historiker, die das erwähnten, immer in Gefahr in die rechte Ecke gestellt zu werden.  Denn Holocaustleugner benutzten die sowjetische Katyn Leugnung als Material für ihre kruden Theorien. In einigen Fällen haben bundesdeutsche Staatsanwälte vor 1989 wegen Katyn Ermittlungsverfahren eigeleitet, nicht wegen der sowjetischen Leugnung sondern wegen möglicher Leugnung von NS-Verbrechen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die DDR Propaganda zeigte Russland als ewiges Opfer deutscher Aggression.  Sergei Eisensteins monumentaler Film Alexander Newski von 1938 bestimmt bis heute die Wahrnehmung der Frühzeit der Deutsch-Russischen Kontakte. Das Newski und die Nowgoroder Bojaren um 1240 in Estland und Livland dieselben Ziele wie der Deutsche Orden hatten wird nicht erwähnt. Der vermeintlich mächtige Orden hatte zur Schlacht auf dem Peipussee zwischen 50 und 100 Ordensritter entsandt. Die Masse waren etwa 700 dänische und deutsche Ritter und 1.000 Esten. Sie  verfolgten Newskis Heer über den zugefrorenen See um den Rus die Beute ihres Kriegszugs nach Estland und Livland wieder abzunehmen. Die Nowgoroder Chronik der Rus spricht von 400 toten und 50 gefangenen “Nemtsy“, was damals Deutsche und Dänen meinte. Die deutsche Livländische Reimchronik nennt 20 tote und 6 gefangene Ritterbrüder. Newski hatte keineswegs das Land der Rus gerettet, vielmehr musste er sich zu dieser Zeit der Goldenen Horde unterwerfen die die Stadtstaaten zerstört hatte. Es sollte über 200 Jahre dauern bis die Rus wieder eine Rolle spielten. Erst Iwan I. machte Moskau zur nennenswerten  Macht. 1494 wurden in Livland russische Kaufleute ermordet, als Reaktion wurde wieder einmal der Petershof in Nowgorod geplündert und die Hansehändler eingekerkert. Doch diesmal kehrten die deutschen Händler nicht zurück. Polen und die skandinavischen Länder dominierten die Region bis ins 17. Jahrhundert.. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die sowjetische Führung hat dafür gesorgt, dass praktisch jede Stadt in der DDR ein sowjetisches Ehrenmal für den 2. Weltkrieg hatte. Oft mit einem Soldatenfriedhof kombiniert. In Berlin wurden vier angelegt.  Die Hauptanlage liegt im Treptower Park, weitere in der Schönholzer Heide in Pankow, im Bucher Schlosspark und in Tiergarten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das letztere Ehrenmal lag im britischen Sektor Westberlins. Der Viermächtestatus erlaubte der Roten Armee dort Ehrenwachen zu postieren. Nach dem Mauerbau 1961 wurde es durch die britische Besatzungsmacht abgeriegelt, doch bis zum 22. Dezember 1990 blieben die Wachen. Dann ging das Ehrenmal an das Land Berlin über. Deutschland ist vertraglich verpflichtet die Kriegsgräberstätten zu erhalten. 2014 erfolgte die letzte größere Renovierung, eine dazu befragte Historikerin hatte die Farbe der Sterne auf den Panzern mit weiß angegeben, der Irrtum fiel erst nach Fertigstellung auf. Russische Proteste führten zur Änderung in das korrekte Rot. Dagegen sind reine Denkmale oft verschwunden, so der T-34 Panzer am Grenzübergang Dreilinden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Eher wenige Touristen besuchen die sowjetischen Ehrenmale heute. Aber der Treptower Park ist eine beliebte Erholungsstätte der Berliner. Er liegt direkt an der Spree, nur wenige Kilometer von der Eastside Gallery und dem The Wall Museum entfernt. Da die vier Ehrenmale auch Friedhöfe sind ist ihr Bestand gesichert. Doch es gibt Proteste gegen sie und immer wieder auch Anschläge.  Das Deutsch-Russische Museum in Karlshorst hat eine Dauerausstellung zum Krieg 1941-45. Sie ging aus dem Museum der sowjetischen Streitkräfte hervor. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Heute ist Berlin wohl die deutsche Stadt mit den stärksten russischen Einflüssen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur ist heute die offizielle Kulturvertretung der russischen Föderation. An der Französischen Straße gelegen hat es einen Konzertsaal mit rund 500 Sitzplätzen, ein Kino mit 200, vier Ausstellungsräume und einen Musiksalon. Es hat jährlich rund 200.000 Besucher. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Viele russische Künstler stellen in Berliner Galerien aus. Dazu gibt es zahlreiche russische Geschäfte die Lebensmittel, nicht nur für die vielen russischen Emigranten, anbieten. Und Restaurants mit russischen Spezialitäten. Deutsch-Russische Schulen und Kindergärten bieten eine zweisprachige Erziehung. Und nicht zu übersehen sind die orthodoxen Kirchen in der Stadt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Seit der Perestroika und Gorbatschow ist das Bild Russlands in ganz Deutschland deutlich positiver geworden. Doch Putin hat das Bild wieder verschlechtert. Das erneute Machtstreben Russlands wird von vielen kritisch gesehen. Ein Berliner Mord an einem Georgier 2019 wird von den Medien dem russischen Geheimdienst zugerechnet.</span></p>
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		<title>Die DDR entdeckt Preußen</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Mar 2020 14:50:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Staat Preußen hörte 1945 auf zu bestehen. Formal bestand er aber noch bis zu seiner förmlichen Auflösung durch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947.  In ihm steht:  „Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von [&#8230;]</p>
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<p>Der Staat Preußen hörte 1945 auf zu bestehen. Formal bestand er aber noch bis zu seiner förmlichen Auflösung durch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947.<span class="Apple-converted-space">  </span>In ihm steht:<span class="Apple-converted-space">  </span>„Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von dem Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit der Völker und erfüllt von dem Wunsche, die weitere Wiederherstellung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Grundlage zu sichern, erlässt der Kontrollrat das folgende Gesetz:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p style="padding-left: 40px;"><em>Artikel 1</em><span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p style="padding-left: 40px;"><em>&#8220;Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst.“<span class="Apple-converted-space"> </span></em></p>
<p>Damit war das Thema Preußen eigentlich erledigt. Doch Preußen war weit mehr als ein Staatsgebilde, es wurde auch mit Ideen assoziiert. So wie die im o.g. Gesetz erwähnten Stereotypen Militarismus und Reaktion waren auch die positiven “Preußischen Tugenden“ oft nur Phrasen. Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Fleiß und Toleranz gab es in Preußen. Doch eigentlich waren sie calvinistische Tugenden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der real existierende Sozialismus hatte ein ganz praktisches Problem, sein Territorium war mit der Keimzelle des Brandenburg-Preußischen Staates identisch. Potsdam und Berlin waren da und man musste mit dem historischen Erbe irgendwie umgehen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Für die junge DDR war Preußen ein Feindbild. Preußisch klingende Begriffe wurden vermieden, es ging so weit, dass aus dem Bismarckhering in den HO Verkaufsstellen der Delihering wurde. Nur waren, aufgrund der Lebensmittelknappheit, meist weder Bismarck- noch Delihering in den Geschäften, das gab den Kunden genug Stoff für Flüsterwitze .<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Auch der Westen hatte seine Probleme mit der Geschichte. In manchen Fällen arbeiteten Ost und West zusammen. Das Brandenburger Tor wurde 1956 als das einzig erhaltene Berliner Stadttor restauriert, auch wenn es für die DDR ein preußisches Symbol war. Die Quadriga konnte nur aufgrund eines Gipsabgusses von 1942 vollständig neugeschaffen werden. Die Herstellung erfolgte im Westberliner Friedenau bei der Gießerei Hermann Noack. Am 14. Dezember 1958 war die Quadriga fertig, die oft erzählte Geschichte, dass die DDR sie zunächst absichtlich in falscher Fahrtrichtung aufstellte ist eine Legende. Wahr ist, die Quadriga wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1958 heimlich in den Neuen Marstall gebracht. Dort wurden<span class="Apple-converted-space">  </span>der Preußenadler und<span class="Apple-converted-space">  </span>das Eiserne Kreuz entfernt. Die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung erklärte dazu: „ Die „Embleme des preußisch-deutschen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Militarismus">Militarismus</a>“ dürften nicht mehr zur Aufstellung gelangen. Nach<span class="Apple-converted-space">  </span>dem Mauerbau 1961 wurde<span class="Apple-converted-space">  </span>nichts für den Erhalt der Quadriga getan und etliche Teile aus Stahl waren 1990 durchgerostet, andere von Souvenirjägern gestohlen. Die Restaurierung nach dem Mauerfall war vollständig, Adler und Eisernes Kreuz wurden wieder angebracht, so sehen Berlinbesucher heute die alte Fassung.</p>
<p>Aber das Tor war nur der westliche Endpunkt der Linden. Eine Straße voll mit preußischen Symbolbauten. Das Stadtschloss sprengte man um einen Aufmarschplatz zu schaffen. Doch andere Bauten adoptierte man, sie wurden Teil der DDR Identität.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Neue Wache ist ein typisches<span class="Apple-converted-space">  </span>Bespiel für das seltsame DDR Geschichtsbild. Das altpreußische Militärzeremoniell der Wachablösung fand dort seit 1818 statt. Bis 1955 wurde das Gebäude wiederhergestellt. 1960 und 1969 erfolgten Umbauten im Inneren, die es zu einem Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus umwidmeten. Von 1962 an standen dort als Ehrenwache zwei bewaffnete Soldaten des Wachregiments Friedrich Engels<span class="Apple-converted-space">  </span>die stündlich im Kleinen Wachaufzug abgelöst wurden. Und um 14.30 gab es Mittwochs und Samstags den Großen Wachaufzug.<span class="Apple-converted-space">  </span>Militärmusik und Soldaten im Stechschritt. Diese sehr preußisch wirkende Veranstaltung<span class="Apple-converted-space">  </span>war bis zum Ende der DDR ein Touristenmagnet.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Doch allgemein war in<span class="Apple-converted-space">  </span>der Ulbricht-Ära<span class="Apple-converted-space">  </span>Preußen ganz offiziell an allen Fehlentwicklungen in Deutschland schuld. Preußen und NS-Staat wurden fast synonym verwendet. Dieser simplen Schlussfolgerung folgend wurden Schlösser vernichtet, Herrenhäuser gesprengt, Denkmäler abgerissen, Straßen und Städte umbenannt, Bücher auf den Index gesetzt.</p>
<p>Doch es gab Ausnahmen, so wurde 1966 der höchste Militärorden der Nationalen Volksarmee<span class="Apple-converted-space">  </span>nach dem General Gerhard von Scharnhorst benannt. Man sah ihn als Reformer der für die Tradition des “Volksheeres“ stand.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die DDR entwickelte militärische Traditionen die, bewusst oder unbewusst, preußische Traditionen imitierten. Die großen Militärparaden in Ost-Berlin erinnerten sehr an die der Kaiserzeit, aber auch an die des NS-Staates. So mancher war irritiert, da halfen auch<span class="Apple-converted-space">  </span>Verweise auf Clausewitz-Zitate in den Werken Lenins nicht. Die Ähnlichkeit der NVA Uniformen zu denen der Vorgänger war ein weiterer Punkt. Schnitt und Trageweise war durchaus “militaristisch“. Weniger Preußisch als Nationalsozialistisch. In der DDR Armee überlebte sogar der Stechschritt, den die Bundeswehr ihren &#8220;Bürgern in Uniform&#8221; nicht mehr zumuten konnte oder wollte. Allerdings war es die leicht abweichend russisch-sowjetische Form.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Im The Wall Museum wird der aufmerksame Betrachter der Filmdokumente und der Realstücke diese Verbindung sofort bemerken. Aber auch die Sprache der Propagandafilme ist entlarvend, Formulierungen wie: „kriegt die Kugel&#8230;“ könnten aus dem NS Staat stammen. Aber nicht aus dem Preußen vor 1918.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenig bekannt ist, dass der im Museum in den Filmen und als Original zu sehende “typische“ NVA Stahlhelm als Reichspatent Nr. 706647<span class="Apple-converted-space">  </span>1943 für die Wehrmacht entwickelt worden war. 1945 war nur eine geringe Zahl an die Truppe ausgegeben. Der DDR M/56 Helm<span class="Apple-converted-space">  </span>hatte nur eine leicht andere Unterkante. Hin und wieder haben “Revanchisten“ aus dem kapitalistischen Westen boshaft auf die NS Herkunft hingewiesen. In der Bundeswehr sollte der Gefechtshelm keinesfalls auf NS Konstruktionen beruhen. Und auch die Uniform war vom Schnitt her<span class="Apple-converted-space">  </span>betont “unmilitärisch“ entworfen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Besonders die Befreiungskriege hatten es der SED Führung angetan. Es gab eine Jagdfliegerstaffel &#8220;Adolf von Lützow&#8221; und ein Hubschraubergeschwader &#8220;Ferdinand von Schill&#8221;. Man erklärte Schill und Lützow als Träger des Volkskriegs, als Vorläufer der NVA. Das sie auch im NS Staat heroisiert wurden blendete man einfach aus.</p>
<p>1972 erschien Friedrich II. erstmals in einer Defa<span class="Apple-converted-space">  </span>Filmproduktion. Der Film “Die gestohlene Schlacht“ zeigt ihn als feudalen Herrscher der auf das Leben der kleinen Leute keine Rücksicht nimmt. Die DDR Filmkritik beschrieb ihn als satirische Überzeichnung. Manfred Krug erhielt für seine Darstellung des Gegenspielers Käsebier den Nationalpreis II. Klasse.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit Erich Honecker begann ein bedeutsamer<span class="Apple-converted-space">  </span>Wandel. Seine Propagandamaschine verbreitete die Theorie von einer “eigenständigen sozialistischen Nation DDR“<span class="Apple-converted-space">  </span>die sich im Gegensatz zur“ imperialistischen Nation“ Bundesrepublik entwickele. Um dies halbwegs plausibel zu machen suchte man eine historische Legitimierung. Und zur Überraschung der Öffentlichkeit in West und Ost setzte man bei Preußen an. Die Geschichtswissenschaft der DDR war immer von der Staatsdoktrin geleitet, so war klar, eine Veröffentlichung spiegelte stets die Meinung der SED Leitung wieder.<span class="Apple-converted-space">  </span>Schon 1976 gab es eine 5 Mark Gedenkmünze für den Freikorpsführer von Schill. Ein weiterer Schritt auf<span class="Apple-converted-space">  </span>eine sozialistische Legende um Preußen zu.</p>
<p>1979 gab es einen Paukenschlag. Die Biographie Friedrichs des Großen der Ostberliner Historikerin Ingrid Mitten setzte neue Maßstäbe. Man dürfe die<span class="Apple-converted-space">  </span>positiv-progressiven Momente der Preußischen Geschichte nicht missachten oder negieren. Nur neun Jahre vorher war in der Preußischen Geschichte der zwei DDR-Historiker Günter Vogler und Klaus Vetter immer wieder vom Militärdespotismus die Rede. Preußen sei der Vorläufer des Nationalsozialismus.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Führungsetage des DDR-Fernsehens hatte beschlossen, anlässlich des 200. Geburtstags von Clausewitz einen Fernsehfilm zu drehen, der sich mit fortschrittlichen Tendenzen in der Geschichte Preußens und damit auch mit dem Wirken des Militärreformers Clausewitz befasste. Patriotismus und Vaterland waren Themen die die SED schätzte. “Clausewitz<span class="Apple-converted-space">  </span>&#8211; Lebensbild eines preußischen Generals“<span class="Apple-converted-space">  </span>lief zur besten Sendezeit. Von einer Schuld Preußens an den Verbrechen des NS Staates war keine Rede mehr.</p>
<p>Und der Wandel ging weiter, 1980 wurde das Reiterdenkmal Friedrichs des Großen wieder am traditionellen Ort Unter den Linden aufgestellt. Dort können Touristen es seitdem besichtigen. Seit 1947 war Friedrich II.<span class="Apple-converted-space">  </span>das Symbol des kriegslüsternen Preußen, nun war er plötzlich eine historische Bezugsgröße für den Arbeiter- und Bauernstaat.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Offiziell hieß der König in der DDR zunächst weiterhin nur Friedrich II., der Zusatz “ der Große“ wurde nicht verwendet. Doch nachdem Erich Honecker ihn 1986 im Interview mit einer schwedischen Tageszeitung, wohl eher versehentlich, so titulierte war er auch in der DDR wieder Friedrich der Große. .</p>
<p>Und weitere Preußen wurden sozialistisch,<span class="Apple-converted-space">  </span>Blücher und Gneisenau kehrten zurück, ihre Denkmale wurden wieder aufgestellt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>1985 erschien<span class="Apple-converted-space">  </span>die zweibändige Bismarckbiographie des renommierten Historikers Ernst Engelberg. Das Werk <span class="Apple-converted-space">  </span>ging manchem altgedientem SED-Funktionär zu weit. Bismarck, bisher stets als Todfeind der Arbeiterklasse, Kriegshetzer und reaktionärer Junker apostrophiert, war nun ein Mann der “ einfallsreichen und klug abwägenden, ebenso phantasievollen wie raffinierten Politik“. Ein Bismarck als Teil der DDR Traditionspflege?</p>
<p>Doch die oberste SED Führung meinte es ernst, 1986 tauchte beim Prinzen von Preußen der ehemalige Kulturminister der DDR, Hans Bentzien, auf. Bei seinem Besuch auf der Burg Hohenzollern sprach der Vertreter der SED ihn mit „Kaiserliche Hoheit“ an. Ein Titel der eindeutig nicht mehr galt und für einen Sozialisten eigentlich ein Unding war. Geschickt wurde er von Honecker. Die Idee der SED war seltsam, die Särge Friedrichs des Großen und seines Vaters, Friedrichs Wilhelms I., die sich nach der Auslagerung im Krieg seit 1952 auf der Burg Hohenzollern befanden, könne man doch nach Sanssouci bei Potsdam, also in die DDR, überführen. Das entspräche dem letzten Willen Friedrichs des Großen.</p>
<p>Der Prinz stand der Idee durchaus positiv gegenüber, er hatte aber eine kleine Vorbedingung: Zunächst müsse die Mauer fallen. Wohl keiner der beiden Gesprächspartner erwartete den Mauerfall nur drei Jahre später. Heute sind die Särge wieder in Sanssouci.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>1985/87 wurde die sechsteilige<span class="Apple-converted-space">  </span>DDR Fernsehserie “Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ ein Straßenfeger. Die Ausstattungsqualität und die Zahl der Darsteller übertrafen alle bisherigen DEFA-Filme. 21 Millionen DDR Mark ergaben ein großartiges Bild des 18. Jahrhunderts. Diverse kleine historische Ungenauigkeiten verschwinden vor den bunten Bildern. Auch im Westen war die Serie sehr beliebt.</p>
<p>Bei den Feierorgien zum 750-Jahr-Jubiläum der Stadt Berlin wurde das neue Preußenbild der DDR schon absurd. Nun musste alles, was Berlin, und damit untrennbar verbunden auch Preußen, einst repräsentierte, in rosigem Lichte betrachtet werden. Die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria<span class="Apple-converted-space">  </span>z.B. wurde dabei von einer Vertreterin der Reaktion zu einer “sehr gütigen und frommen Dame“. Eine Aussage die, bei der erklärt atheistischen SED, schon seltsam klingt.</p>
<p>Auf dem Gendarmenmarkt, damals noch Platz der Akademie, führten Musiker der NVA und der Grenztruppen am 22. August 1987 ein historisches Militärkonzert auf. Musiker in Uniformen der Zeit Friedrich des II. und der Befreiungskriege spielten altpreußische Märsche, sie zogen dabei einen Bogen zu den NVA und sowjetischen Märschen. Die DVD des Konzerts ist bis heute ein Verkaufsschlager bei Touristen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall und über 70 Jahre nach dem juristischen<span class="Apple-converted-space">  </span>Ende Preußens ist das Thema aktuell. In Potsdam wird<span class="Apple-converted-space">  </span>das Thema Wiederaufbau<span class="Apple-converted-space">  </span>der von der DDR gesprengten der Garnisonkirche heiß diskutiert. Das Tourismuskonzept der Landesregierung betont das Potenzial Preußens als Touristenmagnet. Die Gegner bringen das alte Klischee der Linie Preußen – Militarismus – Hitler in immer neuen Variationen vor.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Befürworter haben ein unbestreitbares Argument, ohne das preußische Erbe würde kaum ein Tourist Potsdam besuchen. Und in der alten Mitte Berlins ist es ähnlich. Das Zeughaus / Deutsches Historisches Museum, die Museumsinsel, die Oper und das Brandenburger Tor ziehen die Touristen an. Mit dem Aufbau der Fassaden des Stadtschlosses wird eine der Fehlleistungen der SED korrigiert. Ein Weg den schon die Partei selbst mit der Übernahme der preußischen Geschichte<span class="Apple-converted-space">  </span>eingeleitet hatte.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
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		<title>Punk in der DDR</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/punk-in-der-ddr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[the_wall_museum]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Nov 2019 12:03:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In der DDR sollte die Jugend stets brav, sozialistisch, sauber und linientreu sein. Und lange gelang es der DDR Führung dieses Bild aufrecht zu erhalten. Doch immer gab es Abweichler, junge Menschen die sich der Gleichschaltung entzogen. In der zweiten Hälfte der 70er Jahre war  in den westlichen Ländern die Punkbewegung entstanden. Ob er seinen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><span class="s1"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-641 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/11/punk-ddr.jpg" alt="" width="1000" height="667" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/11/punk-ddr.jpg 1000w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/11/punk-ddr-300x200.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/11/punk-ddr-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></span></p>
<p class="p1"><span class="s1">In der DDR sollte die Jugend stets brav, sozialistisch, sauber und linientreu sein. Und lange gelang es der DDR Führung dieses Bild aufrecht zu erhalten. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Doch immer gab es Abweichler, junge Menschen die sich der Gleichschaltung entzogen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">In der zweiten Hälfte der 70er Jahre war<span class="Apple-converted-space">  </span>in den westlichen Ländern die Punkbewegung entstanden. Ob er seinen Ursprung in Großbritannien hat ist bis heute ebenso umstritten wie die Frage was Punk eigentlich ist.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Rocker und Hooligans sahen sie oft als Feinde. In all diesen Gruppen spielte Alkohol eine große Rolle und so war es kein Wunder, dass es im Umfeld der Szenekneipen immer wieder zu Schlägereien kam. Es bestand auch unter den Punks ein Zusammengehörigkeitsgefühl. „Wir gegen all die anderen“. Wurde ein Punk verprügelt sammelte sich die Gruppe und mischte die Gegner auf. Zu ihren<span class="Apple-converted-space">  </span>Feindbildern zählten in der Anfangszeit auch Hippies und ihre Nachfolger. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Doch diese wehrhaften Punks waren nur eine Spielart die oft mit Skinheads verwechselt wurde. Da beide Gruppen zu Ska und 2-tone Musik abtanzten war das kein Wunder. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1"> Die Masse der Punks war eher friedlich. Gemeinsam Musik hören, Bier trinken und diskutieren, das war ihr Leben. Und natürlich provozieren. Die Spießbürger ärgern. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die braven Bürger waren natürlich schockiert. Die besondere Kleidung und die Haartracht erregten Argwohn.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Es war also kein Wunder, dass die Rezeption in den Medien gemischt war. BBC und RIAS Berlin waren die Hauptquellen aus denen die Jugendlichen in der DDR vom Punk hörten. Punk Musik fand Eingang in das Programm dieser eher konservativen Sender. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Ungefähr 1977 tauchten in der DDR die ersten Punks auf. Die Staatsführung war geschockt, wie konnte es zu dieser Erscheinung kommen. Sofort begann der Apparat der Staatssicherheit zu ermitteln. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Abteilung K1 der Volkspolizei übernahm die Verfolgung. Da viele der frühen DDR Punks unter Alkoholeinfluss zu Gewalttaten neigten war das staatliche Feindbild klar. Man hatte es mit asozialen und kriminellen Personen zu tun. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Stasiakten spiegeln das Unverständnis der Machthaber wieder. Hatte die Punkbewegung zunächst nur in Großstädten, hauptsächlich Ost-Berlin, Anhänger gefunden griff sie bis in die frühen 80er Jahre auch auf Kleinstädte über. Die Schlägereien nahmen ab und die Bewegung wurde politischer. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi unterwanderten die Szene. Die Volkspolizei stufte allein in Ostberlin rund 250 Punks als Kriminelle ein. Ohne Gerichtsverfahren wurden diesen Auflagen erteilt. Gaststättenbesuche wurden ihnen verboten und sie durften sich außerhalb ihrer Wohnungen und Arbeitsstätten nur an wenigen Orten aufhalten. Da zu den Methoden der Stasi auch Arbeitsentzug gehörte bedeutete das oft quasi Hausarrest. Verhaftungen und Hausdurchsuchungen hatten aber in der Szene nicht den vom Staat gewünschten Erfolg. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Punks fingen an den Judenstern zu tragen, teils um zu provozieren, hauptsächlich aber um auf die Verfolgung hinzuweisen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das Versagen der K1 führte zur Übernahme der Kompetenzen durch das Ministerium für Staatssicherheit. Bisher hatten die DDR Medien die Punker weitgehend ignoriert, nun begann eine Kampagne gegen die „entartete und dekadente Subkultur aus der westlichen Welt.“ Männliche Punks wurden oft vorzeitig zur NVA eingezogen um sie dort „auf Linie zu bringen“. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Anders als die Volkspolizei hatte das MfS Erfolg. Die Punk Szene war 1983 weitgehend zerschlagen. Doch es gab einen harten Kern der sich mit gleichgesinnten im sozialistischen Ausland zu einer neuen Punk Bewegung zusammenschloss. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Zerschlagung erwies sich als Pyrrhussieg. Viele Ex Punker fanden sich in der Friedensbewegung zusammen. Die Gegnerschaft zur Hippiebewegung verschwand und Punker gehörten zu den Gründern der Gruppe: „Kirche von unten“. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Diese Punker waren wesentlich politischer. 1983 – 1985 fanden auch in der DDR Hausbesetzungen statt. Dabei wurde mit Umwelt- und Friedensaktivisten zusammengearbeitet. Punker nahmen an Veranstaltungen teil, so an Kranzniederlegungen am Gedenkstein für den Anarchisten Erich Mühsam. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die „Weichspülerpunks“ fanden nun neue Gegner bei denjenigen Skinheads, die in die rechte Szene abdrifteten. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Und andere reagierten auf die Änderungen mit dem Aufgeben der Reste bürgerlichen Verhaltens. Alkoholismus und Kleinkriminalität nahm unter ihnen stark zu. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Begriffe, die das MfS den Punks zuordneten, waren „negativ-dekadent“, „politisch labil“, „demonstrativ“, „radaumäßig“, „rowdyhaft“, „kriminell gefährdet“ oder „fehlentwickelt“. Sie ähnelten erstaunlich der Sichtweise bei westlichen Polizeibehörden. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Der Unterschied bestand im Umgang mit den Punks. Im Westen wurden Straftaten wie Diebstahl verfolgt, nicht die Kleidung oder Geisteshaltung. Für Westdeutsche Geheimdienste spielten Punks kaum eine Rolle. Westberliner Punks ärgerten sich in den 80er Jahren oft darüber kaum noch „Öffentliches Ärgernis“ zu sein. Es kam vor, dass Punks selbst die Polizei anriefen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das MfS versuchte die Bewegung in den 80ern zu steuern. Der alternative Schriftsteller Sascha Anderson durfte 1983 beim Westdeutschen Plattenlabel „Alternative Rockproduktionen“ DDR Punkmusik pressen lassen. Es dürfte keinen Kenner der DDR überraschen, dass er Stasispitzel war. Das Album „DDR von unten“ mit Bands wie Zwitschermaschine und Schleim-Keim gilt heute als erstes DDR Punkalbum. Vorher gab es nur Musikkassetten die primitiv selbst aufgenommen wurden.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Schleim-Keim wurde wegen unerlaubtem Westkontakt bestraft, Zwitschermaschine stand unter dem Schutz des IM. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Repression nahm weiter zu. Führungsfiguren wurden zur Ausreise in den Westen genötigt, wer stur blieb landete in Stasihaft. Der Auftritt von Punkbands bei der Blues Messe in der Christuskirche in Halle wurde von der Stasi gesteuert. IMs heizten<span class="Apple-converted-space">  </span>die Stimmung auf<span class="Apple-converted-space">  </span>und beim Auftritt von Namenlos wurde die Gruppe mit Steinen und Flaschen beworfen.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Doch die Punk Szene wuchs wieder. Trotz Verfolgung waren mehr Jugendliche bereit ihre Opposition zur DDR zu zeigen. Doch viele der neuen Punks waren IM, sie erhielten Zuwendungen in Form von Geldmitteln und Schallplatten aus dem Westen. Praktisch jede Punkband hatte IM unter den Mitgliedern.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Als 1986 ein zweites DDR Punk Album im Westen erschien unterblieb die Verfolgung der Band „Der Rest“. Ein Schelm der Schlechtes dabei denkt.<span class="Apple-converted-space">  </span>Beim MfS ging man neue Wege. Der DJ Lutz Schramm durfte ab März 1986 eine offizielle „Untergrund“ Sendung präsentieren. Unter der Bezeichnung „Die anderen Bands“ wurde über Punkbands berichtet. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">1988 brachte die DDR Plattenfirma Amiga das Album „Kleeblatt Nr. 23 – Die anderen Bands“ auf den offiziellen DDR Markt. Die Zeitschrift „Unterhaltungskunst<i>“</i> durfte nun erstmals über DDR-Punkbands berichten. 1988 erschien gar ein Dokumentarfilm. „Flüstern und schreien – Ein Rockreport“ der positiv über die Szene berichtete.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Freie Deutsche Jugend sprang auf den Zug auf. Die staatliche Jugendorganisation FDJ veranstaltete eigene Punkkonzerte. Im Oktober 88 wurde die Band „Die Skeptiker“ dann sogar Preisträger der IX. Werkstattwoche Jugendtanzmusik.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die „echten“ Punks lehnten diese FDJ Staatspunks ab. Sie wurden weiter verfolgt. Das MfS versuchte auch weiterhin bekannte, politische Punks auszuschalten und die als Anführer angesehenen Punks anzuwerben. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Am 17. Oktober 1987 stürmten Skinheads und Punks ein von der Zionskirche organisiertes Punkfestival. 30 Betrunkene grölten rechte Parolen und prägelten auf Besucher ein. Die von vielen telefonisch alarmierte Volkspolizei griff nicht ein. Erst nach Tagen wurden 22 Skinheads und vier Punks verhaftet. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Der Schwerpunkt der Szene hatte sich von Ost-Berlin nach Potsdam verlagert. Beim MfS wurden DDR weit nur noch 599 Punks registriert. Die rechte Skinheadszene war nun deutlich stärker. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Das Ende der DDR war für die DDR Punks ein zweischneidiges Schwert. Einerseits Freiheit, andererseits eine übermächtige Westmusikszene. Die wollte ihre eigenen Bands vermarkten und bot DDR Punkbands keine Plattform. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Viele DDR Bands lösten sich auf. Wenige überlebten, so wie Schleim-Keim. Die Skins und manche Punks gingen in der rechtsextremen Szene auf. Die linken Ideale der anderen Punks schliefen ein. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Das Ende der DDR mit FDJ und Planwirtschaft entzog den Ostpunkern die Grundlage. Sie hatten die Kleidung und die Musik der Westpunker übernommen ohne die Ideologie zu kennen. Sie suchten ein Stück Freiheit dessen selbstorganisiertes Chaos eine Alternative zu Ost- </span><span class="s2">und</span><span class="s1"> Westsystem bieten könnte. Ihre Vorstellungen von Anarchie waren sehr vage, das Zusammengehörigkeitsgefühl war weit wichtiger als Ideologie. Delikte wie Einbruch und Sachbeschädigung gehörten zur Szene, viele Ostpunks glaubten das sei echte Anarchie. Mädchen spielten eine untergeordnete Rolle, nur rund ein Viertel der jugendlichen Punks war weiblich. Frauenrechte spielten in der Ideologie keine Rolle und Frauenbands wie „Die rote Zora“ waren eine Ausnahme.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Ostberliner Punkszene hielt sich lange für<span class="Apple-converted-space">  </span>einzig „echt“, das Stürmen von bürgerlichen Gaststätten und Diskotheken gehörte zu ihrem Selbstbild. Schnell bildete sich ein Elitedenken, die „Alten Kämpfer“ verachteten die jungen Punks. Der Song „Kidpunks verpisst euch“ wurde eine Art Kampflied. Wer ihnen nicht passte, wurde in Berlin als „Plastic“ bezeichnet und „geruppt“, man raubte den Opfern die Punkkleidung . Nur wer Punk wirklich lebte wurde zur „echten“ Szene zugelassen. Die elitäre Gruppe spielte aber keine große Rolle. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die große Szene nach 1983 wurde mehr und mehr von „Freizeitpunks“ dominiert. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Erinnerung der Punks in der heutigen Gesellschaft ist von der üblichen Verklärung bei „Alten Kämpfern“ geprägt. Die Punks hatten nicht den Einfluss auf den Zerfall der DDR den viele ihnen heute andichten. Sie waren ein Ärgernis, andererseits machte es dem MfS leicht die Aufmüpfigen zu erkennen. Ohne Glasnost und die Wandlungen in der Sowjetunion hätte es die Wende nie gegeben. </span></p>
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		<title>Interflug</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/interflug/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 10 Oct 2019 11:51:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Ende des zweiten Weltkriegs war für viele Jahre auch das Ende der deutschen Luftfahrt. Die zivile Fluggesellschaft Lufthansa verschwand vom Himmel. 1953 wurde in Westdeutschland die Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf (LUFTAG) gegründet. Sie erwarb im folgenden Jahr die Namensrechte am Traditionsnamen Lufthansa, nun offiziell Deutsche Lufthansa AG. Erst 1955 erhielt die Bundesrepublik ihre Lufthoheit zurück [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><span class="s1"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-304 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2018/10/panam.jpg" alt="" width="941" height="627" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2018/10/panam.jpg 941w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2018/10/panam-300x200.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2018/10/panam-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 941px) 100vw, 941px" /></span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das Ende des zweiten Weltkriegs war für viele Jahre auch das Ende der deutschen Luftfahrt. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die zivile Fluggesellschaft Lufthansa verschwand vom Himmel. 1953 wurde in Westdeutschland die Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf (LUFTAG) gegründet. Sie erwarb im folgenden Jahr die Namensrechte am Traditionsnamen Lufthansa, nun offiziell Deutsche Lufthansa AG. Erst 1955 erhielt die Bundesrepublik ihre Lufthoheit zurück und der Linienflugbetrieb konnte am 1. April 1955 beginnen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Vier Wochen später folgte die DDR. Der Beschluss des Ministerrats wurde am 28.April veröffentlicht: „Zur Durchführung des zivilen Personen- und Frachtluftverkehrs ist mit Wirkung vom 1. Mai 1955 die deutsche Lufthansa zu gründen. Die deutsche Lufthansa untersteht dem Ministerium des Innern.“</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Am 1. Juli 1955 ernannte der Ministerrat die Mitglieder der Betriebsleitung der Deutschen Lufthansa GmbH der DDR.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Hauptdirektot wurde Arthur Pieck, der Sohn des Präsidenten der DDR. Der gelernte Schriftsetzer war fachlich völlig ungeeignet. Die in der DDR von ihm ausgeübten politischen Ämter hatten ihn nicht auf die Leitung einer Fluggesellschaft vorbereitet. Aber er hatte die nötigen politischen Verbindungen. Nach 10 Jahren ging er in den Ruhestand, er wurde nicht besonders vermisst. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Man hatte ihm einen guten Stab zur Verfügung gestellt. Der Direktor für Flugverkehr was ein erfahrener Pilot und der technische Direktor hatte bei der alten Lufthansa Schlosser und Meister gelernt. Der Politdirektor Karl Heiland war 1945 bei der Luftwaffe in der Pilotenausbildung gewesen, allerdings ohne Abschluss. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Ab Mai 1955 war Schönefeld als erster DDR Lufthansaflughafen betriebsbereit. Eine<span class="Apple-converted-space">  </span>Iljushin 14 mit Lufthansa Anstrich und der deutschen Registrierung <i>DDR-ABA</i> landete am 30. Juli als erste Lufthansa der DDR Maschine in Schönefeld. Der erste offizielle Flug startete am 16. September 1955 mit Ministerpräsident Otto Grotewohl zur Unterzeichnung des Staatsvertrages zwischen der Sowjetunion und der DDR nach Moskau. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Der 4. Februar 1956 brachte den Beginn des Linienverkehr auf der Stecke Berlin – Warschau. Am 27. Februar wurde ein spezieller Messeflugverkehr zwischen Berlin und Leipzig begonnen. Weitere Linien folgten in den nächsten Jahren. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Zunächst übernahmen deutsche Mitarbeiter nur die Bodenarbeiten. Wie die Flugzeuge stammte auch das fliegende Personal aus der Sowjetunion. Erst am<span class="Apple-converted-space">  </span>13. März 1957 flog Gerhard Frieß als erster deutscher Kommandant auf einem Linienflug der Lufthansa der DDR von Berlin über Vilnius nach Moskau.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Situation am Markt war aber seltsam, es gab zwei völlig voneinander unabhängige Fluggesellschaften die den Namen Lufthansa und das Kranichlogo verwendeten. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Langsam dämmerte den DDR Behörden, dass es mit dem Namen Lufthansa ein Problem gab, er gehörte nicht der DDR Lufthansa. So hatte Arthur Pieck schon wenige Monate nach der Gründung der Lufthansa der DDR gegenüber Otto Grotewohl Stellung genommen: „Formaljuristisch gesehen befinden wir uns in einer Situation, nach der selbst unsere eigenen Gerichte uns das Recht auf Führung des Namens <i>Deutsche Lufthansa</i> und des stilisierten Kranichs als Warenzeichen untersagen müssen.“</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Am 13. März 1958 saß eine Gruppe um Erich Honecker zusammen um für die Zukunft zu planen.<span class="Apple-converted-space">  </span>Am 8. September 1958 wurde als „Reserve“ die Interflug, Gesellschaft für internationalen Flugverkehr mbH gegründet. Auch hier war Arthur Pieck der Hauptgeschäftsführer. Haupteigentümer war die DDR Lufthansa. Lufthansa Crews mussten nun zur Sicherheit Uniformen von Interflug mitführen damit man im Fall einer unerwartet schnellen juristischen Klärung für den Rückflug gewappnet war. Für das Überstreichen des Logos hatte man Farbe bereitgestellt. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Der Interflugbetrieb beschränkte sich zunächst auf den Messeflugbetrieb. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Als sich vor dem Gericht in Belgrad die<span class="Apple-converted-space">  </span>Niederlage der Lufthansa (DDR) gegenüber der Lufthansa (West) abzeichnete beschloss<span class="Apple-converted-space">  </span>die SED eine neue Strategie zu nutzen. Man riskierte keine schlechte Presse nach einer Niederlage und erklärte: „dass die Lufthansa liquidiert wird, weil es unrentabel ist, zwei Gesellschaften zu haben, und dass eine Gesellschaft unter dem Namen <i>Interflug</i> gebildet wird“.<span class="Apple-converted-space">  </span>Am 1. September 1963 übernahm die personelle Spitze der nun aufgelösten Lufthansa der DDR die Interflugleitung. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">1968 erhielt die Interflug mit dem zweistrahligen Kurz- und Mittelstreckenflugzeug Tupolew 134 das erste Düsenflugzeug. Es blieb bis zum Ende der Fluggesellschaft im Einsatz. Wie fast alle sowjetische Flugzeuge verbrauchte es viel Kerosin und das führte zu hohen Betriebskosten. Lärmschutzauflagen und wirtschaftlich nicht reparierbare Korrosionsschäden machten den Typ zur Wendezeit zum Auslaufmuster. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">1970 folgte die Iljuschin 62 als Langstreckenstrahlflugzeug. Nun konnte ein Streckenbetrieb nach Kuba und Vietnam aufgenommen werden. Leider stürzte die erste DDR IL 62 am 14. August 1972 bei Königs-Wusterhausen ab, alle 156 Passagiere und Besatzungsmitglieder starben. Erneut zog das MfS alle Register. Dass die sowjetische Maschine ab Werk einen fatalen technischen Fehler hatte durfte keinesfalls bekannt werden. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">1980 wurde der DDR Inlandreiseflugverkehr eingestellt. Die Automobilisierung und Verbesserungen im Bahnservice hatten die Fluggastzahlen stark schrumpfen lassen. Auf dem Flughafen Heringsdorf fand danach kein ziviler Flugbetrieb mehr statt, er wurde aber weiter als Ausweichflughafen in Bereitschaft gehalten. Die Mitarbeiter dort wurden mit dem Bau von Kofferwagen und anderem Bodenservicematerial. beschäftigt.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Neben dem Linienflugverkehr führte die Interflug viele Charterflüge durch. Mit Reiseveranstaltern aus West-Berlin hatte die Fluggesellschaft Deals laufen die begehrte Westdevisen brachten. Doch die Flüge brachten wegen der steigenden Betriebskosten kaum Gewinn. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Das Streckennetz erreichte 1983 eine Ausdehnung von 122.000 Kilometern. 1,3 Millionen Fluggäste flogen in diesem Jahr mit der Interflug. Die Gesellschaft verfügte im Jahr 1989 im Betriebsteil Verkehrsflug über 40 Flugzeuge, von denen jedoch nur die drei geleasten Westeuropäischen Airbus-Maschinen Gewinn brachten. Die Ticketpreise deckten lediglich die Hälfte der Kosten, so war die Interflug für die DDR immer ein Zuschussgeschäft.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die<span class="Apple-converted-space">  </span>„Solidaritätsflüge“ der Interflug wurden als Charterflüge abgewickelt. Bei Hilfseinsätzen in Afrika flogen NVA Militärmaschinen vom Typ<span class="Apple-converted-space">  </span>Antonow 26 mit zivilem Kennzeichen und unter Interflug Nummern. Mit Sitzpolstern und Teppichen ausgerüstet flogen diese Militärmaschinen für die Interflug von Berlin-Schönefeld nach Lemberg um Arbeiter zur Erdgaspipeline Druschba zu bringen. Wegen der hohen Lärmbelastung wurden sie bei den Anwohnern der Flugplätze<span class="Apple-converted-space">  </span>unter dem Spitznamen „Trassenbomber“ bekannt. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Interflug übernahm in der DDR auch die Agrarfliegerei und sie war auch im Bereich Industrie- und Bildflug tätig. Die Piloten übernahmen Vermessungs- und Dokumentationsaufgaben, dabei wurden sie eng von vom MfS überwacht da in der DDR Landkarten als geheim galten. Die veröffentlichen waren verfälscht, so fehlte sogar der Flughafen Dresden auf DDR Karten. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">In einem Bereich lag die Interflug vor den westdeutschen Konkurrenten, im Kranflug. Im großen Umfang wurden Hubschrauber im Montagebereich eingesetzt. Bekannt wurde speziell der Hubschraubereinsatz bei der Streckenelektrifizierung der Deutschen Reichsbahn, größtenteils bei laufendem Betrieb. Dafür war das Rettungsflugwesen der DDR nur schlecht ausgebaut. Es wurde von der NVA durchgeführt, nur vereinzelt kamen Polizeihubschrauber zum Einsatz. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Das Ende der DDR brachte auch für die Interflug schnell das Aus. Die bundesrepublikanische<span class="Apple-converted-space">  </span>Deutsche Lufthansa AG bemühte sich um eine Kooperation mit der Interflug. Im November 1990 stellte die Lufthansa aber fest, dass die Interflug jede Woche einen Verlust von 1 Million DM machte, insgesamt gab es ein Defizit von 200 Millionen DM. Trotzdem beabsichtigte man eine Fusion doch das Bundeskartellamt lehnte diese ab. </span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Finanzlage zwang die Treuhandanstalt die Interflug zum 7. Februar 1991 zu liquidieren. Die einzigen modernen Maschinen waren drei Airbusse und eine DeHavilland Canada DHC-8. Mit den Sowjettypen konnte man am Weltmarkt nur bestehen wenn man weiter ständig Geld zuschoss.<span class="Apple-converted-space">  </span>Am 30. April 1991 führte eine Tu-134 mit dem Kennzeichen D-AOBC den letzten Interflugflug durch.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Airbus-Flugzeuge A310 wurden an den Leasinggeber zurückgegeben und von der Bundesluftwaffe für die Flugbereitschaft der Bundesregierung angekauft. Heute wird noch eines als Passagiermaschine von der Luftwaffe für den Transport von Soldaten eingesetzt.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Die Il-18 Staffel ging an die Neugründung Berline. Ihr Betrieb endete schon 1994.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Rund<span class="Apple-converted-space">  </span>1000 der gut qualifizierten Interflug-Mitarbeiter wurden nach der Liquidation durch die Lufthansa übernommen, darunter 450 in der Technik.</span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Auch der Bereich Wirtschaftsflug musste liquidiert werden, da mit der Auflösung der staatlichen Großbetriebe die wirtschaftlichen Voraussetzungen sowohl für den Agrar- als auch den Kranflug entfielen. Die Berliner Spezialflug (BSF) führt heute den Kranflug in wesentlich geringerem Umfang fort, heutige Umweltvorschriften schränken die Möglichkeiten deutlich ein. </span></p>
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		<title>Die Pionierrepublik Wilhelm Piek</title>
		<link>https://thewallmuseum.com/die-pionierrepublik-wilhelm-piek/</link>
		
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		<pubDate>Wed, 02 Oct 2019 10:05:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 1925 gab es nahe der Stadt Hursuf ein zentrales Pionierlager der sowjetischen Jugendorganisation Wladimir Iljitsch Lenin. Es wurde zunächst als „Allunions-Erholungslager für Kinder“ gegründet und diente damals als Erholungsort für tuberkulosekranke Kinder. Als Ferienlager wurde es ab 1938 unter dem Namen Artek bekannt. Jeder Kommunist kante Artek als „Mutter aller Pionierlager“. Die Sowjetunion machte [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><span class="s1"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-609 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/10/satellite-2781165_640-1.jpg" alt="" width="640" height="426" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/10/satellite-2781165_640-1.jpg 640w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/10/satellite-2781165_640-1-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Seit 1925 gab es nahe der Stadt Hursuf ein zentrales Pionierlager der sowjetischen Jugendorganisation Wladimir Iljitsch Lenin. Es wurde zunächst als „Allunions-Erholungslager für Kinder“ gegründet und diente damals als Erholungsort für tuberkulosekranke Kinder. Als Ferienlager wurde es ab 1938 unter dem Namen Artek bekannt.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Jeder Kommunist kante Artek als „Mutter aller Pionierlager“. Die Sowjetunion machte weltweit Propaganda mit Bildern von Kindern mit weißen Pionierhüten am Strand oder unter Zypressen. Artek erschien in praktisch jedem Russischlehrbuch das von den kommunistischen Parteien weltweit verwendet wurde. Pionierkalender zeigten es als ein Traumland. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Doch der Zugang zu Artek war eingeschränkt, in das Lager reisten nur die verdientesten Pioniere und die Kinder der Eliten für einen drei- oder sechswöchigen Sommeraufenthalt. Schon vor dem Krieg wurden die Kinder ausländischer Kommunistenführer eingeladen.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Im zweiten Weltkrieg wurde das Lager während der Besetzung der Krim in Mitleidenschaft gezogen. Man beschloss nach Kriegsende das Lager neu zu gestalten. Der Ausbau<span class="Apple-converted-space">  </span>erfolgte mit Gebäuden im Baukastensystem die von Anatolij Poljanskij konzipiert wurden. Der Grund war eine Änderung im Konzept das nun 5.000 Plätze hatte.<span class="Apple-converted-space">  </span>Die Häuser aus Glas und Aluminium erinnerten an Schiffe. Seit 1961 war das Gelände mit der längsten Oberleitungsbuslinie der Welt mit Jalta, Aluschta und Simferopol verbunden. Das war nur eine der Leistungen sowjetischer Technik die dort besonders werbewirksam präsentiert wurden. Dutzende Spielfilme wurden dort gedreht, neben Kinder- und Jugendfilmen auch SF Filme Begegnung im All 1963. Ein häufiger Gast war der Kosmonaut Juri Gagarin. Jeden Sommer besuchten 20.000 Kinder Artek in vier Schüben. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Sportanlagen hatten olympisches Niveau<span class="Apple-converted-space">  </span>und es gab ausgezeichnete Bildungseinrichtungen. Doch Artek war nur die Keimzelle. Mit dem Ausbau der Pionierbewegung zur Massenorganisation in den 60er Jahren wuchs die Zahl der Pionierlager für Kinder der „normalen“<span class="Apple-converted-space">  </span>Sowjetbürger. 1976 sollten bereits eine halbe Million Moskauer Kinder den Sommer in Pionierlagern verbringen. Aus dem Privileg für Wenige wurde damit ein Erlebnis an dem breitere Kreise teilhatten.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">&#8212;-</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Wohl alle Mitglieder im Ministerrat der DDR hatten in der Sowjetunion Pionierlager besucht und alle kannten den Ruf von Artek.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">1949 beschloss der Ministerrat den Bau einer sogenannten Pionierrepublik am Werbellinsee. Sie wurde am 16. Juli 1952 vom Präsidenten der DDR Wilhelm Piek unter dem Namen „Pionierrepublik Wilhelm Piek<i>“</i> eröffnet. Ein typisches Zeichen des Personenkults in den sozialistischen Staaten-. Das Konzept orientierte sich eng am Allunionspionierlager Artek. Mit der damals ungemein großen Summe von 18 Millionen Mark schuf Reinhold Lingner<span class="Apple-converted-space">  </span>eine gestaltete Landschaft in der sich die Gebäude des Architekten Richard Paulick „sozialistisch“ einfügen sollten. Betreiber war die Jugendorganisation der SED, die Freie Deutsche Jugend (FDJ). </span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Zunächst diente die Pionierrepublik<span class="Apple-converted-space">  </span>als Erholungsstätte für Kriegswaisen, später diente sie bis 1989 der politischen Erziehung von Mitgliedern der Pionier- und FDJ-Organisation der DDR. </span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Doch schon die ersten Gäste wurden intensiv politisch „erzogen“, ihr Tagesablauf war immer wieder von politischen Lektionen unterbrochen. Als Waisen schienen sie für die Beeinflussung besonders geeignet zu sein. </span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Die Tagesabläufe waren weitgehend festgelegt und mussten von den Pionieren und dem Personal das hauptsächlich aus Freiwilligen bestand, strikt eingehalten werden. Jeder Tag fing mit dem Hissen der Flagge an und endete mit ihrem Einholen. Deswegen war das Zentrum jedes Pionierlagers der Appellplatz, der eine Fahnenstange haben musste.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Man übernahm das russische Stichwort <i>rasumny otdych, </i> „vernünftige Erholung“. Darunter verstand man Sport und die Förderung technischer Fähigkeiten in Arbeitsgruppen. Die Besten wurden mit der Lagerflagge fotografiert, durften die Fahne hissen, bekamen Diplome und Abzeichen verliehen.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Selbst die Ausflüge und das abendliche Lagerfeuer waren Teil des politischen Lehrprogramms. </span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Die Anlage wuchs bis 1989 auf 1,1 Quadratkilometer. Eine Kinderkrippe für die Kinder der Mitarbeiter, Cafés, eine mongolische Jurte und Labors machten das Areal bei den dort Tätigen und den Gästen beliebt. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Im Laufe der Jahrzehnte besuchten rund 400.000 junge DDR Bürger, dazu seit 1961 auch ausländische Jugendliche, die Pionierrepublik. Man warb auch unter nichtkommunistischen Jugendlichen aus westlichen Ländern für den Besuch.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Außerhalb der Ferien und der Sonderveranstaltungen besuchten ca. 1000 Thälmannpioniere pro Durchgang die Pionierrepublik. Ausgewählt vom Freundschaftsrat der Schule wurde je Schule ein Schüler<span class="Apple-converted-space">  </span>als Delegierter geschickt. Die Teilnehmer erhielten für 6 Wochen in der Pionierrepublik regulären und intensiven<span class="Apple-converted-space">  </span>politischen Schulunterricht auf hohem Niveau.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Nachmittags war die Teilnahme am Pioniernachmittag Pflicht. Eine weitere<span class="Apple-converted-space">  </span>Pflicht war das tägliche Ansehen der DDR Nachrichtensendung Aktuelle Kamera. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Teilnehmer wurden angehalten Tagebuch zu führen. Diese waren nicht privat, darum wurden kaum negative Kommentare geschrieben. Da die Delegierten ohnehin unter den vermeintlich überzeugtesten<span class="Apple-converted-space">  </span>Pionieren ausgewählt wurden war die Indoktrinierung leicht. Galt es doch schon<span class="Apple-converted-space">  </span>als eine Auszeichnung den Pionierpalast besuchen zu dürfen oder an einem der 48 Zentralen Pionierlager in den Ferien teilzunehmen. Da war es das Größte für einen Thälmann-Pionier, für sechs Wochen in die Pionierrepublik delegiert zu werden. Doch selbst den 100 Prozentigen fielen Diskrepanzen auf,<span class="Apple-converted-space">  </span>Bananen und Apfelsinen waren in der Pionierrepublik DDR-untypisch kein Mangelartikel. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die gesellschaftliche Anbindung sollte über Partner erfolgen. Das Werk für Fernsehelektronik Berlin , der VEB Schiffsarmaturen- und Leuchtenbau Finow und das NVA Jagdfliegergeschwader „Hermann Matern“ waren nur einige.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Natürlich sollte die NVA die vormilitärische Ausbildung der Jungen Pioniere auch in der Pionierrepublik unterstützen. Schießen und Handgranatenwerfen waren ohnehin Teil der DDR Schulbildung. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Während der Sonderveranstaltungen hielt man sich damit natürlich zurück. Internationale Friedenslager und Gewehre passen nicht gut zusammen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Von 1990 bis 2004 war das Land Brandenburg Träger der ehemaligen Pionierrepublik. Unter dem Namen „<i>Kinderland am Werbellinsee“</i> wurde die Anlage vom Amt Jugend und Sport der DDR betrieben. Es sollte vor allem der Betreuung von Kindern aus den durch Umweltverschmutzung belasteten Gebieten der DDR dienen</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Schon 1992 wurde die Anlage zur „<i>Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte Werbellinsee“</i>. 2004 verkaufte das Land Brandenburg das gesamte Areal für nur 515.000 € an die WS Werbellinsee GmbH &amp; Co. KG. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Neben Klassen- und Vereinsfahrten sind<span class="Apple-converted-space">  </span>Familien- und Tagestourismus<span class="Apple-converted-space">  </span>heute die Hauptaktivitäten. Knapp 1.000 Betten stehen heute zur Verfügung.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Doch innen wurden sie auf modernen, westlichen, Standard gebracht. Es gibt drei Seminarhotels mit Doppel- und Einzelzimmern mit Dusche/ WC, fünf Gästehäuser mit Ein-, Zwei- und Dreibettzimmer inklusive Dusche/WC, sieben Jugendherbergshäuser und sechs Sommerhäuser mit Mehrbettzimmern und Gemeinschaftswaschräumen und ein kleines Ferienhaus für vier Personen.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Ein Restaurant am Seeufer und zwei Speisesäle versorgen die Besucher. Die DDR Sportanlagen wurden ebenfalls modernisiert, heute gibt es Beachvolleyballfelder und ein Sportstadion mit Tribüne, außerdem verfügt die Einrichtung über eine moderne Turnhalle und ein Wellnesshaus mit Sauna und Fitnessraum</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die Erinnerungen der Besucher zu DDR Zeiten sind überwiegend positiv. Besonders die<span class="Apple-converted-space">  </span>&#8220;Internationalen Sommerlager“ blieben in guter Erinnerung. Für die Kinder aus den sozialistischen Bruderstaaten war es ein Blick in die vermeintliche Zukunft, für die Jugendlichen aus dem Westen aber oft eher Realsatire. Mit einer Banane konnte man die seltsam schmeckende Ost Cola nicht vergessen machen. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das Sommerlager 1989 mit Kindern aus 50 Ländern war der letzte große Höhepunkt der Pionierrepublik . Die Stimmung der Besucher war aber nun<span class="Apple-converted-space">  </span>weit kritischer als in den früheren Jahren. Die politischen Lektionen fielen meist auf taube Ohren und viele frühere Pflichtveranstaltungen fielen weg oder wurden geschwänzt. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Dreißig Jahre später sind die Ideen der Betreiber der Pionierrepublik<span class="Apple-converted-space">  </span>dort am Ort nicht in Vergessenheit geraten. Doch die Realität hat sie längst überholt. Für die heutigen Besucher spielen sie keine Rolle mehr. </span></p>
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		<title>DDR Gesundheitssystem</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Sep 2019 09:38:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das staatliche Gesundheitssystem der DDR galt lange als vorbildlich denn jeder Kranke oder Verletzte hatte das Recht kostenlos behandelt zu werden und der Staat schaffte es eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Der Beitrag für die kombinierte Kranken- und Rentenversicherung betrug 20 % des Bruttoeinkommens und wurde direkt vom Gehalt abgezogen. Es gab einen Höchstsatz von [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><span class="s1"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-602 aligncenter" src="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/09/gesundheitssystem-ddr.jpg" alt="" width="1000" height="667" srcset="https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/09/gesundheitssystem-ddr.jpg 1000w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/09/gesundheitssystem-ddr-300x200.jpg 300w, https://thewallmuseum.com/wp-content/uploads/2019/09/gesundheitssystem-ddr-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Das staatliche Gesundheitssystem der DDR galt lange als vorbildlich denn jeder Kranke oder Verletzte hatte das Recht kostenlos behandelt zu werden und der Staat schaffte es eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Der Beitrag für die kombinierte Kranken- und Rentenversicherung betrug 20 % des Bruttoeinkommens und wurde direkt vom Gehalt abgezogen. Es gab einen Höchstsatz von 600 Mark, bei Mitgliedern der FZR (Freiwillige Zusatzrentenversicherung) 1200 Mark. Die Hälfte des Vorsorgebetrags wurde vom Betrieb getragen. Kinder und Ehepartner waren beitragsfrei mitversichert, nicht berufstätige Familienmitglieder konnten sich für 0,50 Mark/Monat freiwillig rentenversichern. Freiberuflich Tätige wie Künstler, Gewerbetreibende und Pfarrer konnten sich für 10 Mark / Monat bei der Staatlichen Versicherung der DDR krankenversichern. Sie konnten auch der Sozialversicherung beitreten, mussten dann jedoch auch den Arbeitgeberanteil selbst tragen</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Ein großer Vorteil war, dass alle vom Arzt verschriebenen Medikamente kostenlos waren, ein Nachteil aber, dass die Einfuhr von modernen Medikamenten aus dem nichtsozialistischen Ausland in die DDR bis 1985 offiziell untersagt war.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Für die ambulante medizinische Versorgung gab es neben den staatlichen Ambulatorien und Polikliniken auch legale private Praxen. 1989 gab es aber nur noch 1 % Privatpraxen.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Die Verteilung von Krankenhäusern und Spezialkliniken wurden gemäß der Bevölkerungsdichte vorgenommen. Träger waren in der Regel die staatlichen Behörden, es gab aber auch einige kirchliche Einrichtungen.</span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Über Jahrzehnte gelang es mit der westlichen Medizin mitzuhalten. In manchen Bereichen war man sogar besser, so z.B. lag die Säuglingssterblichkeit lange unter der in Westdeutschland. </span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Doch in den späteren Jahren geriet die DDR Medizin ins Hintertreffen. Die einheimische Industrie war nicht in der Lage die Geräte für die moderne Apparatemedizin zur Verfügung zu stellen.<span class="Apple-converted-space">  </span>Das Importverbot für westliche Medikamente verurteilte manchen DDR Bürger unnötig zu einem frühen Tod. </span></p>
<p class="p2"><span class="s1">Schlimmer noch, im vermeintlich klassenlosen DDR Staat war die Gesundheitsversorgung keineswegs für alle Bürger gleich. </span><span class="s2">Während z.B. im Regierungskrankenhaus, in der Berliner Charité oder den Krankenhäusern der Wismut-Werke (die in Sachsen und Thüringen den Uran-Bergbau betrieben) die zutrittsberechtigten Patienten eine erstklassige Versorgung erhielten, mussten die meisten Krankenhäuser seit Mitte der 70er Jahren mit einer veralteten technischen Ausstattung und nur zu oft auch mit unzureichenden medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten auskommen</span></p>
<p class="p4"><span class="s2">So kam Ende der 1980er Jahre in der DDR nur ein Computertomograph auf 600.000 Einwohner (Westeuropa 1 Gerät<span class="Apple-converted-space">  </span>je 100.000 Einwohner) und ein Ultraschall-Gerät auf 32.000 Einwohner (Westeuropa: 1 Gerät je 2500 Einwohner).</span></p>
<p class="p4"><span class="s2">Der normale DDR Zahnarzt musste mit den veralteten Trockenbohrern arbeiten, die Hitzeentwicklung beim Bohren machte die Zahnbehandlung zu einer Tortur.</span></p>
<p class="p4"><span class="s2">Die vorhandenen Dialysegeräte reichten bei weitem nicht aus. Insulin oder wirksame Herz-Kreislauf-Mittel konnten der Masse der Patienten meist nicht verschrieben werden.</span></p>
<p class="p4"><span class="s2">In den 80er Jahren wurde DDR Patienten sogar ganz offiziell empfohlen sich dringend notwendige Medikamente von Verwandten oder kirchlichen Stellen in Westdeutschland schenken zu lassen. Eine ganze Anzahl schwerkranker DDR Bürger hatte Westvermögen, z.B. aus Erbschaften. Doch der Hürdenlauf für<span class="Apple-converted-space">  </span>die Genehmigung zum Kauf von Westmedizin war enorm. Fast alle starben vor der möglichen Genehmigung.</span></p>
<p class="p4"><span class="s2">Einer der positiven Aspekte des sozialistischen Systems war das breit gefächerte Angebot an Vorsorgeuntersuchungen. Dazu gehörten auch turnusmäßige Pflichtuntersuchungen bei Schwangerschaft und regelmäßige Reihenuntersuchungen in Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen. Ambulante Röntgenfahrzeuge für Reihenuntersuchungen in kleineren Städten und auf Dörfern halfen sehr erfolgreich bei der Bekämpfung der Tuberkulose. </span></p>
<p class="p4"><span class="s2">Die heutigen Ärztehäuser sind nur ein müder Abklatsch der DDR Polikliniken. Unter einem Dach fand der Bürger so gut wie jede medizinische Versorgung, vom Augenarzt bis zum Zahnarzt. Die Fachärzte hatten die Labors unter demselben Dach.</span></p>
<p class="p4"><span class="s2">Erklärtes Ziel war die „Erhaltung der Gesundheit der Werktätigen.“ Doch tat man sich schwer den Bürgern die ungesunden Angewohnheiten abzugewöhnen. Denn fettreiches Essen, Rauchwaren und Alkohol waren die Konsumgüter die dem DDR Bürger immer zur Verfügung standen. Auch Zucker stand in großen Mengen zur Verfügung. Dagegen war die Versorgung mit Obst unzureichend. Dies erklärt die Faszination der DDR Bürger für exotisches Obst, Ananaskonserven z.B. hatten im Osten einen Ruf den der verwöhnte Westbürger kaum verstehen konnte. Nur gelegentlich erhielt die DDR von „sozialistischen Bruderländern“ exotische Früchte.</span></p>
<p class="p5"><span class="s2">Weiter führte die allgemeine Unzufriedenheit der DDR Bürger zu einem alarmierend zunehmenden Alkoholkonsum: Jeder der 16,5 Millionen Einwohner konsumierte 1989 statistisch mit 146 Liter Bier und 15,5 Liter Schnaps das Vierfache des Pro-Kopfverbrauchs von 1960.</span></p>
<p class="p6"><span class="s2">So war die Lebenswartung in der DDR in den 1980er Jahren bei Frauen mit 75,7 Jahren um drei Jahre und bei Männern mit 69,7 Jahren um 2,5 Jahre unter dem bundesdeutschen Durchschnitt</span></p>
<p class="p7"><span class="s4">Über die Probleme der Gesundheitsversorgung wurde in der DDR nicht berichtet. </span><span class="s1">Die Staatssicherheit aber wusste natürlich Bescheid. Im April 1989 fasste sie die „Ursachen zur Versorgungssituation im Gesundheitswesen“ zusammen: „Die materiell-technische und personelle Versorgung sei unzureichend, die Pharmaindustrie veraltet. DDR-Produkte seien kaum einsetzbar, wir sind teilweise völlig abhängig vom nicht sozialistischen Wirtschaftsgebiet.“</span></p>
<p class="p7"><span class="s4">In der Zeit vor dem Mauerbau waren viele Ärzte in den Westen gegangen. In den 1980er Jahren führte dann eine massenhafte Ärzteflucht zu einem chronischen Mangel, besonders bei den dringend benötigten Spezialisten. Zahlreiche </span><span class="s1">Akten aus dem Ministerium für Staatssicherheit belegen einen deutlichen Ärztemangel in der DDR in den 1980er Jahren. Mediziner fehlten sowohl in den Krankenhäusern, als auch in der ambulanten Betreuung. Dabei waren die einzelnen Bezirke und verschiedene Facharztrichtungen unterschiedlich stark betroffen. Im Jahr 1987 wurde der Ärztemangel an der Universität Greifswald als ein „kaum zu lösendes Problem“ bezeichnet. Mehr als ein Fünftel aller Klinikbetten konnte nicht belegt werden. Ideologie spielte eine fatale Rolle, d</span><span class="s4">as DDR System lies nie genug junge Menschen zum Studium zu und die Ideologie verhinderte, dass Kinder von Ärzten in die Fußstapfen ihrer Eltern traten.</span></p>
<p class="p6"><span class="s2">Fertige Ärzte hatten andere Probleme. In vielen Städten gab es für sie keine Wohnungen. Der allgemeine Wohnungsmangel in der DDR traf auch sie. </span></p>
<p class="p7"><span class="s4">Die Stasi sprach sich generell gegen Westreisen zur Weiterbildung aus. Zu oft waren Ärzte einfach nicht wieder heimgekehrt. </span><span class="s1">Im Frühjahr 1989 berichtete das MfS: „Vor allem 30- bis 45-jährige fachlich gute Ärzte, ein Viertel davon in Leitungsposition, würde die DDR „ungesetzlich“ verlassen.“</span></p>
<p class="p7"><span class="s1">Dazu engagierten sich überproportional viele Mediziner in der Bürgerbewegung. Das MfS war in der schwierigen Lage gegen die Ärzte wegen des Ärztemangels nicht vorgehen zu sollen. Schlimmer, immer mehr DDR Bürger wurden sich über den Rückstand zum Westen klar. Die Vielzahl der Krankenhaus- und Arztserien im Westfernsehen waren wirkungsvoller als jede staatliche Propaganda der „Klassenfeinde“. </span></p>
<p class="p7"><span class="s1">Nur wenige glaubten noch an die klassenlose Medizin. Die „Bonzen“ der SED hatten Zugang zur besten Versorgung und schon immer wurden für sie Westmedikamente beschafft. So beschleunigte die Medizinkrise den Untergang der DDR.</span></p>
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