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2019 jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. Grund genug für Berlin und die Bundesregierung eine Vielzahl von Feierlichkeiten, Ausstellungen und Veranstaltungen zu planen.

Zwischen dem 4. und 10. November 2019 soll die Stadt in ein gigantisches Open-Air-Ausstellungs- und Veranstaltungsgelände verwandelt werden.

Alexanderplatz, Gethsemanekirche, Brandenburger Tor, Schlossplatz, Kurfürstendamm, East-Side-Gallery und Stasi-Zentrale in Lichtenberg sollen Schauplätze von großflächigen Projektionen mit Bildern, Filmen und Soundinstallationen werden. Konzerte, Vorträge und Lesungen sollen an vielen Stellen der Stadt stattfinden. Zeitzeugen sollen ihre subjektive Sicht der Ereignisse erzählen, Poetry slams und Filmvorführungen eine künstlerische Sichtweise beisteuern.

Den Abschluss der Feierlichkeiten soll der Konzertabend am  9. November 2019 bilden. Die ganze Stadt soll zur Konzertbühne für internationale Künstler werden.

Während das Wall Museum an der East-Side-Gallery seit seiner Gründung 2016, seinem selbstgewählten Auftrag gemäß, über alle Aspekte des Lebens im Schatten der Mauer berichtet werden 2019 viele andere Museen mit Sonderausstellungen Teilaspekte darstellen, ohne aber zu versuchen das Ganze zu vermitteln. Das neben der Touristenattraktion  East-Side-Gallery gelegene Wall Museum nutzt Möglichkeiten die den anderen nicht zur Verfügung stehen. Und die manche nicht wollen.

„Wir schauen mit differenziertem Blick auf die Zeit des Umbruchs in der DDR“, sagt Tom Sello, Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Land Berlin. Es gehe auch um die Hoffnungen, Wünsche und Forderungen, die die Menschen damals hatten. „Wir wollen die internationale Dimension der Ereignisse betrachten. Dabei wollen wir uns auch mit den Menschen beschäftigen, die 1989 nicht als einziges Jubelfest erlebt haben. Insofern spielen für uns auch die Ambivalenzen des Erinnerns in diesem Jahr eine große Rolle.“

Vor 10 Jahren, im Jahr 2009,  entstand auf dem Alex eine große Freiluft-Ausstellung zur Friedlichen Revolution, entlang des Mauerstreifens kippten riesige Dominosteine um. Zum 25. Jubiläum  im Jahr 2014 wurde der Mauerverlauf mit 8000 leuchtenden Ballons markiert, die abends in den Himmel stiegen.

2019 wollen sich die staatlichen Veranstalter nicht mehr auf die Mauer konzentrieren, es soll weniger großartig, sondern „erinnernd und mahnend“ werden.

Nun, auch unabhängig von staatlich organisierter Erinnerung  wird Berlin 2019 wieder ein Jahr fantastischer Ort sein. Weltstars wie Pink oder Fleetwood Mac und  Eric Clapton werden die Stadt mit ihren Konzerten begeistern. So unterschiedliche Künstler wie Udo Lindenberg, Kiss, Rammstein, Metallica und der Elektronik-Pop-Künstler Schiller  bieten für jeden Geschmack Unterhaltung. Die Berliner Clubszene hat sich seit dem Mauerfall zu einer der lebendigsten der ganzen Welt entwickelt. Egal ob Jazz, Rock, Punk oder Klassik, jeder Berlinbesucher findet seine Musik. Die Künstler die in den Clubs heute ihre Freiheit nutzen feiern den Mauerfall mit am ehrlichsten.

Den kulturellen Jahresabschluss bildet wie immer die Silvesterparty zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule mit vielen Künstlern.

Andere Gäste werden 2019 von den zahlreichen Kongressen in die Stadt gelockt. Viele werden die Arbeit mit einem Besuch der ehemaligen Grenze verbinden. Wohl kein Ort an der ehemaligen Zonengrenze kann mit der Wassergrenze an der East-Side-Gallery mithalten. Die Oberbaumbrücke ist der ideale Startpunkt für einen Spaziergang entlang der Spree und der Balkon des Wall Museums ist der perfekte Aussichtspunkt dort.

Tausende werden zum Berlinmarathon kommen. Sie werden jedoch hauptsächlich das ehemalige Westberlin sehen, so ist auch für sie ein Abstecher zur East-Side-Gallery ein Muss, so wie auch für die vielen Touristen.

Berlin wird auch 2019 seinem Ruf als lebendige Metropole gerecht werden.

Doch wo viel Licht ist gibt es auch Schatten. Z.B. wird die Idee einer zentralen Gedenkstätte nicht realisiert. Was nicht unbedingt schlecht ist.

Die Stimmung ist in Teilen der Bevölkerung nicht gerade positiv, im Osten noch weit weniger als im Westen. Noch eine Party, mit dem üblichen Rock und Hüpfburg Gemisch, wird daran wenig ändern. Auch die vom Ex-Ministerpräsident Brandenburgs Matthias Platzeck geleitete Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ wird scheitern. 22 Männer und Frauen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur, darunter die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig  und der Schauspieler Jan Josef Liefers, sollten es richten. Der Veranstaltungsplan weist aber nichts sensationell Neues auf. Nur alles noch ein wenig größer und teurer.

Platzecks Idee einer Gedenkstätte „Zentrum Aufbruch Ost“ für rund 200 Millionen Euro sprengte den Finanzrahmen. Bisher seien „die 30 Jahre dieses beispiellosen Umbruchs in ihrer Komplexität, in ihrer Tiefe unterbelichtet“, sagt Platzeck. Er wolle die Leistungen der Ostdeutschen würdigen.

Die Meinung der Bevölkerung dazu deutet ein E- Leserbrief im Tagesspiegel Forum  (6.5.2019) an:

Die Leistungen der Ostdeutschen würdigen, in dem man 200 Millionen verplempert?
Das hätte den Ostdeutschen,  die noch mehr unter prekären Arbeitsverhältnissen und Lohndumping zu leiden haben als die Westdeutschen, wohl keiner erklären können.“

Auch ohne Gedenkstätte werden über 60 Millionen Euro für die Veranstaltungen ausgegeben werden. Was werden die Besucher dieser Veranstaltungen mit nach Hause nehmen? Bei älteren werden wohl Erinnerungen aufgefrischt. Doch wie wird es bei den jungen Leuten?

Der eigentliche Kern der Erinnerung wird sich wohl in den Familien abspielen. Menschen die sich gemeinsam erinnern wie die Mauer ihr Leben 28 Jahre lang beeinflusste. Doch darf ja nicht vergessen werden, die Mauer ist nun länger weg als sie vorhanden war.

Eine ganze Generation ist nachgewachsen für die die Mauer und die DDR fast so fern sind wie Zweiter Weltkrieg und Kaiserreich. Und so wie Eltern und Großeltern auf die immer gleichen Erzählungen über den Weltkrieg reagierten werden auch die Jungen die Augen verdrehen und heimlich gähnen.  Dass die „Friedliche Revolution“ nicht ohne persönliche Risiken war wird schon lange nicht mehr wahrgenommen.

Ostalgie und Relativieren von Staatssicherheit, vormilitärischer Ausbildung  und FDJ Propaganda haben Hochkonjunktur.  SPD Jusos reden 2019 von Verstaatlichung von Privateigentum und vermitteln den Eindruck, dass die DDR ein demokratisch sozialistischer Rechtstaat war der wirtschaftlich lebensfähig war.  Legenden von angeblich international wettbewerbsfähigen Betrieben, die in der Wendezeit plattgemacht wurden, kursieren in immer weiteren Kreisen. Wenn der Thüringische Ministerpräsident im Mai 2019 eine neue Nationalhymne  fordert, die auch Ostdeutsche singen können, ist das ein Beispiel für die Befindlichkeit vieler Ostdeutscher. Was stört den Politiker der LINKEN an „Einigkeit und Recht und Freiheit“? Hat man das ganze DDR Unrecht vergessen?

Auf Konzerte das Etikett „Wiedervereinigung“ zu kleben wird an der Einstellung wenig ändern. Nur die abrundende Darstellung in einem modernen multimedialen  Museum kann einen Eindruck vermitteln wie das Leben wirklich war.

Im The Wall Museum erleben die Besucher auch 2019 multimedial inszeniert die Geschichte der Berliner Teilung und der Wiedervereinigung.  Das Mauer Museum befindet sich im ehemaligen Mühlenspeicher an der berühmten East Side Gallery und der Grenzstation Oberbaumbrücke.

In 13 Räumen erfühlen die Besucher die ereignisreiche Geschichte Deutschlands ab 1945, der DDR und des Kalten Krieges. Original Ausstellungsstücke, multimediale Präsentationen und einzigartige Originalbeiträge berühmter Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie Michail Gorbatschow oder Leonardo DiCaprio machen die Teilung Deutschlands und wie diese überwunden wurde auf eine besondere Weise erlebbar. Jeden Tag, 10 – 19 Uhr.

Der Besuch des Mauer-Museums lässt viele Gäste erstmals verstehen, wie es zum Mauerfall kam, und vermittelt unbekannte Aspekte und viele interessante Hintergrund-Informationen. Das vielfach ausgezeichnete Museum an der Berliner Mauer ist ideal für Schüler und geschichtsinteressierte Reise-Gruppen, und überrascht selbst Menschen die die Ereignisse erlebt haben  mit einer Fülle faszinierender Filme und besonderer Exponate.

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