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Warum die nukleare Katastrophe ausblieb

Auf Grund der Potsdamer Konferenz wurde Berlin in vier Sektoren (Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und USA) geteilt. Somit wurde Berlin in Folge politischer Entwicklungen, wie den Währungsreformen und den unterschiedlichen politischen Systemen, in zwei Bereiche geteilt und zwar wurde Berlin seit 1949 in die sowjetische Ostzone, die kommunistisch war, und in die kapitalistischen Westzonen der Westmächte (Frankreich, Großbritannien und USA) geschieden. Die Berlinkrise hatte schon Ende der vierziger Jahre ihren Ausgangspunkt in den Spannungen zwischen der Ostzone und den westlichen Mächten, als die Sowjetunion die Westmächte aufforderte Berlin zu verlassen, um auf jedweden Anspruch in West-Berlin zu verzichten. Dabei kam es dazu, dass die sowjetische Militäradministration sämtliche Zufahrtswege nach Berlin abriegelte. Ziel der Sowjetunion war es, auf diese Weise durch die sogenannten Berlin-Blockade die Westmächte zur Aufgabe zu zwingen. Doch die Westmächte weigerte sich einfach so Berlin zu verlassen. Schließlich setzte die USA auf die Luftbrücke, sodass Berlin aus der Luft versorgt wurde. Die Rosinenbomber brachten Kohlen, Nahrungsmittel und andere wichtige Dinge nach Berlin. Die Versorgung Berlins aus der Luft sorgte dafür, dass die Sowjetunion keinerlei Druckmittel mehr hatte, um ihre Politik durchzusetzen. Damit bestätigten die Ereignisse die Teilung Deutschlands in Ost- und Westdeutschland.
Trotz dieser ersten Berlin-Krise forderte die Sowjetunion mehrfach den Abzug der Westmächte aus Berlin, was dazu führen sollte, dass es zu einer zweiten und tiefgreifenderen Berlin-Krise kommen sollte. Mit dem Chruschtschow-Ultimatum vom November 1958 war nochmals die Forderung nach einer Entmilitarisierung Berlins verbunden. Diese Forderung zielte auch darauf hinab, dass Berlin eine freie und unabhängige Stadt ist. Der Drei-Staaten-Theorie zufolge sollte Berlin als unabhängige und freie Stadt neben der DDR und BRD zum dritten deutschen Staat werden. Die Forderung Chruschtschows konnte von Seiten der Westmächte nicht gefolgt werden. So wurde Berlin als Teil der Bundesrepublik Deutschlands gesehen und Berlin galt daher als Teil der NATO. Ferner sollten die Verkehrswege nach Berlin nicht verletzt werden. Auch habe Berlin Selbstbestimmungsrechte. Gerade für die USA hätte ein Nachgeben gegenüber dem Chruschtschow-Ultimatums eine Schwächung ihres Prestige als Ordnungsmacht in Europa bedeutet. Dennoch bahnte sich eine zweite Berlin-Blockade an.
Schon im Januar 1959 kam es zu einer neuen Offerte der Sowjetunion und zwar sollte ein Friedensvertrag mit ganz Deutschland abgeschlossen werden. Dabei war das Ziel, dass es ein entmilitarisierte und konförderatives Deutschland geben solle. Die BRD lehnte dieses Angebot ab. Die übrigen Westmächte stimmten diesem Angebot zu. Demnach kam es zu einer weiteren Außenministerkonferenz in Genf, wo über den Herter-Plan (Wahlen in Berlin bevor in Gesamtdeutschland), und über Friedensverhandlungen mit Gesamtdeutschland und über die Berlin-Frage verhandelt wurde. Sodass es zu einer ergebnislosen Konferenz kam. Auch wenn die Konferenz und ein Treffen von Eisenhower und Chruschtschow zur Entspannung beitrugen, kam es zu einer weiteren Verschärfung der Lage als die Sowjetunion ein amerikanisches Spionageflugzeug auf ihrem Territorium abschoß.
1961 änderte sich nach Kennedys Regierungsantritt die Deutschland-Politik und er verkündete die drei essentials, wonach es galt die Präsenz amerikanischer Truppen in der Stadt Berlin, freien Zugang zur Bundesrepublik Deutschland und die Sicherung der Lebensfähigkeit der Stadt Berlin zu akzeptieren. Damit gelang es der USA wieder in die Position des Handelnden zu gelangen. Auf diese drei Essentials hin folgte die Abriegelung von Berlin, sodass am 13. August 1961 durch die DDR die Berliner Mauer errichtet wurde. Die Berliner Mauer trennte die Stadt in zwei Bereiche, die nun unüberwindbar die Stadt Berlin teilte. Demnach wurde West-Berlin von Ostdeutschland abgeschnitten, sodass jedoch festgestellt wurde, dass die drei Essentials trotz Mauerbaus eingehalten wurden, da es zu keiner Vertreibung der US-Truppen, der Zugang zur Bundesrepublik zumindest per Flugzeug und die Lebensfähigkeit der Stadt noch gegeben war. Somit war nun auch die Position der Wiedervereinigung von Seiten der SU endgültig aufgegeben. Trotzdem zementierte die Berliner Mauer die Spaltung Deutschlands in Ost- und Westdeutschland, sodass durch den Mauerbau eine Abstimmung mit den Füßen verhindert werden sollte. Dabei wurde auch das entstandene Grenzgängertum endgültig beendet. Somit wurden Familien in Ost- und Westdeutschland zerrissen.
Die Berlin-Krise zeigt, wie groß die Gefahr eines Krieges war. Das kluge Taktieren auf beiden Seiten konnte eine große Katastrophe verhindern. Dennoch resultierte aus der Tatsache der Besatzung Berlins eine fortdauernde Gefahr für eine weiter gehende Konfrontation, die jedoch bei jeder Krise ausblieb. So kam es zu einer entscheidenden Konfrontation als Militärs und Diplomaten den Checkpoint Charlie benutzen wollten. Dort konnten Militärs und Diplomaten ohne Kontrolle von West nach Ost reisen. Trotzdem kam es zu einem Exempel als im Oktober 1961 die amerikanische Offiziere kontrolliert werden sollten. Dabei kam es zu einem Gerangel, sodass die Amerikaner Panzer aufzogen. Auch die Sowjetunion zog mit Panzern auf. Nur durch eine direkte Intervention von Chruschtschow und Kennedy konnte es gelingen, dass die Panzer zurückgezogen wurden. Dadurch wurde eine Zuspitzung des Konflikts vermieden. Dennoch blieb Berlin ein internationaler Brennpunkt.
Auch die Kuba-Krise war eine direkte Folge der Berlin-Krise und zeigt, wie problematisch die Berlin-Frage geworden ist. Erst mit dem Bau der Mauer konnten die Konflikte eingedämmt werden, wenngleich noch im Jahr nach dem Mauerbau die Berlin-Frage noch brenzlig war.
Im Herbst 1962 kam es schließlich zur Kuba-Krise, da die Sowjetunion Atomwaffen in Kuba stationieren wollte. Dabei ging es darum, auch die alte Forderung nach der Entmilitarisierung West-Berlins voranzubringen. Die Sowjetunion erhoffte durch diese weitere Stationierung von Atomwaffen auf Kuba ihre eigene Position bei den Verhandlungen um den Status von Berlin zu verbessern. Die USA beabsichtigte die Sowjetunion zu Wasser zu blockieren, sodass eine Seeblockade eine weitere Lieferung von Atomwaffen nach Kuba verunmöglichen sollte. Chrustschow lenkte ein und zog seine Atomraketen von Kuba ab. Im Gegenzug sicherte die USA zu, dass es keine Invasion auf Kuba geben würde. Die Kuba-Krise zeigte jedoch, dass die Berlin-Frage ungeheure Sprengkraft bot. Gleichwohl zeigte der Mauerbau und die Kuba-Krise, dass es um Berlin keine neuen Krisen mehr geben sollte.

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