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Die ostdeutsche Opposition speiste sich aus verschiedenen Quellen, so befanden sich unter den Oppositionelle auch Ausreisewillige, die die DDR für nicht mehr reformfähig hielten. Sie hielten die permanente Ausreise nach Westdeutschland als einzige Alternative, um ihre Lebensverhältnisse zu verändern. Mit der Ankündigung der ungarischen Grenzöffnung am 2. Mai 1989 galt es nach alternativen Ausreisemöglichkeiten zu suchen. Schließlich zeichnete sich mit der ungarischen Grenzöffnung auch eine Flüchtlingsbewegung ab, da die DDR immer weniger sich auf Reformen einließ. Schon allein die Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen deutete einen Reformunwillen an, sodass es für viele Zeitgenossen es als geboten galt, nicht nur auf die Ausreise zu warten oder über Ungarn zu wagen, sondern auch für Verbesserungen der eigenen Lebensbedingungen anzutreten.

Viele Ostdeutsche hofften über den Ungarnurlaub in den Westen zu kommen. Doch noch bestand die Mauer; auch wenn die zwischen den Ostblockstaaten bestehenden Grenzsicherungsabkommen anfingen zu zerbrechen, da die Einheit der Ostblockstaaten ebenfalls hinfällig wurde. Somit weigerte man sich, die Flüchtlinge abzuschieben, weil es kaum noch eine ideologische Verbundenheit zwischen Ungarn und der DDR bestand. Die Flüchtlinge nutzten die Gelegenheit, um notfalls nochmals zu fliehen. In diesem Zusammenhang fand das Paneuropäische Picknick statt, bei welchen die ostdeutschen Flüchtlinge eine okkassionale Grenzöffnung dazu benutzten Ungarn über Österreich zu verlassen. Die ungarische Führung war auf diese Situation eingestellt und öffnete am 10. September 1989 die Grenze, damit die ostdeutschen Flüchtlinge in ein Land ihrer Wahl ausreisen konnten. Die Situation in Ungarn wirkte auch noch auf die DDR zurück, die Massenflucht wirkte auf die Opposition in der DDR zurück

Erst im Spätsommer 1989 formierte sich wieder eine Opposition, die sich frei äußerte und die Reformbedürftigkeit der DDR öffentlich thematisierte. Schließlich zeichnete sich der Aderlaß an Menschen auch im alltäglichen Leben ab, die Ausreise über Ungarn wurde zum politischen Thema. Dabei bildete sich bereits am 8./9. September 1989 das Neue Forum heraus. Diese Plattform äußerte seit mehreren Jahrzehnten erstmals wieder frei und für jedermann zuverlässig politische Kritik. Auch andere Oppositionsgruppen begingen politische Aktivität. So wurden auch Demokratie Jetzt und der demokratische Aufbruch gegründet. Diese Organisationen bildeten eine Bürgerrechtsbewegung, was damals neuartige Möglichkeiten der Partizipation schuf.
Somit kam es bald auch zu neuen Protestzügen durch die Innenstädte von Leipzig und Berlin. Somit gab es Situationen, die von der Obrigkeit nicht mehr aufgehalten werden konnten, weil beständig die Gefahr der Ausreise über Ungarn bestand. Auch die Überwachung der Opposition änderte nichts daran, dass die Demonstrationen sich auch auf andere Städte ausbreitet. Die Gewaltandrohungen von Staat und Partei werden hinfällig, weil die Partei vor Gewalt zurückschreckt, um ihre Autorität nicht zu verlieren.

Gleichwohl zeigte sich, dass die neue Möglichkeit des Protests nicht das Ende der Forderungen bedeutete. Schließlich konnten sich die Situation nicht dermaßen klären, dass es zu einem Ende der Proteste kam. Somit gab es trotz der Proteste immer noch Ausreisewillige, die versuchten über die Tschechoslowakei auszureisen. Dabei wurde das westdeutsche Botschaftsgebäude in Prag von Flüchtlingen belagert, um so Ihre Ausreise zu erpressen. Schon im Oktober 1989 konnten die Flüchtlinge ihre Ausreise durchsetzen, sodass westdeutsche Außenminister Genscher erklären musste, dass die Ausreise stattgegeben wird. Dabei wurde jedoch von ostdeutscher Seite darauf insistiert, dass die Züge, mit denen die Ostdeutschen in den Westen gebracht werden sollten, über Ostdeutsches Territorium fahren sollten. Dabei zeigte sich, dass die Durchfahrt der Züge durch die DDR von Proteste begleitet waren. Schließlich kam es in Bad Schandau und Dresden zu Auseinandersetzungen, die von der Polizei niedergehalten werden sollten. Dabei wollten Ostdeutsche mit auf die Züge aufsteigen, um mit in den Westen zu fahren. An einer Stelle benutzten die Protestierenden einen Kinderwagen, um die Züge zum Anhalten zu bringen, was jedoch scheiterte, da die Züge durch den leeren Kinderwagen fuhren. Die Ostdeutschen kamen glücklich in Westdeutschland an.

Die Ereignisse zeigten, dass es seit dem 17. Juni 1953 erstmals wieder zu Protesten in Dresden, Bad Schandau, Leipzig und Berlin gekommen ist. Befehle und Befehlsketten scheiterten, sodass die Proteste sich erfolgreich durch die Innenstädte schlängelten. Diese Ereignisse zeigten, wie Proteste mit der Ausreisebewegung und der ostdeutschen Opposition verbunden waren. Am 4. November 1989 waren in Berlin und Leipzig gut eine Million Menschen auf der Straße sind, um für soziale Verbesserungen zu demonstrieren. Der Druck der Straße zwingt der SED Zugeständnisse ab. Am 9. November 1989 kommt es zur Grenzöffnung an der Bornholmer Straße, weil die Forderung nach Reisefreiheit einen gewaltigen Druck erzeugte, dem das DRR-Regime nach geben musste. Aus einem medialen Mißverständnis ergab sich somit der Mauerfall, der bis heute den Zusammenbruch des DDR-Regimes versinnbildlicht.

Mit dem Mauerfall verbunden war das Recht auf Reisefreiheit in die westliche Welt. Dieses Recht wurde durch die Grenzöffnung in der Bornholmer Straße ermöglicht. Günther Schabowskis Äußerung, dass alle Bürger per sofort in die westliche Welt reisen können, führte dazu, dass die DDR ihren Machtverlust eingestand. Der Mauerfall brachte als das zentrale Ereignis ein Ende der DDR in den Vordergrund, damit verbunden war die baldige Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Bundeskanzler Kohl ersann in seinen 10 Punkten einen Fahrplan zur Wiedervereinigung, der auch von den Westdeutschen und der westdeutschen Politik weithin geteilt wurde. Somit führte der Mauerfall auch zur Wiedervereinigung, da Kohls Politik die Einheit Deutschlands zur obersten Maxime erhoben hatte. Somit führte die Ausreisebewegung und die Proteste der ostdeutschen Opposition zum Mauerfall.

Ausreiseantrag
Paneuropisches Picknick